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Saudischer Top-Diplomat: „Palästinenser setzen immer auf die Verlierer“ (Teil 1)

Der saudische Top-Diplomat Bandar bin Sultan hatte für die palästinensische Führung keine freundichen Worte übrig. (© Al Arabiya/Youtube)
Der saudische Top-Diplomat Bandar bin Sultan hatte für die palästinensische Führung keine freundichen Worte übrig. (© Al Arabiya/Youtube)

In einem bemerkenswerten Interview sprach Bandar bin Sultan Klartext darüber, wer an der Misere der Palästinenser schuld habe: deren schlechte Führer.

„Es ist nicht unsere Schuld, dass Gott den Palästinensern solche Führer gegeben hat.“ – Saudi-Arabiens Königshaus, das über Jahrzehnte einer der größten politischen und finanziellen Förderer der PLO war, ist mit seiner Geduld am Ende.

In nie da gewesener Offenheit hat Prinz Bandar bin Sultan, ein saudi-arabischer Topdiplomat im Ruhestand, die verschiedenen arabisch-palästinensischen Führer der Geschichte vor der ganzen Welt dafür verantwortlich gemacht, dass sie seit 1947 zahllose Angebote, an der Seite Israels einen eigenen palästinensischen Staat zu gründen, in den Wind geschlagen und alle Friedensinitiativen und Vermittlungsversuche mutwillig sabotiert haben. Insbesondere an Jassir Arafat ließ Bandar kein gutes Haar.

„Es gibt etwas, das die verschiedenen palästinensischen Führer, die es im Lauf der Geschichte gab, gemein haben: Sie setzen immer auf die Seite der Verlierer, und das hat seinen Preis“, sagte Bandar am 5. Oktober in einem ausführlichen Gespräch mit dem in Dubai ansässigen, aber in saudischem Besitz stehenden Nachrichtensender Al Arabiya. Bandar war von 1983 bis 2005 Riads Vertreter in Washington und damit der am längsten amtierende Botschafter Saudi-Arabiens in den Vereinigten Staaten. Von 2005 bis 2015 war er Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats, von 2012 bis 2014 zusätzlich Direktor des Auslandsgeheimdienstes.

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Das Gespräch mit Al Arabiya, das über eineinhalb Stunden ging, war kein Interview im engeren Sinne. Es war eher so, als würde Bandar seine Memoiren vortragen – nicht vom Blatt abgelesen, sondern aus dem Gedächtnis. Was er vorbrachte, war nicht weniger als eine historische Generalabrechnung mit den Palästinenserführern. Bandar trug die Geschichte der zahllosen diplomatischen Bemühungen vor, den arabisch-israelischen Konflikt zur Zufriedenheit der palästinensischen Führer zu lösen, und schilderte, wie diese Bestrebungen stets daran scheiterten, dass diese – und hier nennt er vor allem Jassir Arafat, der die PLO von 1969 bis zu seinem Tod im Jahr 2004 führte – sich nie auf irgendetwas hätten festlegen wollen, mochten die Angebote, die ihnen gemacht wurden, noch so weitreichend sein. „Es ist nicht unsere Schuld, dass Gott den Palästinensern solche Führer gegeben hat“, sagt Bandar an einer Stelle. Er wende sich mit seinen Worten vor allem an die „Brüder und Schwestern“ in Saudi-Arabien, so Bandar. Offenbar ist es sein Anliegen, den eigenen Leuten zu erklären, warum das über 70 Jahre alte Bündnis mit den arabisch-palästinensischen Führern nun in Scherben liegt und wer aus seiner Sicht die alleinige Schuld daran trägt.

Bandars Vortrag ist chronologisch aufgebaut, beginnend mit dem Großmufti von Jerusalem, Amin Al-Husseini, der ab Ende der 1920er Jahre an der Spitze des Kampfes gegen die palästinensischen Juden stand und von der Palästinensischen Autonomiebehörde heute noch verehrt wird. „Amin Al-Husseini setzte in den 1930er Jahren auf die Nazis in Deutschland“, sagt Bandar über den Großmufti. An dieser Stelle blendet Al Arabiya historische Filmaufnahmen ein, die zeigen, wie Husseini in Berlin von Adolf Hitler empfangen wurde und die Hand zum Hitlergruß erhob. Bandar erklärt, das Bündnis mit Hitler habe den Palästinensern kein Glück gebracht:

„Wir alle wissen, was mit Hitler und Deutschland passierte. Er [Husseini] erhielt von Deutschland, Hitler und den Nazis Anerkennung dafür, dass er auf ihrer Seite gegen die Alliierten stand. Berlins Radiostationen strahlten Aufnahmen von ihm auf Arabisch aus. Doch das war alles, was er bekam, und es war wertlos, was die palästinensische Sache betraf.“

Dann kommt Bandar auf Jassir Arafat zu sprechen. Auch dieser habe aufs falsche Pferd gesetzt:

„Niemand, vor allem nicht in den Golfstaaten, kann das Bild von Abu Ammar [Jassir Arafat] vergessen, wie er 1990 zu Besuch bei Saddam Hussein war, nachdem dieser Kuwait und ein arabisches Volk besetzt hatte. Kuwait hatte, wie andere Golfstaaten auch, die Palästinenser immer mit offenen Armen empfangen und war Heimat palästinensischer Führer. Und doch sahen wir Abu Ammar in Bagdad, wie er Saddam umarmte, mit ihm lachte und scherzte und ihm zu dem, was passiert war, gratulierte. Das war schmerzhaft für alle Menschen am Golf, vor allem aber für unsere kuwaitischen Brüder und Schwestern, insbesondere für jene, die in Kuwait geblieben waren und Widerstand gegen die Besatzung leisteten.“

Bandar erinnert daran, wie Palästinenser über die Raketenangriffe auf Saudi-Arabien gejubelt hätten:

„Monate später – ein weiteres Beispiel für das Versagen bei der Wahl der Verbündeten – begann der Kampf um die Befreiung Kuwaits. Saddam Hussein beschoss die Hauptstadt von Saudi-Arabien mit Raketen. Es war das erste Mal, dass jemand Raketen auf die Hauptstadt von Saudi-Arabien schoss. Selbst Israel hat keine Raketen auf das Königreich abgefeuert. […] Ein weiterer Schock folgte, als wir in Nablus verblendete Jugendliche sahen, die angesichts des Raketenangriffs auf Riad ausgelassen tanzten und Bilder von Saddam Hussein in die Luft hielten. Diese Vorfälle können nicht vergessen werden, aber wir haben uns über sie erhoben, nicht um der palästinensischen Führer willen, sondern um des palästinensischen Volkes willen.“

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Fatah und Hamas werden wortbrüchig

Dann beschreibt Bandar, wie Saudi-Arabien sich bemüht habe, den Konflikt zwischen den beiden verfeindeten palästinensischen Terrororganisationen Fatah und Hamas zu beenden – und wie beide Parteien wortbrüchig geworden seien. Ägypten, so Bandar, habe seit 2011 „Konferenz für Konferenz abgehalten, um die West Bank und Gaza zu versöhnen, die Palästinensische Autonomiebehörde und die Hamas“. Bandar fragt: „Wie können wir im Namen ganz Palästinas sprechen und andere davon überzeugen, unsere Sache zu unterstützen, wenn wir selbst nicht vereint sind und wenn die Palästinenser untereinander gespalten sind?“ Doch die Geschichte habe sich immer wieder wiederholt; ein ums andere Mal hätten die beiden Parteien angefangen, Verschwörungen gegeneinander zu schmieden: „Dies ist nicht das erste Mal, dass sie überkreuz liegen, einander den Dolch in den Rücken stoßen und sich gegenseitig beschuldigen, Verräter zu sein.“ Bandar erzählt, wie Saudi-Arabiens 2015 verstorbener König Abdullah habe vermitteln wollen:

„[Er] brachte Abu Mazen [Mahmud Abbas; S.F.] und seine Anhänger sowie [Hamas-Führer] Khaled Mashal und seine Hamas-Anhänger nach Mekka, um sie zu versöhnen und eine einheitliche palästinensische Führung zu bilden, um positive Ergebnisse zu erzielen. Sie wohnten in der offiziellen Residenz für Gäste in Mekka. Stellen Sie sich Folgendes vor: Die saudische Delegation unter der Leitung des verstorbenen Prinzen Saud bin Faisal und ihre Mitglieder: Prinz Muqrin, der verstorbene Ghazi Al Gosaibi, Herr Ibrahim Al-Assaf und ich. Wir liefen hin und her und besuchten Abu Mazen und seine Gruppe einerseits und die Hamas-Delegation andererseits. Aber unsere Besuche waren nicht wie die von [dem ehemaligen US-Außenminister Henry] Kissinger zwischen Damaskus und Tel Aviv oder Kairo und Tel Aviv – wir liefen zwischen der zwölften und vierzehnten Etage des Hotels hoch und runter. Es dauerte anderthalb Tage, bis wir eine Einigung erzielen konnten, die beide Parteien zufrieden stellte. Dann gingen sie zu König Abdullah. Nachdem er geprüft hatte, was sie vor allen geschrieben und es vor allen vorgelesen hatte, forderte er sie auf, vor Gott und vor allen zu schwören, dass sie diesem Abkommen zustimmen. Er forderte sie auf, einander die Hand zu reichen, er gratulierte ihnen und sagte: ‚Gott ist unser Zeuge, wir sind in seinem heiligen Land. Saud, bring die Brüder zur Kaaba und lass sie ihr Wort vor Gott und vor dem palästinensischen Volk geloben.’“

Nur wenige Tage nachdem beide Delegationen Saudi-Arabien verlassen hätten, so Bandar, „erhielten wir die Nachricht, dass sie ihr Wort gebrochen hatten und erneut angefangen hatten, gegeneinander Ränke zu schmieden.“ Er glaube, dass Saudi-Arabien nach bestem Wissen und Gewissen immer für die Palästinenserführer da gewesen sei, sagt Bandar.

„Wann immer sie um Rat und Hilfe baten, gaben wir ihnen beides, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, aber sie nahmen die Hilfe an und ignorierten den Rat. Dann scheiterten sie, wandten sich erneut an uns, und wir unterstützten sie wieder, ungeachtet ihrer Fehler und der Tatsache, dass sie wussten, dass sie unseren Rat hätten befolgen sollen.“

Saudi-Arabien sei „als Staat sogar noch weiter“ gegangen und habe „gegenüber der ganzen Welt die Handlungen der Palästinenser gerechtfertigt, obwohl wir wussten, dass sie nicht gerechtfertigt waren“. Warum? Weil es Saudi-Arabien wichtig gewesen sei, das palästinensische Volk vor den Folgen des Tuns seiner Anführer zu schützen:

„Wir wollten uns nicht mit irgendjemandem gegen sie stellen, noch wollten wir, dass die Konsequenzen ihrer Handlungen auf das palästinensische Volk zurückfallen. Dies war schon immer die Politik der saudischen Führung.“

Dies aber habe bei den Palästinenserführern ein „Gefühl der Gleichgültigkeit erzeugt“:

„Sie sind überzeugt, dass es keinen Preis gibt, den sie für Fehler zahlen müssen, die sie gegenüber der saudischen Führung oder dem saudischen Staat oder den Golf-Führungen und Staaten begehen.“

Doch mit dieser endlosen Nachsichtigkeit soll nun offenbar Schluss sein, ab jetzt wird reiner Wein eingeschenkt. So muss man Bandar verstehen, wenn er sagt:

„Ich denke, die Umstände und Zeiten haben sich geändert, und ich denke, es ist nur fair für das palästinensische Volk, einige Wahrheiten zu kennen, über die bislang nicht gesprochen wurde oder die geheim gehalten wurden.“

1947: Ablehnung des UN-Teilungsplans

Bandar spricht darüber, wie verschieden die Führer der Juden und der Araber in Palästina 1947 auf den Teilungsplan der Vereinten Nationen (Resolution 181 der UN-Generalversammlung) reagierten, der die Gründung eines jüdischen und eines arabischen Staates im Mandatsgebiet vorsah. Die Juden seien „gespalten“ gewesen, doch ein Teil von ihnen habe zugestimmt, und dann sei der jüdische Staat ausgerufen worden. „Was die arabische Seite betrifft“, so Bandar, „lehnten die Palästinenser die Resolution ab, und wie üblich unterstützten wir ihre Ablehnung.“ Heute würden die Palästinenserführer genau das fordern, was sie 1947 hätten haben können:

„Heute, viele Jahre später, ist die Hauptforderung unserer palästinensischen Brüder die UN-Resolution 181, die nicht mehr auf dem Tisch liegt. Niemand diskutiert mehr darüber. Dies war der Anfang, und solche Ereignisse wurden, wie ich bereits erwähnte, einmal, zweimal und dreimal wiederholt.“

An dem, was Bandar über den arabisch-israelischen Krieg von 1948 sagt, ist vor allem bemerkenswert, dass er den heutzutage von arabischen Nationalisten und antiisraelischen westlichen NGOs verbreiteten Narrativ durchlöchert, wonach Israel die arabischen Flüchtlinge des Kriegs aus dem Mandatsgebiet Palästina vertrieben habe. Bandar betont, dass der saudi-arabische König Abdulaziz darauf gedrungen habe, die Palästinenser müssten „auf ihrem Land bleiben“. „König Abdulaziz glaubte, selbst wenn Lager benötigt würden, sollten sie sich auf palästinensischem Boden befinden, nirgendwo anders, und die Geschichte hat seine Meinung als richtig erwiesen“, so Bandar.

Der Krieg von 1967

„Warum ist die Nakba [Katastrophe] von 1967 passiert?“, fragt Bandar im Hinblick auf die überraschende und verheerende Niederlage Ägyptens, Jordaniens und Syriens im Sechs-Tage-Krieg. Seine Antwort:

„Weil Präsident Abdel Nasser … eine strategische Entscheidung traf, die auf ungenauen oder falschen Informationen der damaligen Militärführung beruhte. Er hatte eine ungenaue Vorstellung von der Situation seiner Truppen vor Ort. Das Ergebnis ist bekannt. Das Ergebnis von 1967: Der Sinai wurde von Israel besetzt, Gaza wurde von Israel besetzt, die West Bank wurde von Israel besetzt, der Golan wurde von Israel besetzt und vor allem wurde Jerusalem verloren. Wenn dies also keine historische Katastrophe und in jeder Hinsicht eine schreckliche Niederlage ist, dann weiß ich nicht, was es ist.“

Arafat: Umsturzversuch und Bürgerkrieg

Der damalige ägyptische Präsident Abdel Nasser, sagt Bandar, habe vom Ende des Sechs-Tage-Krieges bis zu seinem Tod 1970 „zwei Dinge getan“: Er habe das ägyptische Militär wiederaufgebaut und „große Anstrengungen unternommen, um die Palästinenser vor sich selbst zu retten“. Jassir Arafat nämlich war 1969 PLO-Chef geworden und machte sich ab 1970 daran, in Jordanien einen Staat im Staat aufzubauen und eine Revolution gegen das Königshaus vorzubereiten. Das führte zum jordanischen Bürgerkrieg, der endete, als König Hussein die palästinensischen Flüchtlingslager – Arafats Militärbasen – bombardieren ließ und die PLO aus dem Land jagte. Bandar erinnert sich:

„Die Palästinenser waren größtenteils in Jordanien präsent und Abu Ammars [Arafats] Führung war dort ansässig. Sie beschlossen aus dem einen oder anderen Grund, dass es Zeit sei, nicht Palästina, sondern Jordanien zu befreien. Sie beschlossen, Jordanien zu übernehmen. Unter denjenigen, die Jordanien verteidigten, befanden sich der König, die jordanische Armee, das jordanische Volk und die saudische Armee. Ja, die saudische Armee, die an allen palästinensisch-arabischen Kriegen mit Israel teilgenommen hat.“

Man merkt, dass Bandar die Verschwörung Arafats gegen den jordanischen König Hussein auch als Verrat an Saudi-Arabien und dem saudi-arabischen König betrachtet – ein schwerer Vorwurf in einem Land, wo auf „Verrat“ am König die Todesstrafe steht. Anschließend, so Bandar, habe Arafat den libanesischen Bürgerkrieg angezettelt:

„Infolgedessen mussten die Palästinenser erneut umsiedeln, von Jordanien in den Libanon. Kaum waren sie einige Jahre im Libanon, gewesen, fingen sie an, sich wie in Jordanien aufzuführen, und der Libanon wurde zum neuen Ziel. Mit den Palästinensern im Libanon führte der Palästinenserkrieg zum Bürgerkrieg, dessen Preis der Libanon bis heute zahlt.“

Auch das ist bekannt, aber nicht etwas, das man für gewöhnlich aus dem Mund eines arabischen Diplomaten hört. Bandar macht Arafat auch für den israelischen Einmarsch im Libanon verantwortlich:

Der Krieg führte zur israelischen Invasion und zum ersten Mal erreichten sie [die Israelis] eine arabische Hauptstadt.“

Al-Jazeera und das katarische Regime

In einer interessanten Abschweifung spricht Bandar über den katarischen Nachrichtensender Al-Jazeera und das katarische Regime:

„Kaum jemand liest heutzutage noch Zeitung, und Fernsehprogramme sind manchmal unehrlich, und nur zur Erinnerung, einige Kanäle verbreiten falsche Botschaften und schüren Hass auf die Golfstaaten und ihre Führer, wie Al Manar und der andere iranische Sender, Al-Jazeera, der Katar vertritt. Katar ist, um ehrlich zu sein, eine Randfigur. Das katarische Volk ist unser lieber und geliebter Bruder. Der Staat ist jedoch keinerlei Erwähnung oder Reaktion wert. Das Beste ist, ihn zu ignorieren. Sicher wissen Sie alle, dass Zecken Kamele verrückt machen können. Das ist wahr, aber meine Brüder und Schwestern, Zecken sind Zecken und Kamele werden immer Kamele sein, und das fasst es aus meiner Sicht zusammen.“

1978: Arafat gegen Frieden und Autonomie

Sehr ausführlich und mit vielen Details spricht Bandar dann darüber, wie die PLO seit dem Ende des Sechs-Tage-Kriegs im Jahr 1967 jedes Friedensabkommen abgelehnt und dabei ihre engsten Verbündeten immer wieder belogen und brüskiert habe. Bandar beginnt seine Aufzählung mit der Resolution 242 des UN-Sicherheitsrats von November 1967, die einen Rückzug Israels aus im Juni-Krieg besetzten Gebieten fordert. Gleichzeitig nennt sie als Ziel, dass jeder Staat der Region in Sicherheit leben können solle und spricht von der „territorialen Unverletzlichkeit und politischen Unabhängigkeit eines jeden Staates der Region“. Klar, dass die PLO das abgelehnt hat. Hier verschweigt Bandar allerdings, dass die „drei Neins“ – Nein zur Anerkennung Israels, nein zu Frieden mit Israel, nein zu Verhandlungen mit Israel – offizielle Politik der Arabischen Liga seit deren Treffen in Khartum im August 1967 waren. Bandar spricht nur davon, dass „die Palästinenser“ die Resolution 242 abgelehnt hätten.

Dann kommt er auf den Friedensvertrag zu sprechen, den Israel und Ägypten 1978 in Camp David schlossen. Bandar weist darauf hin, dass der Vertrag weitreichende Zugeständnisse an die Bewohner der West Bank und des Gazastreifens enthielt – die Arafat aber ablehnte, so wie den gesamten Vertrag.

Was genau steht im Camp-David-Abkommen?

Für die Bewohner der „West Bank und Gazas“ werde es eine „vollständige Autonomie“ geben. Israel werde seine militärische und zivile Verwaltung von dort zurückziehen, sobald die Bewohner in freien Wahlen eine eigene Regierung gewählt hätten.

Einzelheiten der Selbstverwaltung seien von Israel, Jordanien und Ägypten auszuhandeln; an der ägyptischen Delegation könnten auch Palästinenser aus der West Bank und Gaza teilnehmen. Die West Bank und Gaza sollten eine eigene Polizei haben, an der sich auch Jordanier beteiligen könnten. Israel und Jordanien würden gemeinsame Patrouillen durchführen und die Grenze gemeinsam überwachen. Die israelische Armee werde sich aus der West Bank und Gaza zurückziehen, mit Ausnahme besonders ausgewiesener Orte.

Nach spätestens drei Jahren sollten zwischen Israel, Ägypten, Jordanien und einer Delegation von Bewohnern der West Bank und Gazas Verhandlungen über den finalen Status der West Bank und Gazas geführt werden.

All das lehnte die PLO ab. Dass „die arabische Nation Ägypten – die Mutter der Welt – boykottierte, weil die Palästinenser die Autonomiebestimmungen im Camp-David-Vertrag ablehnten und diesen Friedensvertrag als Verrat an der arabischen Nation betrachteten“, so Bandar, „wurde der Fehler, der eine wichtige Rolle bei der Vertiefung der palästinensischen Tragödie spielte“.

(Lesen sie Teil 2 am Samstag.)

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