Die Allianz der Kriegsgewinnler

„[W]er hätte damals gedacht, dass der russische und der türkische Präsident nicht nur ihre Differenzen in Syrien rasch überwinden würden, sondern zusammen mit ihrem iranischen Amtskollegen eine Art Allianz der Kriegsgewinnler schmieden würden? In Ankara waren es jedenfalls keine Friedensstifter, die am Mittwoch zu einem Dreiergipfel zusammenkamen, sondern Profiteure des Krieges. Putin und Rohani haben es geschafft, ihren Schützling Bashar al-Asad an der Macht zu halten und sich eine dauerhafte militärische Präsenz in Syrien zu sichern. Für Erdogan hat der Sturz Asads wiederum schon seit langem keine Bedeutung mehr. Stattdessen konnte er mit Afrin einen kleinen Teil des kurdischen Herrschaftsgebietes erobern und eine türkische Einflusszone im Norden Syriens schaffen. (…)

Sicher, es ist in jedem Krieg üblich, dass die Gewinner ihre eigenen Interessen durchzusetzen versuchen und sich als Ordnungsmächte für die Nachkriegszeit positionieren. Allein in diesem Licht sollte denn aber auch der sogenannte Friedensprozess von Astana gesehen werden, in dem Russland, Iran und die Türkei außerhalb vom Verhandlungsrahmen der Uno ihre Ziele abstecken. Um die syrische Zivilbevölkerung und ihr Leid ging es den Akteuren jedenfalls zu keinem Zeitpunkt. (…) Der Westen mag sich derweil mit dem Gedanken trösten, dass die türkisch-russisch-iranische Allianz nicht von Dauer sein kann. Für den Moment aber ist sie ein geradezu logisches Bündnis: So kann Erdogan in seinem Kampf gegen die Kurden nicht auf die USA, sondern auf Russland und Iran zählen. So ist Rohani auf Verbündete angewiesen, um sich gegen die amerikanisch-saudisch-israelische Front zu wappnen. Und so freut es Putin, den Einfluss der Amerikaner in der Region zurückzudrängen und einen Keil zwischen die Türkei und den Westen zu treiben.“ (Daniel Steinvorth: „Putin, Rohani und Erdogan gerieren sich als Friedensstifter in Syrien. In Wahrheit verteilen sie ihre Kriegsbeute“)

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