Weil er konventionell nicht bestehen kann: Irans Strategie der Spannnung

„Israelische Luftoperationen können die Iraner vielleicht dazu bringen, ihre Stationierung schwerer Waffensysteme in Syrien nochmal zu überdenken. Doch das breiter angelegte iranische Vorhaben, verbündete Milizen vor Ort zu etablieren und Stellvertreterstreitkräfte in Syrien zu stationieren, bleibt davon unberührt und ist für israelische Luftoperationen nicht anfällig. Ähnlich sieht es im Irak aus. Die anhaltenden Koalitionsverhandlungen und die iranische Kontrolle über die Volksmobilisierungseinheiten und deren politischen Arm, die Fatah-Liste, bieten Teheran jede Menge Handlungsspielräume. Die Fatah-Liste kam bei den Wahlen auf Platz zwei. Sie gewann 47 Sitze, die Sairoon-Liste Moqtada al-Sadrs 54. Viel wird davon abhängen, welche Art Regierung aus den bereits angelaufenen 90tägigen Koalitionsverhandlungen hervorgeht. Doch unabhängig davon, welche Koalition schließlich gebildet wird, bleiben die vom Iran kontrollierten bewaffneten Elemente ein Machtfaktor im Irak. Für den Iran stellt die Fähigkeit, den Irak zu kontrollieren, nicht einen Luxus, sondern eine Notwendigkeit dar. Angesichts der Bestrebungen Saudi-Arabiens, seinen Einfluss in dem Land ausbauen, wird der Irak eine entscheidende Arena für die Konkurrenz zwischen den beiden Mächten darstellen.

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass der Iran in derartigen Situationen seine Überlegenheit über seine Rivalen seiner größeren Fähigkeit verdankt, Milizen und terroristische Methoden einzusetzen. Es deutet bereits einiges auf mögliche Angriffe auf Kräfte hin, die der Sairoon-Liste nahestehen. Unbekannte Angreifer verübten am 15. Mai Bombenanschläge auf zwei Büros, die mit den Sadristen in Verbindung gebracht wurden. Der eine Anschlag wurde auf ein Büro der Saraya al-Salam, der sadristischen Miliz, verübt, der andere auf eine Sadr nahestehende religiöse Organisation namens Malek al-Aschtar. Zudem wurde das Hauptquartier der Irakischen Kommunistischen Partei in Bagdad am 25. Mai mit zwei selbstgebauten Sprengsätzen angegriffen. Niemand hat sich bislang zu diesen Anschlägen bekannt.

Alles deutet darauf hin, dass die Methoden des Iran am wirksamsten sind, wenn er seine Feinde in bevölkerten Gegenden und in einem sowohl politischen als auch militärischen Kontext angreifen kann. Am wenigsten wirksam sind sie, wenn sie mit konventionellem Widerstand konfrontiert sind und eine harte Grenze die dem Iran zur Verfügung stehende Streitmacht von seinen Feinden trennt. In der sich anbahnenden Konfrontation ist der Iran also im Libanon und dem vom Regime kontrollierten Teil Syriens am stärksten. Im Irak und womöglich auch in dem von Kurden unter dem Schutz der US kontrollierten Teil Syriens stellt er eine große Gefahr dar. Im Jemen und im Gazastreifen ist er schwächer und hat weniger Optionen. Der Iran hat sich den Moment zunutze gemacht, in dem die arabische Welt so gespalten und der Westen so führerlos war wie nie zuvor. Diese Periode mag sich nun dem Ende zuneigen. Die ‚Strategie der Spannung‘, die politische und paramilitärische Mittel einsetzt und konventionelle meidet, ist weiterhin die bevorzugte Kampfmethode des iranischen Korps der Islamischen Revolutionsgarden. Der Zeitabschnitt, der nun in der Region beginnt, wird darüber entscheiden, wie effektiv sie weiterhin ist.“ (Jonathan Spyer: „Iran’s Response: The ‚Strategy Of Tension‘“)

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