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Die zwei Gesichter des „Council on American-Islamic Relations“ (Teil 1)

CAIR-Direktor Nihad Awad bei einer Demonstration gegen den Besuch des israelischen Premiers Naftali Bennett im Weißen Haus
CAIR-Direktor Awad bei einer Demonstration gegen den USA-Besuch des israelischen Premiers Bennett (© Imago Images / NurPhoto)

Während der Council on American-Islamic Relations nach außen als Antidiskriminierungs-NGO auftritt, betreibt er nach innen antisemtische Hetze.

Der Council on American-Islamic Relations – besser bekannt unter seinem Akronym CAIR – mit Hauptsitz in Washington D.C. und zahlreichen Filialen in anderen Städten der Vereinigten Staaten ist nach eigener Darstellung eine islamische Bürgerrechtsorganisation.

„Wenn Ungerechtigkeit Ihre Haustür erreicht, wird CAIR da sein und Wache halten, insha Allah“, verspricht die Website. Weiter heißt es:

„Die Rechte der Muslime werden weiterhin angegriffen. Wir reagieren an allen Fronten – von Arbeitsplätzen über Schulen, Flughäfen bis hin zu Gerichtssälen! CAIR zählt auf ein nationales Netzwerk von Unterstützern, die unsere Mission teilen, Gerechtigkeit zu schaffen und gegenseitiges Verständnis zu verbreiten. Schließen Sie sich uns an, um CAIR stark zu machen!“

Daneben sind Spendenbuttons, die der Nutzer drücken soll, um „amerikanische Muslime zu schützen und zu ertüchtigen“: 20, 30, 40, 100 US-Dollar oder eine Summe der Wahl können überwiesen werden, über Kreditkarte oder Paypal. Der Button für die 100 US-Dollar ist farblich abgesetzt: orange statt blau wie die anderen.

Die jeweilige Summe kann einmalig oder monatlich gespendet werden und ist laut einer Sternchen-Fußnote als Zakat – das für Muslime verpflichtende Almosengeben – „anerkannt“. Von welcher Institution? Das sagt die Website nicht. Aber wer würde bei so einer heiligen Sache die Unwahrheit sagen? Alles dient einer edlen Sache, dem Kampf gegen die Diskriminierung amerikanischer Muslime.

Bitte um Spenden …

Dass diese allgegenwärtig sei, war die Hauptbotschaft eines virtuellen Spendenbanketts, das CAIR Chicago am 21. November abhielt.

Die mehr als 100-minütige Veranstaltung ist auf YouTube zu sehen. Zu Beginn wird der Zuschauer auf eine Kamerafahrt durch das Büro von CAIR Chicago mitgenommen, einem sehr gepflegt wirkenden Mann in Anzug und Krawatte folgend.

An den Wänden fallen Porträtfotos auf, es müssen Hunderte sein, die offenbar zeigen sollen, wer angeblich die Vorbilder von CAIR sind. Unschwer erkennt man Abraham Lincoln, Mahatma Ghandi, Martin Luther King und Mutter Teresa.

Der Mann im Anzug, dem die Kamera folgte, ist Ahmed Rehab, Exekutivdirektor von CAIR Chicago. Er steht nun, der Kamera zugewandt, vor einer Wand, auf der der Name der Organisation steht, neben sich die Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika. Er begrüßt den Zuschauer mit einem Lächeln und einem freundlichen Salam Aleikum: zum zweiten virtuellen Bankett, dem 18. insgesamt.

Es folgen zahlreiche über Zoom übermittelte Wortbeiträge. Auffällig präsent – ja: stark überrepräsentiert – unter den Rednern sind die vielen Politiker der Demokratischen Partei, unter ihnen Prominenz wie J.B. Pritzker, der Gouverneur von Illinois, oder US-Senator Dick Durbin; dazu zwei Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses, die für antisemitische Äußerungen bekannt sind: Ilhan Omar und Rashida Tlaib.

Die Reden folgen einem argumentativen Dreischritt: Muslime in den USA werden immer wieder Opfer von Diskriminierung. CAIR kämpft dagegen. Dafür braucht CAIR deine Geldspende. Politisch Kontroverses oder irgendetwas, das nach Fanatismus oder Extremismus klingt, ist nicht zu hören. Es geht um Bürgerrechte und den Kampf gegen Ungerechtigkeit. Wer könnte dagegen sein?

… und Hetze gegen jüdische Organisationen

Ganz anders die Auftritte von CAIR-Vertretern auf einer Konferenz der American Muslims for Palestine (AMP), die sechs Tage später stattfand. Redner waren der CAIR-Gründer und -Direktor Nihad Awad und Zahra Billoo, Direktorin von CAIR San Francisco und früher im Vorstand des Women’s March on Washington, aus dem sie im September 2019 aufgrund öffentlicher Proteste gegen ihren Antisemitismus gewählt wurde.

CAIR „verbindet die Punkte“, sagte Billoo auf der AMP-Konferenz. Es gebe eine „Verbindung zwischen Islamophobie und Zionismus“.

Ja, das hat sie wirklich gesagt. „Islamophobie“, erklärte sie, sei nicht zehn oder zwanzig Jahre alt, es gebe sie seit „Jahrhunderten“. Schon zu Zeiten des Propheten Mohammed habe es Leute gegeben, die den Muslimen „feindselig“ gegenübergestanden hätten, sich ihnen „widersetzt“ und sie „boykottiert“ hätten, so dass Muslime sich „unsicher“ gefühlt hätten.

Und hinter dieser „Islamophobie“ stehe eben der „Zionismus“. Dessen Ziel sei es, Muslime „ins Gefängnis“ zu bringen, sie „zum Schweigen“ zu bringen, ihnen „Angst“ zu machen und ihre „Hoffnung zu töten“.

Dafür gebe der „Zionismus“ „Hunderte Millionen Dollar“ aus, während es eine Organisation wie CAIR Mühe koste, auch nur „hunderttausend oder zweihunderttausend Dollar“ zu sammeln. Deshalb sei es wichtig, dass Muslime „jeden Monat“ Geld an CAIR und auch an die American Muslims for Palestine spendeten.

Muslime müssten sich vor „Zionisten“ hüten, sagte Zahra Billoo weiter. Auch die „höflichen Zionisten“ seien die „Feinde“ der Muslime:

„Wenn wir über Islamophobie sprechen, denken wir oft an die vehementen Faschisten … aber ich möchte auch, dass wir auf die höflichen Zionisten achten, die sagen, lasst uns einfach zusammen Brot brechen.“

Der Grund, warum diese Organisationen Muslime verfolgten, ist laut Billoo, weil sie befürchten, dass Muslime „sich für Black Lives Matter, polizeiliche Rechenschaftspflicht, Obdachlosigkeit, gegen Armut, für die Umwelt und ein freies Palästina einsetzen. Folglich haben sie es auf uns abgesehen«, so Billoo. Überall, wo Juden sich treffen, müssten Muslime darum ein Auge auf sie haben, erläuterte sie:

„Wir müssen der Anti-Defamation League Beachtung schenken, wir müssen der Jewish Federation Beachtung schenken, wir müssen den zionistischen Synagogen Beachtung schenken, wir müssen den Hillel-Gruppen an unseren Universitäten Beachtung schenken.«

Billoo riet der AMP-Versammlung: „Kenne deine Feinde.“ Das seien „die zionistischen Organisationen« und auch „die außenpolitischen Organisationen, die sagen, dass sie keine Zionisten sind, aber eine Zwei-Staaten-Lösung wollen«.

„Wir müssen die Punkte zwischen den Organisationen verbinden, die zionistische Agendas fördern«, forderte Billoo. Die, „die Muslime verbieten wollen«, seien „dieselben wie die, die Anti-Scharia-Gesetze verabschieden wollen“, sagte sie.

Sie behauptete, dass das „israelische Militär“ in den Vereinigten Staaten Polizisten ausbilde, um „unbewaffnete schwarze Männer, Frauen und Kinder zu töten“. Darüber hinaus sei die Technologie, die an der Grenze zwischen den USA und Mexiko verwendet werde, „die gleiche Technologie, die an der Apartheidsmauer [dem während der „zweiten Intifada“ errichteten Zaun, der ein Eindringen von Terroristen aus den Palästinensischen Autonomiegebieten nach Israel verhindern soll; S.F.] verwendet wird«.

Propaganda mittels Lügen

CAIR-Mitgründer und -Direktor Nihad Awad blies ins selbe Horn und nannte die Namen jüdischer Organisationen, die angeblich ein „Islamophobie-Netzwerk“ finanzieren:

Der Jewish Communal Fund hat zwischen 2014 und 2016 drei Millionen Dollar in das Islamophobie-Netzwerk gesteckt. (…)

Die Jewish Community Foundation hat zwischen 2014 und 2016 zwischen 200.000 und 400.000 Dollar in das Netzwerk gespendet. Die Jewish Community Federation of San Francisco, the Peninsula, Marin und Sonoma Counties hat zwischen 2014 und 2016 mehr als 400.000 Dollar in das Netzwerk der Islamophobie gesteckt.

Die Stiftung von Familie Adelson hat in diesen zwei Jahren mehr als 6 Millionen Dollar in das Islamophobia-Netzwerk gesteckt. Dem Committee for Accuracy in Middle East Reporting hat die Adelson-Stiftung eine Million Dollar zur Verfügung gestellt.“

Das Committee for Accuracy in Middle East Reporting and Analysis (CAMERA) hat nach eigenen Angaben 65.000 Mitglieder und arbeitet daran, eine faire und genaue Berichterstattung über den Nahen Osten und verwandte Themen zu gewährleisten – etwa, indem Redaktionen auf Fehler in ihren Beiträgen und Überschriften hingewiesen und um Richtigstellung gebeten werden.

Kein Wunder, dass es CAIR-Direktor Nihad Awad ein Dorn im Auge ist. „Es ist eine in Boston ansässige Organisation, die per Zeitungsanzeigen Propaganda gegen Palästinenser und die arabische Welt macht“, behauptete er in seiner Rede.

Wer einmal auf die von CAIR betriebene Website islamophobia.org schaue, so Awad, der werde „schockiert“ sein, wie viel Geld „jüdische Organisationen“ in das „Islamophie-Netzwerk gießen“: „Zig Millionen oder sogar über hundert Millionen Dollar“, alles mit dem Ziel, „die Öffentlichkeit falsch über die muslimische Gemeinde zu informieren“.

CAIR-Direktor Nihad Awad definierte nicht, was eigentlich „Islamophobie“ ist. Er sagte nicht, was er den von ihm als „Feinden“ gebrandmarkten jüdischen Organisationen vorwirft. Was haben sie gesagt oder getan, das ihn glauben lässt, dass diese Vereinigungen, die sich um jüdische Belange kümmern, Teil eines „Islamophobie-Netzwerks“ seien?

Awad gab keinen Hinweis darauf. Das einzige Beispiel, das er überhaupt gab, um den „Islamophobie“-Vorwurf zu belegen, war eine Falschbehauptung: Awad behauptete, das Clarion Project, das über Islamismus und Terrorismus aufklärt, habe einen Film verbreitet, in dem Barack Obama als „heimlicher Moslem“ bezeichnet worden sei.

Konkret habe der Clarion Fund, der eine „Zweigstelle im besetzten Palästina“ habe, „während des Wahlkampfes von Präsident Obama im Jahr 2006 (sic!)“ eine DVD mit dem Film „Obsession. Radical Islam’s War Against the West“ als Beilage zu Zeitungen wie der New York Times verteilt, „an 28 Millionen Haushalte“, so Awad. Der Film „behauptet, dass Obama ein  praktizierender Muslim sei und deshalb sollten die Wähler nicht für ihn stimmen, da er ein heimlicher Muslim sei“.

An der Stelle, wo Awad die Jahreszahl 2006 nennt, schaut er auf sein Manuskript, als wolle er sichergehen, nichts Falsches zu sagen. Da es also offenbar kein Versprecher ist, muss man sich fragen, wie er darauf kommt.

Obama hat, wie jeder weiß oder leicht nachprüfen kann, 2006 gar keinen Wahlkampf geführt. Er wurde 2004 zum US-Senator gewählt, sein nächster Wahlkampf war der um die Nominierung für die US-Präsidentschaftswahlen im November 2008 und die Präsidentschaftswahl selbst.

Der Clarion Fund hat besagten Film, in dem es um den politischen Islam und Terrorismus geht, im September 2008 aus Anlass des siebten Jahrestages der Terroranschläge auf das World Trade Center und das Pentagon verteilt.

In dem Film wird nicht Reklame für oder gegen einen Präsidentschaftskandidaten gemacht. Es geht in dem Film auch nicht um Barack Obama – geschweige, dass dieser als „heimlicher Muslim“ bezeichnet würde. Der Film wurde 2005 produziert, also schon drei Jahre vor Obamas Kandidatur für das Weiße Haus.

Es ist indessen nicht schwer, herauszufinden, wo der Ursprung der Gerüchte ist, die der CAIR-Chef verbreitet: am 23. September 2008 berichtete das öffentliche US-Rundfunknetzwerk NPR über die DVD. In dem Bericht stand, „die Präsidentschaftskandidaten“ würden in dem Film „nicht erwähnt oder auch nur indirekt erwähnt“. Das könne der Film auch gar nicht, da er schon „2006 (sic!) produziert“ worden sei. Dann kommt der Satz:

„Aber während Flüsterkampagnen Obama mit Gerüchten verfolgen, er sei ein heimlicher Muslim, tauchte die DVD als Beilage in etwa 70 Zeitungen auf.“

Das ist, wie man sehen kann, eine rein zeitliche Koinzidenz, so wie in der Aussage: „Während er sich einen Kaffee holte, schoss der FC den Ausgleich.“ Das bedeutet nicht, dass das eine die Ursache des anderen gewesen wäre. Der NPR-Bericht sagt ausdrücklich, dass Obama und der US-Präsidentschaftswahlkampf in dem Film gar nicht vorkommen.

Der CAIR-Chef hat seine Information offenbar aus der islamistischen Gerüchteküche, die nach dem Prinzip „Stille Post“ funktioniert: Jeder erzählt ein Gerücht über die Juden weiter und fügt selbst etwas hinzu.

Noch einmal: Das einzige Beispiel, das Awad für das angebliche finstere Wirken der Juden gegen die Muslime anführt, ist eine Lüge, die leicht als solche zu entlarven ist.

Es ist aber zu befürchten, dass Awad sein Ziel erreicht. Zum einen wird er mit der Behauptung, die Juden führten einen Krieg gegen den Islam, viel Geld sammeln. Das ist aber nicht das Schlimmste. Schlimmer ist, dass er mit diesem alten antisemitischen Gerücht zu Hass und Terror anstachelt. Das Gerücht, das er vor einem großen Publikum weiterverbreitet, kostet jedes Jahr Juden das Leben.

Teil 2 des Artikel wird morgen hier erscheinen.

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