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»So viele Ziele in einem Monat wie sonst in einem Jahr«

IDF-Generalstabschef Aviv Kochavi auf der Konferenz des Gazit-Instituts in Tel Aviv
IDF-Generalstabschef Aviv Kochavi auf der Konferenz des Gazit-Instituts in Tel Aviv (Quelle: JNS)

Der Chef der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte Aviv Kochavi erläutert, wie künstliche Intelligenz zu einer Revolution der Geheimdienste geführt hat.

Yaakov Lappin

Das Nachrichtendirektorat der Israelischen Streitkräfte (IDF) nutzt die Technologie künstlicher Intelligenz, um in einem Monat dieselbe Anzahl von Zielen zu generieren, für die es früher ein Jahr brauchte, wie IDF-Stabschef Generalleutnant Aviv Kochavi am Sonntag erklärte. Auf einer vom Gazit-Institut des Militärischen Nachrichtendienstes organisierten Konferenz, sagte Kochavi, das von der Direktion im März 2019 eingerichtete Targets Center sei zu einem bedeutenden Kraftmultiplikator geworden.

»Es nutzt alle unsere vorhandenen fortschrittlichen Sensoren und Quellen – wir mussten fast keine neuen Sensoren bauen – und verbindet diese Fähigkeiten mit fortschrittlicher künstlicher Intelligenz«, sagte Kochavi. »Das Ergebnis ist, dass wir die Anzahl der [potenziellen feindlichen] Ziele, die wir früher pro Jahr identifiziert haben, jetzt in ein oder zwei Monaten erreichen, je nach Einsatzgebiet. Die Bedeutung dieses Fortschritts für die Strategie ist enorm.«

Vereitelte iranische Pläne

In Syrien zum Beispiel konnte die solcherart gewonnenen Informationen mit präziser Feuerkraft kombiniert werden, um so die iranischen Pläne zum Aufbau einer Kriegsmaschinerie gegen Israel empfindlich zu stören. 

So hatte sich der bei einem US-Drohnenangriff getötete Kommandeur der iranische Eliteeinheit Quds-Force, Qasem Soleimani, drei Ziele gesetzt: die Stationierung Zehntausender iranisch unterstützter Milizionäre in Syrien, die Schaffung eine »Hisbollah 2.0« im syrischen Teil des Golan sowie die Etablierung eines Zentrums für Boden-Boden- und Boden-Luft-Raketen beherbergt, wovon die meisten der diesbezüglichen Bemühungen vereitelt werden konnten, wie der israelische Stabschef ausführte.

»Achtzig Prozent der iranischen Schmuggelrouten nach Syrien über den See-, Land- und Luftweg wurden geschlossen«, fügte Kochavi hinzu und bezog sich dabei auf Israels Kampagne zur Unterbrechung der iranischen Verschanzung in Syrien. Das Zusammenspiel von »großartiger Geheidienstarbeit und großartiger Technologie« habe zu diesen Ergebnissen geführt. 

Dadurch habe Israel »die Fähigkeit, ein Gebäude im Herzen einer belebten Stadt zu treffen, nicht in Gaza, sondern im Norden [in Syrien oder im Libanon; Anm. Mena-Watch], und zu wissen, in welchem Stockwerk die Munition in einem siebenstöckigen Gebäude gelagert ist, das nach dem Treffer stehen bleibt, bei dem keine Nichtkombattanten verletzt werden, während zugleich ein Großteil der Munition zerstört wird«.

Solche Angriffe finden alle zwei bis drei Wochen statt, manchmal sogar wöchentlich, und prägen Israels Strategie gegen Sicherheitsbedrohungen aus dem Norden erheblich. »Diese neue Strategie wird auch für den potenziellen dritten Libanonkrieg – oder den ersten Krieg im Norden [wenn er den Libanon und Syrien einschließt; Anm. Mena-Watch] – von Bedeutung sein, wenn wir nachrichtendienstliche Erkenntnisse und Technologien einsetzen, die für diese Bereiche entwickelt wurden, und damit neue Erfolge erzielen. Das ist also die Verbindung zwischen Geheimdienst, Technologie und Strategie«, so der Stabschef.

Intelligenz, Technologie, Strategie

Kochavi widmete einen großen Teil seiner Rede diesem Dreiklang aus Geheimdienstarbeit, Technologie und Strategie und führte aus, dass diese Verbindung »noch nie so stark war und immer stärker wird.  Wir haben keine andere Wahl, als sie zu stärken«. 

Politische und militärische Führer hätten schon immer nachrichtendienstliche Erkenntnisse benötigt, um ihre Politik festzulegen, sei es auf dem Schlachtfeld oder anderswo, sagte Kochavi und definierte Strategie als die Definition der Interessen und Ziele eines Staates sowie der zur Erreichung dieser Ziele erforderlichen Techniken. Letztlich seien die Methoden, mit denen nationale Strategien verfolgt werden, entweder politisch oder militärisch, und »in unserer Realität hat sich die Strategie in den letzten Jahren zunehmend auf die Aktivierung militärischer Gewalt gestützt«. Der Gazastreifen sei das deutlichste Beispiel für diesen Trend.

»Wenn die derzeitige Realität in Gaza bis Mai so weitergeht, werden wir sagen können, dass dies zwei der ruhigsten und stabilsten Jahre waren, die der Süden Israels und der Gazastreifen erlebt haben. Das ist das Ergebnis einer Strategie, deren zentrales Element die Anwendung von Gewalt ist«, sagte Kochavi.

Die Operationen »Black Belt« gegen den Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) im November 2019), »Guardian of the Walls« gegen die Hamas und den PIJ im Mai 2021 und »Breaking Dawn« gegen den PIJ im August 2022 haben zu einer Realität geführt, in der »die Hamas nicht nur nicht auf unsere Angriffe antwortet, sondern nicht einmal daran denkt, zu reagieren«, so der General. »Das liegt vor allem an der Aktivierung von Gewalt.«

Niedrigere Opferzahlen

Der Einsatz präziser Aufklärungs- und Feuerwaffentechnologie führt auch zu dem, was Kochavi als das weltweit niedrigste Verhältnis von Kämpfern zu zivilen Opfern in den jüngsten Gaza-Konflikten bezeichnete, nämlich 1:2, verglichen mit 1:7 in anderen Konflikten, die von westlichen Streitkräften ausgetragen werden.

Der Einsatz von Präzisionsfeuerkraft mit großer Reichweite verhindere Opfer unter den israelischen Streitkräften, da weniger blutige Einsätze vor Ort erforderlich seien, und verringere gleichzeitig die Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung auf der anderen Seite.

»Geringe Opferzahlen verschaffen uns internationale und lokale Legitimität und ermöglichen es, uns an unseren eigenen Werten zu orientieren. Wir brauchen keine internationale Legitimität oder irgendeine formale Institution oder andere Organisationen, die uns daran erinnern müssen, dass wir diejenigen bekämpfen müssen, die wir treffen müssen, und nicht diejenigen, die wir nicht treffen wollen«, so der Generalstabschef.

Die Kriege des 21. Jahrhunderts werden auf Intelligenz und Technologie basieren und auf der Schaffung einer Differenz zwischen »dem, was wir dem Feind angetan haben, und dem, was der Feind uns angetan hat«. Es ist diese Differenz, „die PIJ-Chef Ziyad Nakhalah dazu veranlasst haben, die Einstellung der Feindseligkeiten anzuordnen«, sagte Kochavi und bezog sich dabei auf den dreitägigen Luftkampf, den Israel im August mit dem Palästinensischen Islamischen Dschihad führte.

»All dies gilt auch für Bodenoperationen. Wenn diese eines Tages in vollem Umfang durchgeführt werden, müssen die Einsätze einen sehr hohen Grad an Zerstörung auf der Grundlage von Geheimdienstinformationen und Technologie erreichen und in hohem Maße [gegen feindliche Angriffe] verteidigt werden. Der Schlüsselbegriff, den wir verwenden, ist ›Ausschaltung von Fähigkeiten‹«, sagte Kochavi und fügte hinzu, dass die Ausschaltung feindlicher Fähigkeiten sowie das gezielte Anvisieren von »Gravitationszentren« des Feindes die zentrale Säule der operativen Logik der IDF darstellt.

Der Artikel erschien auf Englisch beim Jewish News Syndicate(Übersetzung von Alexander Gruber.)

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