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Der Ramadan-Plan der Hamas

Die Hamas versucht, eine neue Intifada in der Westbank anzuzetteln
Die Hamas versucht, eine neue Intifada in der Westbank anzuzetteln (© Imago Images / APAimages)

Die Terrorgruppe Hamas will während des heiligen Monats der Muslime eine große Eskalation herbeiführen.

Yoni Ben Menachem

Bei der erfolgreichen Anti-Terror-Operation der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) in Nablus am 22. Februar, die die dritte dieser Art in den vergangenen Wochen war, wurden zwölf Palästinenser getötet, von denen acht Mitglieder der Terrorgruppen Höhle der Löwen, Palästinensischer Islamischer Dschihad und PFLP waren. Bei solchen Razzien dringen Spezialkräfte tief in palästinensische Städte ein, um Terroristen in der Planungsphase von Anschlägen zu treffen. Die beiden anderen angesprochenen Operationen fanden im Flüchtlingslager Aqbat Jaber bei Jericho und im Flüchtlingslager Dschenin statt.

Die Aktion in Nablus führte zu wütenden Reaktionen in den palästinensischen und internationalen Medien und provozierte einen Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen auf Israel, mit dem Hamas und PIJ auf jede erfolgreiche Aktion der israelischen Sicherheitskräfte im Westjordanland regieren.

Mit ihren Operationen senden die IDF und der Sicherheitsdienst Shin Bet eine Botschaft an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) und die terroristischen Organisationen, die da lautet: Israels Reichweite ist groß. Es gibt keine Zufluchtsstädte für Terroristen in der Westbank, und die IDF werden jeden Terroristen angreifen, der israelische Zivilisten und Soldaten töten will.

Die Terrororganisationen haben Rache für die israelischen Operationen geschworen und werden versuchen, Anschläge gegen Israelis zu verüben – während die Palästinensische Autonomiebehörde nicht eingreifen wird. Seit der letzten IDF-Operation im Gazastreifen im Mai 2021 haben sich in der als Samaria bekannten nördlichen Westbank neue Terrorzellen gebildet, die unbehelligt bleiben von der PA, die sich nach wie vor weigert, sie zu bekämpfen, wie es ihre Aufgabe wäre.

Nun planen die Terrororganisationen, ihre Angriffe im vom 22. März bis 20. April dauernden Ramadan zu verstärken, um eine dritte Intifada auszulösen. Hamas-Führer Ismail Haniyeh veröffentlichte am 23. Februar eine Erklärung, das »palästinensische Volk werde niemandem erlauben«, die sich im Westjordanland entwickelnde Intifada zu unterdrücken, und fügte hinzu, die Kampagne werde »den Feind [Israel] in ein Stadium großer Verzweiflung treiben, den Besatzer brechen und aus dem Land unserer Väter und Großväter vertreiben«.

Hamas plant große Eskalation

Die Hamas hat angekündigt, während des Ramadans eine große Eskalation herbeiführen zu wollen, wobei ihr die Entwicklungen vor Ort dabei zugutekommen: Die Macht der Palästinensischen Autonomiebehörde nimmt kontinuierlich ab, und in Israel befindet sich die neue Regierung einerseits in einer diplomatischen Konfrontation mit der internationalen Gemeinschaft und andererseits in einer innenpolitischen Krise.

Und auch in den palästinensischen Gebieten selbst sieht sich die Hamas im Vorteil: Die jüngere Generation hat genug von der korrupten Palästinensischen Autonomiebehörde und sehnt sich nach einer Konfrontation mit Israel, da sie keine persönlichen Erinnerungen an frühere Intifadas hat. Das machen sich die Terrororganisationen zunutze, indem sie die Jugend vorrangig in den sozialen Netzwerken dazu ermutigen, Anschläge zu verüben, um TikTok-Helden zu werden. Während andere soziale Medienplattformen diese Aufwiegelung einschränken oder zensieren, lässt das chinesische Unternehmen TikTok sie ungehindert zu.

Die IDF werden gezwungen sein, zusätzliche Operationen tief im palästinensischen Gebiet durchzuführen, da die PA gegen den Terrorismus nichts unternimmt, was nicht nur ein eindeutiger Verstoß gegen die Osloer Abkommen ist, sondern auch gegen die Interessen eines großen Teils der palästinensischen Gesellschaft im Westjordanland, der an einer neuen Intifada nicht interessiert ist. Schätzungsweise 160.000 Palästinenser arbeiten in Israel, die ihre Familien weiterhin unterstützen wollen. Allerdings könnte die zunehmende Gewalt die Ereignisse in eine andere Richtung lenken.

Der Ramadan-Plan der Hamas

Dass sich die Gewalt bisher noch nicht zu einer ausgewachsenen Intifada entwickelt hat, liegt 

  1. an der internen Spaltung zwischen Fatah und Hamas,
  2. an der Weigerung der Palästinensischen Autonomiebehörde, die terroristischen Aktivitäten der bewaffneten Gruppen zu unterstützen, und 
  3. an dem Umstand, dass sich der Großteil der palästinensischen Öffentlichkeit im Westjordanland und im Osten Jerusalems an den Gewaltaktionen nicht beteiligt.

Die terroristische Aufwiegelungsmaschinerie versucht nun, die zeitliche Überschneidung des vom 5. bis zum 13. April dauernde Pessachfests mit dem Ramadan auszunutzen. 

Gruppen der israelischen Rechten planen für die Feiertage Aktivitäten auf dem Tempelberg und an der Klagemauer, was Palästinenser erneut dazu verwenden werden, das falsche Narrativ verbreiten, wonach Israel beabsichtige, den Tempelberg und die Al-Aqsa-Moschee zu übernehmen und sie zwischen Juden und Muslimen aufzuteilen, wie es 1994 in der Höhle der Patriarchen in Hebron geschah.

Die palästinensische Darstellung wird auf die steigende Zahl jüdischer Besucher auf dem Tempelberg verweisen. Vergangenen Jahr besuchten während des Pessachfests 3.670 Juden den Berg, heuer werde es voraussichtlich wesentlich mehr sein. Einige Extremisten könnten sogar ihre Absicht verkünden, das jahrtausendealte Passachopfer wieder einzuführen. Doch jeder israelische Versuch, den Status quo auf dem Tempelberg zu ändern, bedeutet aus Sicht der Muslime das Überschreiten einer roten Linie.

Die Hamas plant seit Langem, im Osten Jerusalems und im Westjordanland eine neue Intifada zu entfachen, wobei sie sich auf zwei wesentliche Elemente stützt: die Sicherheitsgefangenen in israelischen Gefängnissen und die Al-Aqsa-Moschee. Die Sicherheitsgefangenen haben bereits angekündigt, zu Beginn des Ramadan in den Hungerstreik treten zu wollen.

Der Aktionsplan von Hamas und PIJ für den Ramadan sieht wie folgt aus:

  1. Ausrufung von zivilem Ungehorsam in den arabischen Stadtvierteln im Osten Jerusalems.
  2. Beginn eines Zermürbungskrieges gegen die IDF-Truppen und israelische Zivilisten von Nablus und Dschenin aus.
  3. Abschuss von Raketen aus Gaza zur Unterstützung der neuen Intifada.
  4. Aufruf an »einsame Wölfe«, Anschläge gegen israelische Soldaten und Zivilisten zu verüben.
  5. Aufforderung an die arabischen Israelis, das Lebensgefüge in Israel zu stören.

Auf den palästinensischen Straßen geht man davon aus, dass innerhalb weniger Wochen über eine neue Intifada im Westjordanland gesprochen werden wird. In dem Maße, in dem die Zahl der palästinensischen Todesopfer zunimmt, wird auch die Zahl derer steigen, die sich der neuen Intifada anschließen wollen.

Yoni Ben Menachem, langjähriger Kommentator arabischer und diplomatischer Angelegenheiten für den israelischen Rundfunk und das Fernsehen, ist leitender Nahost-Analyst des Jerusalem Center for Public Affairs und war als Generaldirektor und Chefredakteur der israelischen Rundfunkbehörde tätig. (Der Artikel erschien auf Englisch beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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