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Drohnen aus Iran in Venezuela stationiert

Venezeulas Präsident Maduro im Jahr 2012 zu Besuch bei Irans Ahmadinejad
Venezeulas Präsident Maduro im Jahr 2012 zu Besuch bei Irans Ahmadinejad (© Imago Images / Xinhua)

Der Iran ist daran interessiert, seine Präsenz in Lateinamerika zu verstärken, da er glaubt, dass solch eine Präsenz zur Abschreckung Washingtons beiträgt, sagt Tal Beeri, der Leiter der Forschungsabteilung des Alma Center.

Yaakov Lappin

Unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs) aus iranischer Produktion sind in Venezuela, an der Nordostspitze Südamerikas, stationiert, wo sie nur etwa 2.000 Kilometer „von den Wolkenkratzern in Miami entfernt sind“, so der Autor eines neuen Berichts über die Bedrohung durch UAVs gegenüber JNS.

Major (a.D.) Tal Beeri, Leiter der Forschungsabteilung des Alma Center, einer im Norden Israels ansässigen Verteidigungsaufsichtsbehörde, sagte, der neue Bericht beleuchte ein Thema, dem bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde: das Eintreffen von UAVs iranischer Herkunft in der westlichen Hemisphäre.

Der Bericht stellt fest, dass es sich bei den vom Iran hergestellten UAVs in Venezuela um

„Tausende von unbemannten Systemen handelt, die dazu bestimmt sind, nachrichtendienstliche Informationen zu sammeln und Boden- oder Luftziele anzugreifen, indem sie entweder Raketen und Bomben abwerfen oder einen ‚Selbstmord‘-Sprengstoffangriff durchführen, indem sie in das Ziel hineinfliegen«.

Iranisches Öl

Venezuela, das im Einzugebereich der USA liegt, ist ein Staat, der vom Büro des iranischen Obersten Führers Ayatollah Khamenei zumindest symbolisch als Teil der radikalen schiitischen Achse eingestuft wird, sagte Beeri, ein ehemaliges Mitglied des IDF-Militärgeheimdienstes.

„Das venezolanische Regime ist, wie der Iran, isoliert. Sie haben gemeinsame Interessen und pflegen ihre Beziehungen. Der Iran hat klare wirtschaftliche und militärische Interessen in dem Land und nutzt die Schwäche Venezuelas aus.“

Venezuela wiederum profitiert davon, dass es vom Iran militärische Fähigkeiten in Form von Drohnen erhält, die nach eigenen Angaben der inneren Sicherheit dienen, etwa zum Schutz von Ölanlagen.

Venezuela tauscht außerdem sein Schweröl gegen das leichte iranische Öl, das zur Herstellung von Benzin verwendet werden kann – und das Venezuela laut einem Reuters-Bericht zur „Verbesserung der Qualität seines teerartigen Rohöls“ nutzen kann.

Die USA waren in den letzten Monaten besorgt über die iranischen Öltanker und Marineschiffe, die Kurs auf Venezuela gesetzt hatten.

Teil der iranischen Achse

Im Jahr 2020 veröffentlichte Khameneis Büro ein Bild, das die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem zeigt, umgeben von iranischen Persönlichkeiten und iranischen Stellvertretern. Auf dem Bild war bemerkenswerterweise auch Venezuelas Präsident Nicolas Maduro zu sehen.

Drohnen aus Iran in Venezuela stationiert

Beeri erklärte gegenüber JNS:

„Letztlich haben die Iraner Venezuela als potenzielle Basis für künftige Aktivitäten gegen die USA ausgemacht. Selbst wenn sie nicht von dort aus agieren, ist die bloße Anwesenheit in Venezuela in der iranischen Strategie eine Bedrohung für die USA.

Die Islamische Republik scheint zu glauben, dass eine solche Präsenz zur Abschreckung Washingtons beiträgt und dazu führt, dass die USA ‚zweimal nachdenken‘, bevor sie militärisch gegen den Iran vorgehen.“

Der Iran hat in den letzten Jahren mehrere UAVs mit einer Reichweite von 2.000 Kilometern vorgestellt. Die Frage, ob man davon ausgehen könne, dass das iranische Korps der Islamischen Revolutionsgarden Personal in Venezuela unterhält, bejahte Beeri und fügte hinzu, dass es sich dabei um militärische oder technische Berater handeln könnte.

„Wir wissen, dass in Venezuela Produktionsstätten für die Fertigung von iranischen ‚Mohajer 6‘-Drohnen eingerichtet wurde, angeblich für den inländischen Gebrauch.“

Auch Hisbollah rüstet auf

Der Bericht des Alma Center schätzt, dass die Hisbollah im Libanon rund 2.000 UAVs besitzt – ein dramatischer Anstieg gegenüber den rund 50 UAVs, die sie 2006 hatte.

„Die Zahl der UAVs im Besitz der Hisbollah hat sich alle paar Jahre verdreifacht. Irgendwann wird eine Obergrenze erreicht sein, aber das ist noch nicht der Fall. Letztendlich will die Hisbollah eine umfassende UAV-Kapazität, die aus großen Systemen besteht, weil sie weiß, welchen Schaden sie Israel damit zufügen kann.“

Dieser potenzielle Schaden wäre sowohl ein materieller als auch ein psychologischer, weil die UAVs eine Reihe an Fähigkeiten ausgleichen würden, die der Hisbollah fehlen, nämlich Luftstreitkräfte und eine ausreichende Menge an präzisionsgesteuerte Raketen (PGM).

„Man schätzt, dass die Hisbollah über einige hundert PGMs verfügt, aber das ist ihrer Meinung nach nicht genug. Die Hisbollah ist bei ihrem Versuch, mehr zu beschaffen, auf Schwierigkeiten gestoßen. Plötzlich hat sie eine Alternative. UAVs sind relativ billig und präzise. Sie überbrücken die Lücke. Daher ist die Hisbollah daran interessiert, ihre Bestände zu vergrößern.“

Während des Syrienkriegs, an dem die Hisbollah massiv beteiligt war, konnte die iranisch-schiitische Achse einen Schmuggelkorridor eröffnen, der den Iran über den Irak mit Syrien verbindet. Dies, so Beeri, ermöglichte den Schmuggel von Drohnen in den Besitz der Hisbollah.

„Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist die wachsende Fähigkeit der Hisbollah zur Herstellung von Drohnen im Libanon. Sie kann ihre eigenen UAVs auf libanesischem Gebiet herstellen, indem sie lokale Komponenten kauft.

Während der Großteil ihrer UAV-Flotte bislang noch aus dem Iran geschmuggelt wird, werden immer mehr Systeme im Libanon selbst hergestellt, wobei iranisches Know-how zum Einsatz kommt«.

Während UAVs zuvörderst eine taktische Bedrohung darstellten, wird ein Schwarm solcher Systeme, der israelische Luftverteidigungssysteme angreift, schnell zu einer strategischen Bedrohung, so Beeri.

„Sie können in Schwarmangriffen auf den Hafen von Haifa gestartet werden und ihn lahmlegen, oder auf den Flughafen Ben Gurion. Das schafft ein strategisches Problem.“

Zwar gibt es Verteidigungssysteme, die es mit Drohnen aufnehmen können und die mit der Zeit immer leistungsfähiger werden, doch bleibt vorerst unklar, ob sie auch gegen Drohnenschwärme eingesetzt werden können.

Kein abwegiges Szenario

Bei einem kürzlich durchgeführten iranischen Manöver haben Lastwagen jeweils fünf UAVs abgeschossen. Zehn solcher Lastwagen könnten eine Welle von 50 UAVs auf ein einziges Ziel abfeuern, und die Hisbollah verfügt höchstwahrscheinlich über solche Startfahrzeuge, sagte Beeri.

„Dies ist kein abwegiges Szenario. Wir können die Entwicklung und Produktion iranischer UAVs nicht stoppen, aber Israel und die Länder der Region können sie gemeinsam mit den USA stören.“

Das israelische Abwehrsystem Iron Dome wurde aufgerüstet, um UAVs zu bekämpfen, und man könnte Drohnen-Produktionseinrichtungen präventiv angreifen, wo auch immer in der Welt sie sich befinden – im Nahen Osten oder in Südamerika, argumentierte Beeri und warnte:

„Es gibt keinen Grund, warum UAV-Fabriken nicht auf die eine oder andere Weise gesprengt werden sollten. Wer jetzt nicht handelt, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann eine iranische Drohne in seine Wolkenkratzer fliegt.“

(Der Artikel Iranian-made UAVs are in Venezuela, 1,200 miles from Miami’s skyscrapers, expert reveals“ ist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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