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Arabisch-palästinensische Beziehungen auf dem Tiefpunkt

Saudi-Arabien ließ den Palästinensern ausrichten, dass ihre Kritik unerwünscht ist
Saudi-Arabien ließ den Palästinensern ausrichten, dass ihre Kritik unerwünscht ist (© Imago Images / ZUMA Press)

Die Rede des ehemaligen saudischen Geheimdienstchefs war ein deutliches Zeichen an die Palästinenser, dass ihre Kritik an den Normalisierungsabkommen unerwünscht ist.

Khaled Abu Toameh, Jerusalem Post

Die Kritik des saudischen Prinzen Bandar bin Sultan bin Abdulaziz an den palästinensischen Führern von letzter Woche konnte diejenigen nicht überraschen, die die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den Palästinensern und einigen arabischen Ländern in den letzten Monaten verfolgt haben.

Was auch nicht überrascht, ist die Tatsache, dass die palästinensische Führung keine Ahnung zu haben scheint, wie dieser rapide Verfall gestoppt werden kann. Palästinensische Beamte haben diese Woche zugegeben, dass sie noch nie gezwungen waren, sich mit einer solchen Flut von Kritik seitens der arabischen Staaten auseinanderzusetzen. (…)

Solche Kritik ist in einigen arabischen Ländern, insbesondere in den Golfstaaten, alltäglich geworden, wo Journalisten, politische Analysten, Akademiker und Nutzer sozialer Medien eine beispiellose Kampagne nicht nur gegen palästinensische Führer, sondern auch gegen das palästinensische Volk führen. Die anti-palästinensische Kampagne eskalierte nach der Ankündigung der Friedensabkommen zwischen Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Bahrain – und dem palästinensischen Vorwurf, diese Länder hätten die palästinensische Sache „verraten“. (…)

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Ein palästinensischer Beamter in Ramallah, der wegen der Sensibilität des Themas unter der Bedingung der Anonymität mit der Jerusalem Post sprach, erklärte, dass viele Araber, die derzeit die Palästinenser kritisieren, „anscheinend durch die israelische und zionistische Propaganda einer Gehirnwäsche unterzogen wurden. Einige der Araber, die sagen, dass sie Israel lieben, tun dies nur, um die Palästinenser zu ärgernSie sind wütend, weil wir die Normalisierungsabkommen zwischen den arabischen Staaten und Israel abgelehnt haben. Andere scheinen das israelische und zionistische Narrativ akzeptiert zu haben. Für uns ist dies ein gefährlicher Trend.“

Ein anderer palästinensischer Beamter, der viele Jahre am Golf verbrachte, bevor er nach der Unterzeichnung des Oslo-Abkommens zwischen Israel und der PLO 1993 ins Westjordanland zog, sagte, er sei sehr besorgt über die gegenwärtige Krise zwischen den Palästinensern und einigen arabischen Ländern: „Wir sind zweifellos Zeugen der schwersten Krise in unseren Beziehungen mit der arabischen Welt. Früher war es für Araber ein Tabu, die Palästinenser oder die palästinensische Sache zu kritisieren. Jetzt sind die arabischen Medien voll von Artikeln, in denen palästinensische Führer als Verräter und Lügner angeprangert und die Araber aufgefordert werden, die Unterstützung der Palästinenser einzustellen. Ich fürchte, der Schaden ist nicht wiedergutzumachen“.

Er und andere palästinensische Funktionäre sind besonders besorgt, dass Saudi-Arabien das nächste arabische Land sein könnte, das den Palästinensern „in den Rücken fällt“, indem es dem Beispiel der VAE und Bahrains folgt und Beziehungen zu Israel aufnimmt. Die palästinensischen Führer wissen, dass es eine Sache ist, winzige Staaten wie die VAE oder Bahrain zu verurteilen, aber eine ganz andere, sich gegen ein großes, mächtiges und einflussreiches Land wie Saudi-Arabien zu wenden.

Bis Mitte letzter Woche hatte sich die PA nicht getraut, auf Bandars heftige Kritik an der palästinensischen Führung auch nur mit einem Wort zu antworten. (…)

Aber Hussam Arafat, ein hoher PLO-Beamter, sagte, dass „das Bandar bin Sultans Auftritt in einem halboffiziellen saudischen Kanal, der die offizielle Position des Königshauses repräsentiert, die negative Entwicklung und die Veränderung der offiziellen saudischen Position sowie eine ausdrückliche saudische Unzufriedenheit mit der palästinensischen Reaktion auf die Normalisierungsabkommen widerspiegelt, die die VAE und Bahrain mit Israel abgeschlossen haben“.

Arafat sagte weiter, er glaube, dass die Äußerungen des Prinzen eine „starke Botschaft an die palästinensische Führung sind: ein deutlicher Hinweis auf die Bereitschaft und die Vorbereitung der saudischen Führung zu sofortigen und raschen Schritten für eine Normalisierung mit Israel. Das Interview stellt eine dramatische und gefährliche Entwicklung in der traditionellen saudischen Haltung gegenüber der Palästinenserfrage dar und ist ein starker Hinweis auf bedeutende bevorstehende politische Schritte Saudi-Arabiens in Richtung einer Normalisierung der Beziehungen zu Israel. Darüber hinaus ist es eine klare und nachdrückliche Warnung Saudi-Arabiens an die palästinensische Führung, kein kritisches Wort zu verlieren, wenn die Saudis ein Normalisierungsabkommen mit Israel ankündigen.“

(Aus dem Artikel „The final nail in Palestinian-Arab relations?“, der in der Jerualem Post erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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