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Bieten USA dem Iran einen faulen Kompromiss bei Atomverhandlungen an?

Militärmanöver der iranischen Revolutionsgarden
Militärmanöver der iranischen Revolutionsgarden (© Imago Images / ZUMA Wire)

Die USA haben am Freitag angedeutet, zwar die iranischen Quds-Einheiten weiterhin auf ihrer Terror-Liste zu belassen, nicht aber die iranischen Revolutionsgarden.

Die Verhandlungen zu einem neuen Atomabkommen mit dem Iran sind in letzter Zeit ins Stocken geraten, als der Iran neue Bedingungen stellte: Das Mullah-Regime forderte die Aufhebung sämtlicher Sanktionen, die gegen den Iran verhängt wurden, weiters eine Garantie seitens der USA, das Abkommen nicht wieder einseitig aufzukünden, wie es der ehemalige US-Präsident Donald Trump im Jahr 2018 getan hat, und – als wohl heikelsten Punkt – die Einstufung der iranischen Revolutionsgarden als ausländische Terrororganisation zurückzunehmen.

Mit dieser neuen Ausgangslage, aber vor allem durch Russlands Angriff auf die Ukraine kamen die Verhandlungen in Wien endgültig zum Stillstand. Um doch noch zu einem Abschluss des Atomabkommens zu kommen, haben die USA, die an den Verhandlungen auf Wunsch des Irans zwar nicht direkt beteiligt sind, sondern sie nur indirekt mitbestimmen können, letzte Woche ein Kompromissangbot gemacht: Zwar verbleiben die Quds-Brigaden auf der Liste der ausländischen Terrororganisationen, nicht aber die iranischen Revolutionsgarden.

Damit erfüllt US-Präsident Joe Biden eine der wesentlichsten iranischen Bedingungen, um den Atomdeal endlich unter Dach und Fach bringen zu können. Im Moment gibt es vom Iran noch keine offizielle Stellungnahme dazu, es ist also noch völlig offen, wie es mit den Verhandlungen weitergehen wird.

Wer sind die Quds-Brigaden?

Die Quds-Brigaden sind die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, die in der arabischen Welt als Task Force des Mullah-Regimes eingesetzt werden. Ihre Aufgabe ist es, die dem Iran nahestehenden schiitischen Gruppen im Ausland militärisch und beratend gegen den »sunnitischen Feind«, zu dem in erster Linie Saudi-Arabien zählt, zu unterstützen, aber auch gezielte Terrorakte auf der ganzen Welt durchzuführen.

Die iranischen Revolutionsgarden werden von westlichen Militärexperten für ebenso schlagkräftig eingeschätzt wie die iranische Armee selbst. Neben dem starken Arm der Quds-Einheiten mit einer Einsatzgruppe von mindestens 5.000 speziell ausgebildeten Soldaten unterstehen den Revolutionsgarden eine eigene Marine und Luftwaffen- und Heereseinheiten.

Der Befehlshaber der Quds-Brigaden ist der jeweilige Oberste iranische Führer, der die strategischen Ziele – vorrangig die Verbreitung der Ideologie der Islamischen Revolution von 1979 in der muslimischen Welt – und die jeweiligen Einsatzgebiete festlegt.

Aktuell werden sie im Irak, im Libanon, im Jemen, aber vor allem in Syrien eingesetzt, wo sie Präsident Baschar al-Assad unterstützen, der ohne ihre Hilfe den Krieg im eigenen Land wohl kaum überstanden hätte. Der Kampf gegen die sunnitische Terrormiliz IS zählte bis zu deren Zurückdrängung zu einer ihrer wichtigsten Aufgaben. Schon in den 1980er Jahren waren sie im Libanon aktiv, wo sie die schiitische Hisbollah-Miliz mitbegründet haben. Ihr bekanntester und erfolgreichster Kommandant war Qasem Soleimani, der im Jahr 2020 von den USA durch einen Drohnenangriff in Bagdad getötet wurde.

Doch ihr wahres Ziel verrät schon ihr Name, der sich vom arabischen Wort für Jerusalem ableitet: die Vernichtung Israels.

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