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Der Krieg in Libyen, ein Krieg der Söldner

Libyen: Sowohl auf Seiten der Regierung als auch auf Seiten Haftars kämpfen Söldner
Libyen: Sowohl auf Seiten der Regierung als auch auf Seiten Haftars kämpfen ausländische Söldner (© Imago Images / Xinhua)

In Libyen werden beide Seiten von ausländischen Mächten mit Material und und Söldnern unterstützt – hauptsächlich von der Türkei und Russland.

Akram Kharief, taz

Libyen ist nicht nur Schauplatz eines Stellvertreterkriegs, in dem Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Russland und andere Staaten General Khalifa Haftar unterstützen und die Türkei und Katar die Regierung der Nationalen Übereinkunft (GNA). Das Land ist auch zum Tummelplatz für Söldner aus der ganzen Welt geworden. Seit dem Abspaltungsversuch der Region Biafra von Nigeria (1967–1970) hat kein afrikanisches Land so viele „Kriegshunde“ angezogen.

Neben den lokalen Milizen stützen sich in Libyen beide Lager zusätzlich auf diese Kräfte, die, anders als man meinen könnte, vollkommen regulär geführt und entlohnt werden. Im Gegensatz zu ihrem Image sind diese Söldner keine Ganoven, die per Anzeige oder in dunklen Bars in London oder Brüssel rekrutiert werden, wie es lange üblich war. Seit den 1960er Jahren hat sich das Waffenhandwerk weiterentwickelt, so dass in vielen Krisenregionen mehr oder weniger bekannte Unternehmen aktiv sind, die sich auf dieses Geschäft spezialisiert haben. (…)

Ab 2014 griffen beide Lager vor allem bei der Suche nach Piloten auf Söldner zurück. Haftars LNA in Bengasi und die GNA in Tripolis mussten das Problem fehlender Luftstreitkräfte zur Unterstützung ihrer Bodentruppen lösen. Als Haftars Helfer der ersten Stunde lieferten die Vereinigten Arabischen Emirate kleine, für den Abwurf von Bomben umgebaute Agrarflugzeuge vom Typ Air Tractor AT-802 und in China produzierte Wing-Loong-2-Kampfdrohnen. (…)

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Die Regierung in Tripolis konnte auch mit der Unterstützung der Türkei rechnen. Deren Kampfdrohnen Bayraktar TB-2 verschafften ihr im Mai 2020 einen gewissen Luftvorteil, woraufhin Haftars russische Verbündete mehrere Mig-29 nach Libyen sandten, die zwar keine Kennzeichnung trugen, von denen man jedoch weiß, dass sie von der russischen Basis im syrischen Hmeimim gestartet waren. (…)

Der UN-Bericht verweist aber vor allem auf die Rolle der Wagner-Gruppe. Deren Söldnerzahl in Libyen sei schwer zu überprüfen, so die Experten, man schätze sie aber auf 800 bis 1200 Mann. Viele der Wagner-Leute waren schon in Syrien im Einsatz und kämpften im Frühjahr 2019 an der Seite sudanesischer und tschadischer Söldner bei der Offensive der LNA zur Eroberung von Tripolis. (…)

In Tripolitanien heißt das türkische Äquivalent der Wagner-Gruppe Sadat International Defence Consultancy. Das Unternehmen wurde 2012 von Adnan Tanrıverdi gegründet, einem ehemaligen General der Spe­zial­ein­heiten der türkischen Armee und Er­do­ğan-Vertrauten. Die Firma arbeitet eng mit dem türkischen Geheimdienst zusammen. (…) SADAT [ist] für die Ausbildung und Betreuung von syrischen Kämpfern zuständig, die die Türkei im Dezember 2019 nach Libyen „importiert“ hat, um die GNA-Truppen zu stärken. Zu ihnen gehören auch Kämpfer von Hai’at Tahrir asch-Scham, einer Dschihadistengruppe, die in den USA auf der Liste terroristischer Organisationen steht.

Seit Juni 2020 kursieren Medienberichte, nach denen auch jemenitische Kämpfer der Al-Islah-Partei (Muslimbrüder) in Libyen aktiv sind, die von der Türkei ausgerüstet werden. Auf der Gegenseite hat Haftar, um die ohnehin schon komplett unübersichtliche Situation zu verkomplizieren, im ersten Halbjahr 2020 Verstärkung von mehreren hundert erfahrenen syrischen Kämpfern erhalten, die ihm das Assad-Regime als Zeichen seiner Solidarität geschickt hat.

(Aus dem Artikel „Söldner aus aller Welt“, der in der taz erschienen ist.)

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