Jerusalem-Gipfel der OIC durch Rivalität Saudis-Iran gekennzeichnet

„Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmoud Abbas, der iranische Präsident Hassan Rohani und der türkische Präsident Recept Tayip Erdogan riefen am Mittwoch in Istanbul zur Einheit der muslimischen Länder gegen die US-amerikanische Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels auf. Allerdings waren sich die Teilnehmer an der Krisensitzung der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) keineswegs einig. Die Machthaber Saudi-Arabiens, Ägyptens, Bahrains und der Vereinigten Arabischen Emirate blieben dem Treffen fern und teilten mit, sie würden sich nicht mit dem Iran gemein machen.

Achtzehn Staatsoberhäupter nahmen an dem Treffen teil, darunter die Aserbaidschans, Katars, Afghanistans, Indonesiens, Kuwaits, des Libanon und Jordaniens. Auch die Ministerpräsidenten Malaysias und Pakistans kamen nach Istanbul, sowie die Anführer mehrerer schwacher bzw. gescheiterter Staaten wie dem Jemen, Somalia und Libyen. Die Verbündeten Saudi-Arabiens, die im Juni ihre Beziehungen zu Katar abbrachen, waren nur durch niedrigrangige Delegierte vertreten. Die Verbündeten – Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – bilden einen neuen arabischen Block im Nahen Osten. In der Hauptsache richtet sich dieses Bündnis gegen den Iran und seine Stellvertreter wie die Hisbollah. Doch hat es sich auch gegen Katar gestellt, weil es Doha der Unterstützung des Extremismus und Terrorismus beschuldigt – womit die Muslimbruderschaft in Ägypten und die Hisbollah im Libanon gemeint sind.

Die Türkei hat sich in jüngster Zeit dem Iran angenähert, zunächst indem es sich mit Katar verbündete und im Juli Truppen zu dessen Schutz entsandte, und dann durch seine Verhandlungen über Syrien mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin und dem Iran in Sotschi im November. Die Türkei hat der Hamas Rückzugsmöglichkeiten geboten und den Anführer der ägyptischen Muslimbruderschaft Mohammed Mursi auch nach seiner Absetzung im Jahr 2013 weiterhin unterstützt. Auch im Jemen stehen die Länder auf entgegengesetzten Seiten. Dort steht der Iran auf der Seite der Huthi-Rebellen und die katarischen Medien lenken die Aufmerksamkeit energisch auf die Zivilisten, die Opfer der saudischen Bombenkampagne werden. Der libanesische Präsident Michel Aoun nahm ebenfalls an dem Gipfeltreffen in Istanbul teil. Er ist ein Verbündeter der Hisbollah. (…)

Im Ergebnis der Sitzung der OIC entbehren deren Entscheidungen zu Jerusalem der ernsthaften Unterstützung entscheidender Parteien in der Region. Während der Krieg gegen den Islamischen Staat sich dem Ende zuneigt und der syrische Bürgerkrieg an Intensität verliert und sich zu einem eingefrorenen Konflikt entwickelt, verschärfen sich die Frontstellungen in der Region. In gewisser Weise hat es den Anschein, als sei dem Iran sein Vorhaben, mit nichtschiitischen Staaten wie der Türkei und Katar anzubandeln, gelungen. Er würde Jerusalem gerne nutzen, um die panislamische Einheit zu konsolidieren und die Spannungen an der Grenze zu Israel weiter anzuheizen. Dass Jordanien und die Palästinenser sich der Führung Ankaras statt der Riads anvertrauen, ist für Israel kein gutes Zeichen, insbesondere wenn man bedenkt, dass der türkische Präsident Israel jüngst einen ‚Terrorstaat’ nannte. So könnte Saudi-Arabien zunehmend isoliert werden, sofern es keine Erfolge vorweisen kann, ob im Jemen oder anderswo.“ (Seth J. Frantzman: „Analysis: Islamic summit on Jerusalem showcases new Mideast alliances“)

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