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Die »New York Times« verbreitet Fehlinformationen über Linda Sarsour

Protest gegen Auftritt von Linda Sarsour in New York
Protest gegen Auftritt von Linda Sarsour in New York (© Imago Images / Pacific Press Agency)

Die antisemitische Aktivistin mag von russischen Trollen ins Visier genommen worden sein, doch ihren schlechten Ruf hat sie sich ganz allein erarbeitet.

Steven Emerson

In einer hyperpolitisierten Welt kann man leicht vergessen, dass zwei Dinge gleichzeitig wahr sein können. Der New York Times (NYT) scheint dies am 18. September passiert zu sein, als sie einen Artikel veröffentlichte, der die Aktivitäten der antisemitischen Aktivistin Linda Sarsour beschönigte und in dem Sarsour als Opfer einer russischen Trollfarm dargestellt wird, die sie 2017 wegen ihres muslimischen Glaubens verleumden wollte.

Im Jahr 2017 war Sarsour dabei, unter den ursprünglichen Anführerinnen der Proteste des Women’s March, die landesweit Hunderttausende von Menschen anzogen, worüber die NYT jedoch nur zu berichten wusste: »Was sie an jenem Montag auf Twitter sah, war eine Flut von gezielten Beschwerden, die sich gegen sie richteten. In ihren fünfzehn Jahren als Aktivistin, in denen sie sich vor allem für die Rechte von Muslimen eingesetzt hatte, war sie immer wieder mit Anfeindungen konfrontiert worden, aber das hier nahm ein anderes Ausmaß an. In ihrem Kopf begann sich eine Frage zu formieren: Hassen sie mich wirklich so sehr?«

»Es war wie eine Lawine«, sagte Sarsour der NYT, »als ob ich jeden Tag darin schwimmen würde. Es war, als käme ich da nie wieder raus.« Der Council on American-Islamic Relations (CAIR) griff den NYT-Artikel sofort auf und gab eine Erklärung heraus, in der es heißt, Sarsour sei »hasserfüllten, unehrlichen Angriffen ausgesetzt … wegen Dingen, die Linda nie gesagt oder getan hat«.

Opfer und Täterin zugleich

Und hier sind sie die zwei Dinge, die zugleich wahr sind: Es gab offenbar eine russische Troll-Operation, die darauf abzielte, die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft zu verschärfen und die zu diesem Zweck Linda Sarsour angriff. Gleichzeitig hat Sarsour aber auch jedes Wort der berechtigten Kritik, die an ihr geäußert wurde, verdient. Russland hat ihre Person wahrscheinlich ausgenutzt, weil sie seit Langem eine spaltende Stimme ist – nicht zuletzt wegen ihrer antiisraelischen Obsession, die immer wieder in Antisemitismus übergeht.

Lange bevor die Russen sie ins Visier genommen hatten, trat Sarsour beispielsweise im Jahr 2012 in dem in russischem Besitz befindlichen Fernsehsender Russia Today America auf. Dort schimpfte sie über die amerikanischen Strafverfolgungsbehörden und behauptete, »Islamophobie« sei Teil der Bandbreite amerikanischer Gräueltaten, zu denen auch die Sklaverei und der Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern gehörten.

Im selben Jahr behauptete sie, der sogenannte »Unterhosenbomber« – ein Nigerianer, der seine Hose in Brand steckte, als er am Weihnachtstag 2009 in Detroit versuchte, ein Passagierflugzeug mit 292 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord in die Luft zu sprengen – sei nicht von Al-Qaida, sondern von der CIA rekrutiert worden. Der Vater von Umar Farouk Abdulmutallab hatte die CIA etwa einen Monat vor dem Vorfall gewarnt, sein Sohn habe Verbindungen zu Al-Qaida-Terroristen, aber die Vorstellung, die CIA habe den Bombenleger »rekrutiert«, ist reine Fantasie. Bemerkenswerterweise ist Sarsours diffamierender Beitrag auch ein Jahrzehnt später noch in ihrem Twitter-Feed zu finden.

Propagandistin der Ritualmordlegende

Ebenso diffamierend waren Sarsours Angriffe auf die Zusammenarbeit zwischen israelischen und amerikanischen Polizeibehörden. Wie der Autor John-Paul Pagano am vergangenen Montag schrieb, waren es nicht »nicht russische Trolle, die Linda Sarsour und [die frühere Women’s March-Führerin] Tamika Mallory dazu gebracht haben, die Verschwörungstheorie zu verbreiten, die Anti-Defamation League und Israel würden die US-Strafverfolgungsbehörden darauf trainieren, farbige Menschen zu misshandeln. Diese Desinformation ist ihre eigene Initiative, die darauf abzielt, Afroamerikaner gegen Juden auszuspielen.«

Die New-York-Times-Geschichte, so Pagano weiter, »rehabilitiert auf zweifelhafte Weise den Ruf einer Person, die zu Recht von ihrem Posten [an der Spitze des Women’s March, Anm. Mena-Watch] abgezogen wurde, weil sie die Entfremdung zwischen Schwarzen und Juden gefördert hat«.

Pagano hat Recht. Lange vor der russischen Troll-Operation hat Sarsour die Gewalt der amerikanischen Polizei gegen Schwarze auf ein Austauchprogramm zurückgeführt, im Zuge dessen amerikanische Führungskräfte der Polizeibehörden Israel besuchen. »Die Leute, die die Massaker an Palästinensern rechtfertigen und sie als Kollateralschäden bezeichnen, sind dieselben, die die Ermordung von schwarzen jungen Männern und Frauen rechtfertigen«, sagte sie damals unter anderem – eine moderne Ritualmordlegende, die Sarsour wiederholt verbreitet hat.

»Wenn Sie an die Idee glauben, Polizeibrutalität und das Fehlverhalten von Vollzugsbeamten im ganzen Land zu beenden«, sagte Sarsour etwa auf dem Kongress der Islamic Society of North America im Jahr 2018, »dann unterstützen Sie keine Organisation, die sich an Polizeibeamte aus Amerika richtet, ihre Reisen finanziert, sie nach Israel bringt, damit sie von der israelischen Polizei und dem Militär ausgebildet werden können – und dann kommen sie hierher zurück und tun was? Sie halten Menschen an, filzen sie und töten unbewaffnete Schwarze im ganzen Land.«

Eine Untersuchung des Investigative Project on Terrorism ergab, dass es keinerlei Daten und Berichte gibt, die Sarsours Behauptung über Polizeibeamte, die an dem Austauschprogramm teilgenommen haben, auch nur im Geringsten stützen. Wenn überhaupt, dann hat das fragliche Programm zu Maßnahmen geführt, welche die Zahl der Todesfälle bei Polizeikonfrontationen verringern können.

BDS-Befürworterin

In derselben Rede griff Sarsour ein weiteres ihrer Lieblingsthemen auf und bezeichnete sich selbst als »unmissverständliche Befürworterin von BDS und der Ein-Staaten-Lösung, die den Widerstand hier in den USA unterstützt«. Die von Sarsour hier propagierte Ein-Staaten-Lösung bedeutet schlicht und einfach das Ende Israels als jüdischer Staat. Der Artikel der New York Times räumt denn auch ein, dass Sarsour und der Women’s March schon vor der russischen Einmischung Probleme hatten. So wird zum Beispiel der Rücktritt der Gründerin von Women’s March, Vanessa Wruble, nach einer Auseinandersetzung mit antisemitischen Untertönen angeführt.

Auch über progressive Jüdinnen weiß die NYT zu berichten, die sich große Sorgen machten, ob ihre Teilnahme am Women’s March willkommen sei, vor allem nach »letztendlich unvertretbaren« Äußerungen von Sarsour. Und tatsächlich machte Linda Sarsour schon Monate vor dem Protestmarsch deutlich, sie wolle mit niemandem zusammenarbeiten, der ihre Ansichten über Israel und die Palästinenser nicht teilt.

»Wir haben Grenzen für die Art von Freundschaften, die wir im Moment suchen«, sagte sie 2016 auf der Konferenz American Muslims for Palestine. Sie möchte nur mit denjenigen befreundet sein, erklärte sie weiter, »von denen ich weiß, dass sie standhaft und mutig waren, dass sie aufgestanden sind und ihre eigenen Gemeinschaften beschützt haben, die das Risiko auf sich genommen haben, aufzustehen und zu sagen: Wir stehen auf der Seite des palästinensischen Volkes, wir unterstützen eindeutig BDS, wenn es um die palästinensischen Menschenrechte geht. Und die dafür von genau jenen Leuten bösartig angegriffen wurden, die nun zu Ihnen sagen, dass sie an der vordersten Front des Programms zur Registrierung von Muslimen stehen werden. Nein danke, meine Schwestern und Brüder.«

Keine russischen Trolle nötig

In einem Interview mit The Nation aus dem Jahr 2017 behauptete Sarsour außerdem, man könne nicht gleichzeitig Feministin und Zionistin sein. »Es macht einfach keinen Sinn, wenn jemand fragt: ›Gibt es in der Bewegung Platz für Menschen, die den Staat Israel unterstützen und ihn nicht kritisieren?‹«, erklärte sie. »Das kann es im Feminismus nicht geben. Entweder man setzt sich für die Rechte aller Frauen ein, einschließlich der Palästinenserinnen, oder für keine. Es führt einfach kein Weg daran vorbei.«

Am Verfassen dieser antizionistischen Botschaft waren keine Russen beteiligt. Es ist bedauerlich, dass Linda Sarsour von einer ausländischen Regierung ins Visier genommen wurde. Die Vorstellung, dass progressive Juden ohne russische Trolle nicht besorgt über Sarsours aussagen gewesen wären, oder dass ohne diese Trolle sich nicht ihren Ruf als Antisemitin erworben hätte, geht jedoch an der Realität vorbei. Manchmal passieren schlimmen Menschen schlimme Dinge.

Steven Emerson ist geschäftsführender Direktor des Investigative Project on Terrorism, Autor von acht Büchern über nationale Sicherheit und Terrorismus, Produzent von zwei Dokumentarfilmen und Verfasser von Hunderten Artikeln in nationalen und internationalen Publikationen. (Der Artikel erschien auf Englisch beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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