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Warum die Botschafter der Golfstaaten in den Libanon zurückgekehrt sind

Der suadische Botschafter im Libanon, Walid Bukhari
Der suadische Botschafter im Libanon, Walid Bukhari

Nach monatelangen Spannungen kam es in den Beziehungen zwischen dem Libanon und den Golfstaaten zu einem Durchbruch, der jedoch einige Fragen aufwirft.

Am vergangenen Donnerstag kündigten Saudi-Arabien, Kuwait und der Jemen die Rückkehr ihrer Botschafter in den Libanon an. Das deutet auf eine Verbesserung der Beziehungen hin, die im vergangenen Jahr ihren Tiefpunkt erreicht hatten, als Saudi-Arabien und andere Golfstaaten ihre Botschafter abzogen.

Das saudische Außenministerium schrieb nun in einer Statement, dass nach entsprechenden Erklärungen des libanesischen Premierministers Najib Mikati die Saudi-Arabien und andere Golfstaaten betreffenden politischen, militärischen und sicherheitspolitischen Probleme als gelöst zu betrachten seien. Deswegen und »als Reaktion auf die Aufrufe und Appelle der gemäßigten politischen Kräfte im Libanon« sei der saudische Botschafter in das Land zurückgekehrt.

Mikati hatte zuvor auf Twitter erklärt, der Libanon sei »stolz auf seine arabische Zugehörigkeit und hält an den guten Beziehungen zu den Golfstaaten fest« und bezeichnete sie als »die wichtigsten Unterstützer, die sie auch bleiben werden«.

Auch das jemenitische Außenministerium kündigte die Rückkehr seines Botschafters in den Libanon an. In einer Erklärung hieß es, dies geschehe »als Reaktion auf die Ankündigung der libanesischen Regierung, alle aggressiven Aktivitäten, Praktiken und Interventionen, die die arabischen Länder beleidigen, einzustellen«.

Tiefpunkt

Im Oktober letzten Jahres erreichten die Beziehungen zwischen dem Libanon und den Golfstaaten ihren Tiefpunkt, nachdem der ehemalige libanesische Medienminister George Kordahi die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition im Jemen-Krieg scharf kritisiert hatte, einem Konflikt, der weithin als Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran angesehen wird.

Auch die libanesische Hisbollah ist Teil dieses Stellvertreterkriegs. Sie unterstützt Teheran in seinem regionalen Ringen um Einfluss mit den arabischen Golfstaaten und leistet der Huthi-Bewegung militärische Hilfe im Kampf gegen die von Saudi-Arabien angeführte arabische Koalition.

Die Hisbollah verfügt über einen bewaffneten Flügel, der stärker ist als die libanesische Armee, übt erheblichen Einfluss auf die Politik des libanesischen Staates aus und unterstützt die Politik Teherans im Libanon und in den Nachbarländern, insbesondere in Syrien.

Intensive Aktivität

Gleich nach seiner Rückkehr in den Libanon wurde der saudische Botschafter Walid Bukhari sehr aktiv und hielt in nur drei Tagen zahlreiche Treffen ab, bei denen er deutlich erklärte, dass Saudi-Arabien wieder eine wichtige Rolle im Libanon spielen wolle.

Sein erstes Treffen hielt Bukhari am vergangenen Montag mit dem Mufti des Libanons, Scheich Abdul Latif Derian, ab, der seine Zufriedenheit über die Rückkehr der Diplomaten vom Golf in den Libanon zum Ausdruck brachte. Nach Angaben der saudischen Botschaft traf Bukhari nicht nur mit dem sunnitischen Kleriker, sondern auch mit dem Vizepräsidenten des Obersten Islamischen Schiitischen Rates im Libanon, Scheich Ali Al-Khatib, zusammen.

Am Abend desselben Tages traf der saudische Botschafter dann auch noch mit dem Führer der drusischen Gemeinschaft, Sami Abi Al-Muna, und dem maronitischen Patriarchen, Kardinal Bechara Al-Rai, zusammen.

Anschließend organisierte der Diplomat am Dienstag ein Treffen mit mehreren politischen Persönlichkeiten des Libanons, darunter ehemalige Premierminister, die ehemaligen Präsidenten der Republik, Amin Gemayel und Michel Suleiman, sowie die Vorsitzenden mehrerer politischer Parteien. Auch ein Treffen mit Premierminister Najib Mikati war arrangiert worden, auf dem dieser seine Absicht ankündigte, in den kommenden Wochen Saudi-Arabien einen Besuch abzustatten.

Am Mittwoch empfing dann der libanesische Präsident Michel Aoun den Botschafter im Präsidentenpalast, wo sie die allgemeinen aktuellen politischen Entwicklungen im Libanon und in der Region erörterten.

Geteilter Meinung

Trotz der Rückkehr der Botschafter und der vielen Treffen, die der saudische Botschafter absolviert, sind Beobachter geteilter Meinung über die gesetzten Schritte. Einige sehen darin eine neue Seite in den Beziehungen zwischen dem Libanon und den Golfstaaten. Andere wiederum sind der Ansicht, diese Schritte bedeuteten nicht unbedingt das vollständige Ende der Krise zwischen dem Golf und dem Libanon.

Der Leiter des Golf-Forums für Sicherheit und Frieden, Fahd Al-Shulaimi, schloss ein Ende der Krise zwischen dem Libanon und den Golfstaaten gänzlich aus und brachte die jüngsten Entwicklungen mit den bevorstehenden Parlamentswahlen im Libanon im kommenden Mai in Verbindung.

In einem Interview mit der BBC erklärte er, die Golfstaaten wollten dem Libanon zu diesem Zeitpunkt helfen, weil sie Einfluss im Libanon gewinnen und die politische Arena nicht nur dem Iran überlassen wollten. Dazu würden insbesondere die bevorstehenden Parlamentswahlen und der kürzlich stattgefundene Besuch des iranischen Außenministers in Beirut beitragen.

Hussein Amir Abdollahian besuchte Ende März Beirut und traf sich mit Präsident Michel Aoun und Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah. Beobachter werteten diesen Besuch als Botschaft an die arabischen Staaten, dass der Iran auch weiterhin die wichtigste Rolle im Libanon zu spielen gedenkt.

Der libanesische Autor Fadi Akom meint, die Rückkehr der Botschafter der Golfstaaten, insbesondere der Botschafter Saudi-Arabiens und Kuwaits, werde die politische Lage im Libanon neu ordnen, den Parlamentswahlen einen Impuls verleihen und die gemäßigten politischen Parteien gegenüber den vom Iran unterstützten Parteien bei den Wahlen stärken.

Akom fügte hinzu, der Schritt der Golfstaaten werde dazu beitragen, ein internes politisches Gleichgewicht im Libanon herzustellen und einige der gemäßigten Blöcke dabei zu unterstützen, bei den Wahlen gegen die Hisbollah und ihre Verbündeten anzutreten.

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