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Eine gute Nachricht: Die Hamas ist verärgert

Israels Präsident Isaac Herzog zu Gast bei Erdogan in der Türkei
Israels Präsident Isaac Herzog zu Gast bei Erdogan in der Türkei (© Imago Images / Xinhua)

Die radikal-islamische Terrororganisation Hamas ist besorgt über die Annäherung zwischen der Türkei und Israel.

Am 9. März war der israelische Präsident Isaac Herzog auf Einladung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in die türkische Hauptstadt Ankara gereist. Es war das höchstrangige israelisch-türkische Treffen seit dem Staatsbesuch des damaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert in der Türkei im Dezember 2008.

Israelische Zeitungen werteten den Besuch als wichtigen Schritt zu einer Versöhnung der beiden Staaten. Erdogan sagte laut der türkischen regierungsnahen Website Daily Sabah auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Herzog, es sei das gemeinsame Ziel der Türkei und Israels, den bilateralen politischen Dialog auf der Grundlage gemeinsamer Interessen wiederzubeleben.

Der historische Besuch von Herzog werde ein »neuer Wendepunkt« in den Beziehungen beider Länder sein.

»Unser gemeinsames Ziel mit Israel ist es, den politischen Dialog zwischen unseren Ländern auf der Grundlage gemeinsamer Interessen und der gegenseitigen Achtung von Sensibilitäten wiederzubeleben.«

Erdogan drückte seine Wertschätzung für den Besuch seines israelischen Amtskollegen in der Türkei aus und sagte, die Stärkung der Beziehungen zu Israel sei von großer Bedeutung für die regionale Stabilität und den Frieden.

Hamas is not amused

Noch am selben Tag veröffentlichte die Hamas eine Erklärung. Darin schreibt sie:

»Die Islamische Widerstandsbewegung (Hamas) verfolgt mit großer Besorgnis die Besuche der Beamten und Führer der zionistischen Entität in einer Reihe von arabischen und islamischen Ländern, darunter der jüngste Besuch des Präsidenten der zionistischen Entität, ›Isaac Herzog‹ in mehrere Länder der Region.«

Die Hamas äußerte ihr »Bedauern« über diese Besuche bei den »Brüdern in arabischen und islamischen Ländern«. Sie bekräftige ihre

»prinzipielle Position, alle Formen der Kommunikation mit unserem Feind abzulehnen, der Jerusalem und Al-Aqsa entweiht und judaisiert, seine Belagerung und Aggression gegen unser Volk im Gazastreifen fortsetzt, weiterhin Tausende von Gefangenen in Haft hält, unsere Kinder tötet, unsere Häuser zerstört und unsere Leute vertreibt«.

Die Hamas fordert:

»Wir rufen dazu auf, der zionistischen Entität nicht zu erlauben, die Region zu infiltrieren und die Interessen ihrer Bevölkerung zu manipulieren.«

Die Interessen der Palästinenser und der Muslime stünden »unweigerlich in Widerspruch zu den Interessen der usurpierenden zionistischen Entität«.

Türkei und Israel: Beziehungen seit 1949

Unter den säkularen Amtsvorgängern des Islamisten Erdogan – der der Muslimbruderschaft nahesteht, als deren palästinensischer Zweig die Hamas 1987 gegründet wurde – unterhielten Israel und die Türkei enge Beziehungen, auch im militärischen Bereich. Die Zusammenarbeit reicht bis in die 1950er Jahre zurück.

Die Türkei war am 28. März 1949 das erste islamisch geprägte Land, das Israel anerkannte. 1952 tauschten die beiden Länder Botschafter aus.

Als der türkische Ministerpräsident Adnan Menderes im Juni 1954 sagte, es sei »Zeit, dass die arabischen Staaten das Existenzrecht Israels anerkennen«, entgegnete der ägyptische Präsident Nasser einige Monate später, die Türkei sei wegen ihrer Israelpolitik »in der arabischen Welt unbeliebt«.

In den folgenden fünf Jahrzehnten versuchte Ankara meist, sowohl Beziehungen zu Israel aufrechtzuerhalten als auch gute Kontakte zu den arabischen Staaten zu pflegen (wofür eine öffentlich bekundete Feindschaft gegenüber Israel natürlich Voraussetzung ist).

Israels erster Staatschef Ben Gurion sprach deshalb einmal von den »zwei Gesichtern« der türkischen Politik und klagte, die Türken hätten Israel immer »wie eine heimliche Geliebte behandelt, nicht wie den Partner in einer öffentlich erklärten Ehe«.

In den siebziger Jahren unterstützte die Türkei alle arabischen Resolutionen in der UN-Generalversammlung – auch die berüchtigte Entschließung von 1975, wonach Zionismus eine Form des Rassismus sei. Die Terrororganisation PLO wurde von der Türkei als alleinige Repräsentantin der Palästinenser anerkannt, 1979 eröffnete sie in Ankara ein Büro.

Heutzutage sind zahlreiche Hamas-Terroristen ständige Ehrengäste in der Türkei. Im Zuge eines Treffens zwischen dem Hamas-Führer Ismail Haniyeh und Erdogan im August 2020 wurde einigen von ihnen sogar die türkische Staatsbürgerschaft verliehen. Das Hamas-Hauptquartier in Istanbul soll Berichten zufolge in Geldwäsche und die Planung von Terroranschlägen involviert sein.

Hamas-Führer am Bosporus

Der berüchtigste Hamas-Führer in der Türkei ist Saleh al-Arouri, einer der Mitbegründer und Kommandanten der Izzedine-al-Qassam-Brigaden und Mitglied des Politbüros der Hamas.

2014 war es al-Arouri, der verkündete, dass die Hamas die Verantwortung für die Entführung und Ermordung der drei jüdischen Teenager Naftali Fraenkel (16), Eyal Yifrach (19) und Gilad Shaar (16) am 12. Juni 2014 trug. Al-Arouri pries das Verbrechen als »heldenhafte Operation«. Heute lebt er in Istanbul. Israel verlangt von der Türkei, die Hamas-Kader auszuweisen.

Für Erdogan geht es bei der Verbesserung der Beziehungen zu Israel vor allem um die Wirtschaft. In fernerer Zukunft könnte israelisches Erdgas über die Türkei nach Europa gepumpt werden, nachdem US-Präsident Joe Biden der East-Med-Pipeline über Zypern die Unterstützung entzogen hat.

Kurzfristig benötigt Erdogan ausländische Kredite, um die von galoppierender Inflation geplagte türkische Wirtschaft zu stabilisieren. Um mit den Vereinigten Staaten ins Geschäft zu kommen, braucht Erdogan ein besseres Image, und freundschaftliche Beziehungen zu Israel helfen sicherlich dabei, in den USA nicht mehr länger nur als Schurke wahrgenommen zu werden.

Es ist gut möglich, dass Erdogan, als der glühende Antisemit, der er ist, die Möglichkeiten Israels, Entscheidungen in Washington zu beeinflussen, grotesk überschätzt und glaubt, eine gemeinsame Pressekonferenz mit dem israelischen Präsidenten öffne ihm die Schatullen des US-Kongresses und des Internationalen Währungsfonds.

Wenn es so wäre, wäre es ironisch, dass jemand aus antisemitischen Motiven die Nähe Israels sucht. Die Hamas jedenfalls ärgert sich, und das ist in jedem Fall eine gute Nachricht.

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