Wochenbericht, 7.7. bis 13.7.2014

In dieser Ausgabe:

I. Allgemeiner Überblick
II. Wirklichkeit auf den Kopf gestellt: Die Eskalation im Spiegel österreichischer Medien
III. Fehlende israelische Opfer, zynische Strategie der Hamas
IV. Folge des Terrorkrieges der Hamas: Antisemitische Gewaltwelle in Europa
 

I. Allgemeiner Überblick

In der vergangenen Woche erschienen in den von MENA systematisch ausgewerteten österreichischen Tageszeitungen 409 Beiträge mit Bezügen zu den Regionen Naher Osten und Nordafrika:

Folgende Länder wurden in den österreichischen Printmedien am häufigsten erwähnt:

In den insgesamt 137 relevanten Beiträgen der wichtigsten Nachrichtensendungen im ORF-Fernsehen bzw. -Radio standen folgende Länder im Mittelpunkt der Berichterstattung:

Wie sich anhand dieser Grafiken erkennen lässt, war das dominierende Thema der vergangenen Woche die Eskalation der Gewalt zwischen der islamistischen Hamas und ihren Verbündeten im Gazastreifen und Israel. Ein genauerer Blick auf die mediale Berichterstattung ist ernüchternd: In einer Mischung aus falsch verstandener „Ausgewogenheit“ und dem Bedürfnis, „beiden Seiten“ die Verantwortung für den Krieg anzulasten, selbst wenn ein Blick auf die Fakten diese Sichtweise Lügen straft, boten die österreichischen Medien ein vielfach höchst verzerrtes und einseitiges Bild des Konflikts.
 

II. Wirklichkeit auf den Kopf gestellt: Die Eskalation im Spiegel österreichischer Medien

Die groben Verzerrungen der Realität begannen schon bei der Darstellung der Chronologie der aktuellen Eskalation. Nachdem Krone-Außenpolitikchef Kurt Seinitz am vergangenen Mittwoch im Westjordanland lebende Israelis in bester „Stürmer“-Diktion als „giftige(s) Natterngezücht“ (Kronen Zeitung, 9. Juli 2014) beschimpft hatte, erläuterte er am Tag darauf unter dem geradezu programmatischen Titel „Israel muss sich wehren dürfen, aber …“, wer schuld an der Gewalt sei: „Jeder Krieg hat einen langen Vorlauf, und dieser Vorlauf heißt Netanyahu.“ Denn der habe die „die Hamas regelrecht aufgegeilt“, sodass diese, so musste man Seinitz verstehen, in ihrer Notgeilheit gar nicht mehr anders konnte, als Israel mit hunderten Raketen unter Beschuss zu nehmen. Die „Chronik“, die Seinitz präsentierte, hatte zwar wenig mit der Realität zu tun, war aber ein anschaulicher Ausdruck der Ressentiments, die in ihm offenbar vor sich hin brodeln. „Netanyahu treibt die Siedlungspolitik in Ostjerusalem und Westjordanland voran“, lautete Anklagepunkt Nummer eins. Wie wir schon an anderer Stelle erläutert haben, stimmt das zwar nicht, aber das ändert wenig an der großen Popularität der Mär von der unter Netanjahu angeblich aggressiv vorangetriebenen Siedlungspolitik. Es folgte eine Reihe weiterer Vorwürfe, bevor Seinitz erstmals auf die Raketen der Hamas zu sprechen kam: „Netanyahu nimmt die ersten Raketen (als Antwort auf die Rache-Verbrennung des 16-jährigen Palästinensers) zum Anlass scharfer verbaler Drohungen gegen die Hamas.“ (Kronen Zeitung, 10. Juli 2014) Die Raketen aus Gaza, so behauptete Seinitz also, seien eine „Antwort“ der Hamas auf die Ermordung eines palästinensischen Jugendlichen gewesen.

Damit war er beileibe nicht allein. Für Nadja Bernhard geriet „die Lage im Nahen Osten“ nach „den Morden an drei israelischen und einem palästinensischen Jugendlichen … immer mehr außer Kontrolle. Israelis und die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen“ – man beachte die Reihenfolge – „beschießen einander mit Raketen“. (ZiB, 9. Juli 2014) 170.000 Menschen hat der Krieg in Syrien bereits das Leben gekostet, der Irak bricht unter dem Vormarsch des Islamischen Staates (IS) zusammen, doch all das interessiert hierzulande wenig. „Außer Kontrolle“ gerät die Region erst, wenn Israel und die Hamas „einander“ beschießen.

Laut Armin Wolf wurde die „jüngste Eskalation durch die Ermordung von drei israelischen Jugendlichen und einem Racheakt an einem palästinensischen Teenager“ ausgelöst. (ZiB 2, 8. Juli 2014) Roman Rafreider meinte in der ZiB 24: „Begonnen hat es ja vor einer Woche mit der Ermordung von drei israelischen Teenagern. Zwei Tage später der Racheakt: ein palästinensischer Jugendlicher wird kaltblütig getötet, bei lebendigem Leib verbrannt wie berichtet. Und dann ging‘s los: Israelische Luftangriffe werden mit Raketen der Hamas beantwortet. Israel mobilisiert darauf 1.500 Reservisten, auf die Gewalt folgt die Gegengewalt.“ (ZiB 24, 7. Juli 2014) In der Darstellung Rafreiders mutierten die Raketen der Hamas somit zur „Antwort“ auf „israelische Luftangriffe“.

All diesen Darstellungen war gemein, dass sie sich um die wirkliche Chronologie der Ereignisse überhaupt nicht kümmerten. Die Leichen der drei entführten Israelis – Gudrun Harrer schrieb erneut von „Morde(n) an drei jungen Siedlern“ (Standard, 10. Juli 2014), obwohl auch sie mittlerweile wissen könnte, dass zwei der drei Ermordeten gar nicht in Siedlungen im Westjordanland lebten – wurden am 30. Juni gefunden, 18 Tage nachdem die drei verschleppt worden waren. Der 16jährige Mohammed Abu Khdeir wurde am 2. Juli ermordet. Glaubt man den zitierten Schilderungen in österreichischen Medien, habe zu diesem Zeitpunkt der Raketenterror aus dem Gazastreifen begonnen. Das ist freilich schlicht falsch, wie schon der Blick auf die Tage vor dem Auffinden der drei ermordeten Israelis zeigt. 24. Juni: drei Raketen auf Israel. 25. Juni: vier Raketen auf Israel. 27. Juni: sechs Raketen auf Israel. 28. Juni: sechs Raketen auf Israel – eine schlug in eine Fabrik in Sderot ein und verletzte mehrere Arbeiter; die Fabrik brannte nieder. 29. Juni: vier Raketen auf Israel. 30. Juni: 12 Raketen auf Israel. Alles in allem wurden laut dem israelischen Intelligence and Terrorism Information Center im Juni 2014 insgesamt 52 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Nur weil diese Terrorangriffe auf den jüdischen Staat von österreichischen Medien nahezu völlig ignoriert wurden, konnten Seinitz & Co. die Unwahrheit in die Welt setzen, die Eskalation habe erst nach dem Fund der drei Israelis und der Ermordung des jungen Palästinensers begonnen. Seit Wochen stand Israel bereits unter Beschuss, seit Wochen standen Raketenalarme in der Nähe des Gazastreifens auf der Tagesordnung, bevor die israelische Armee eine größere Militäroperation starten musste, um gegen diesen alltäglichen Terror vorzugehen.

Österreichische Medien waren aber nicht nur eifrig darum bemüht, die Verantwortung für die Eskalation der Gewalt zu vertuschen, indem sie die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen verschwiegen, sondern stellen in der Berichterstattung über den Krieg beinahe systematisch die Realität so auf den Kopf, dass Israel als Aggressor erscheint, während die Hamas und andere Terrorgruppen nur reagieren würden. So behauptete die ZiB 2: „Nach den israelischen Angriffen [!] auf Stellungen der Hamas im Gazastreifen antwortet [!] heute die Hamas erneut mit Gegenangriffen [!] auf israelische Ortschaften.“ (ZiB 2, 7. Juli 2014) Auf Roman Rafreider, der behauptete, „israelische Luftangriffe werden mit Raketen der Hamas beantwortet“ (ZiB 24, 7. Juli 2014), wurde oben bereits hingewiesen. „So sieht Eskalation aus der Nähe aus“, kommentierte die ZiB Aufnahmen israelischer Angriffe auf Ziele in Gaza. Nachdem dergestalt festgehalten wurde, wer den Krieg eskaliere, folgte ein Hinweis auf die Terrorangriffe aus dem Küstenstreifen: „Die Antwort [!] der Hamas erreicht selbst israelisches Kernland.“ (ZiB, 9. Juli 2014) Im Abendjournal war zu hören: „Auf der einen Seite setzt die israelische Luftwaffe ihre Angriffe auf den Gazastreifen fort. Auf der anderen Seite schießen die Palästinenser vom Gazastreifen aus Raketen auf Israel.“ (Ö1-Abendjournal, 9. Juli 2014) „Israel setzte am Donnerstag seine Luftangriffe … unvermindert fort“, berichtete der Standard, um erst dann zu erwähnen: „Auch der Raketenbeschuss israelischer Städte, darunter Tel Aviv und Jerusalem, durch Palästinenser dauerte an.“ (Standard, 11. Juli 2014)

Die ZiB 24 berichtete über den absurden Vorwurf von Mahmud Abbas, wonach Israel im Gazastreifen einen „Völkermord“ begehen würde und setzte fort: „Doch Israel weitet seine Militäreinsätze aus.“ Hunderte Ziele seien von der israelischen Armee beschossen worden, was mit dem Zitat kommentiert wurde, das einfach nicht fehlen darf, wenn Israel sich gegen Terror militärisch zur Wehr setzen muss: „Aug um Auge, Zahn um Zahn.“ (ZiB 24, 9. Juli 2014) Anstatt von den terroristischen Angriffen der Hamas und der Selbstverteidigung Israels zu sprechen, raunte auch Thomas Vieregge von dem „archaische(n) Zyklus von Rache und Vergeltung“. (Presse, 10. Juli 2014)
 

III. Fehlende israelische Opfer, zynische Strategie der Hamas

Die Verkehrung der Wirklichkeit, die vollzogen wird, wenn von israelischen Aggressionen und palästinensischen Reaktionen die Rede ist, wird durch die grundsätzliche Asymmetrie der Auseinandersetzung zusätzlich zementiert. Die Tatsache, dass das israelische Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ bislang einen Großteil jener Raketen rechtzeitig vom Himmel holen konnte, die in bewohntem Gebiet eingeschlagen wären, und damit eine große Zahl an israelischen Opfern verhinderte, wird den Verletzten und Toten gegenübergestellt, die im Gazastreifen zu beklagen sind. Der Terror der Hamas wird als lediglich „provokantes Raketenfeuer“ (Presse, 10. Juli 2014).verniedlicht. In der ZiB 2 fragte Armin Wolf einen israelischen Interviewgast: „Die Hamas schießt seit Tagen auf israelische Städte, aber es gibt in Israel bisher Gott sei Dank keinen einzigen Verletzten, keinen einzigen Toten. Die israelische Luftwaffe bombardiert Gaza, es gibt dort schon mehr als 40 Tote, darunter auch etliche Zivilisten. Wie verhältnismäßig ist denn die Reaktion Israels?“ (ZiB 2, 9. Juli 2014) Die Effektivität des „Iron Dome“ wird hier in Stellung gebracht, um die Verteidigung Israels gegen den Raketenterror der Hamas moralisch infrage zu stellen. Dass jede einzelne der palästinensischen Raketen ein Kriegsverbrechen darstellt, wie zuletzt auch der palästinensische Vertreter beim UN-Menschenrechtsrat erläuterte, gerät dabei genauso in Vergessenheit wie die Tatsache, dass der „Iron Dome“ eine weitere Eskalation der Lage verhindert: Würden die Raketen der Hamas mehr Verletzte oder gar Tote in Israel zur Folge haben, wäre die israelische Regierung gezwungen, ihren Kampf gegen die Hamas auf einen ganz anderen Level zu bringen. Nicht zuletzt dem Abwehrsystem ist es zu verdanken, dass es bislang noch nicht zu einer notwendigerweise ungleich opferreicheren Bodenoffensive im Gazastreifen kommen musste. „Wäre nicht die ‚Eiserne Kuppel‘, hätten wir schon vor Tagen in Gaza einmarschieren müssen“, erklärte Jossi Kuperwasser, der Generaldirektor des Ministeriums für strategische Angelegenheiten. (Kronen Zeitung, 13. Juli 2014) Das Fehlen israelischer Opfer ebnet den Unterschied zwischen den terroristischen Attacken der Hamas, die sich wahllos gegen Zivilisten in Israel richten, und der legitimen und notwendigen Selbstverteidigung Israels ein, dessen Armee schon im eigenen Interesse darum bemüht ist, zivile Opfer unter den Palästinensern so gut wie möglich zu verhindern.

Auch in der Illustration der Beiträge schlägt sich nieder, wie die Rollenverteilung in der Berichterstattung umgedreht wird. Von der palästinensischen Seite dominieren Bilder von Zerstörungen, von leidenden oder flüchtenden Menschen, während die israelische Seite in Form von militärischem Gerät präsentiert wird. (Kurier, 14. Juli 2014) Selbst wenn auf Bildern ausnahmsweise Israelis zu sehen sind, die sich vor den Raketen der Hamas in Sicherheit bringen, dient dies dem Zweck, die Gefahr für Israelis zu verniedlichen und das Mitleid mit den Palästinensern zu vergrößern. In diesem Fall (Kronen Zeitung, 10. Juli 2014) geschieht das durch die Bildunterschrift:

Die Realität wird hier gleich mehrfach entstellt: Erstens hätte es auch unzählige Fotos von Menschen in Israel gegeben, die nicht die Möglichkeit haben, vor dem Raketenterror in einem Bunker Schutz zu suchen. Autofahrer, die sich bei Alarm neben ihren Wägen auf den Boden legen und auf den Einschlag warten; Kinder, die auf Spielplätzen unter Klettergerüsten Deckung suchen; diese und ähnliche Motive hätte die Krone auch auswählen können, um die Gefahr in Israel zu illustrieren. Zweitens spielte die Krone der palästinensischen Propaganda in die Hände, indem sie verschwieg, dass es in Gaza sehr wohl Bunker gibt, nur stehen die, anders als in Israel, nicht der Zivilbevölkerung offen, sondern sind den Hamas-Kadern vorbehalten. Denn drittens hat die Hamas gar kein Interesse daran, die Palästinenser zu schützen, besteht die perverse Logik ihres Terrorkriegs gegen Israel doch gerade darin, zivile Opfer unter der eigenen Bevölkerung zu provozieren. „(D)ie radikalislamische Hamas“, bemerkte Gil Yaron, „trägt dazu bei, die Zahl der Toten in die Höhe zu treiben.“ (Salzburger Nachrichten, 11. Juli 2014) Sie versteckt sich hinter der Zivilbevölkerung und appelliert an diese, sich bei Warnungen der israelischen Armee nicht in Sicherheit zu bringen, sondern in ihren Häusern zu bleiben, „da eine Flucht als Kapitulation gedeutet werden könne.“ (Presse, 14. Juli 2014) Und mehr noch: Die Hamas fordert die Menschen explizit auf, als menschliche Schutzschilde für ihre Kader und Waffendepots zu dienen. (Standard, 11. Juli 2014)

So zynisch es klingt: Jeder tote Palästinenser ist ein Propagandaerfolg für die Hamas, die genau weiß, dass sie Israel militärisch nicht schlagen, dem jüdischen Staat in der Weltöffentlichkeit aber dank der einseitigen Berichterstattung vieler Medien schweren Schaden zufügen kann. „Es herrscht eine Art Medienkrieg und das seit Jahren“, erläuterte ein israelischer Armeesprecher in der Kleinen Zeitung: „Und dafür instrumentalisiert die Hamas ihre eigenen Landsleute“. Man dürfe „nicht nur die Bilder der leidenden Menschen betrachten, sondern man muss auch die Geschichte hinter diesen Bildern erkunden.“ (Kleine Zeitung, 10. Juli 2014)

Wie wenig sich die Hamas in Wahrheit um Leib und Leben der Palästinenser schert, wird an einigen Details deutlich, die in der Berichterstattung über den Krieg unterzugehen drohen. So hat die Hamas mehrfach den Atomreaktor in Dimona unter Beschuss genommen. Der Versuch, den Reaktor zu zerstören, stellt nicht nur nuklearen Terrorismus dar, sondern würde im Falle seines Erfolgs nicht nur Israel mitsamt seiner rund einen Million arabischer Bürger treffen, sondern darüber hinaus auch Millionen Araber in der umgebenden Region. In österreichischen Medien wurde zwar nebenbei über die Angriffe auf Dimona berichtet, deren Bedeutung aber völlig verkannt. Und einzig Gil Yaron wies bislang darauf hin, dass die Hamas mit ihren Raketen nicht nur Israel attackiert, sondern auch die eigene Bevölkerung gefährdet: Ein Teil der abgefeuerten Geschosse „gelangt nicht einmal über die Grenze des Gazastreifens hinaus und geht auf palästinensische Ortschaften nieder. Dort forderten sie auch in diesem Krieg bereits Opfer und führten zu schweren Sachschäden“ (Salzburger Nachrichten, 14. Juli 2014) – Opfer, die in den entsprechenden Angaben von palästinensischer Seite mit Sicherheit als Opfer israelischer „Kriegsverbrechen“ hingestellt werden.

Einen seltenen Moment der Klarheit bot ein Interview mit dem palästinensischen Politiker Abdullah Frangi. Im Morgenjournal bestritt er, der ein Vertrauter von Mahmud Abbas und kein Hamas-Mann ist, dass die israelischen Militäraktionen sich gegen den Beschuss aus Gaza richten, und betonte die Bemühungen um einen Waffenstillstand. Daraufhin fragte ihn Karin Koller: Könnte man die israelischen Angriffe „nicht einfach stoppen, indem man keine Raketen mehr auf Israel schießt?“ Wie an seiner Reaktion zu hören war, hatte Frangi mit dieser simplen Frage nicht gerechnet. „Wissen Sie, wenn sie hier an meiner Stelle sitzen und sehen, wie die Flugzeuge, und welche Zerstörung sie hinterlassen, dann würden Sie die Frage sicher nicht so stellen“, lautete seine überraschte Antwort. (Ö1-Morgenjournal, 10. Juli 2014) Auch darin lag ein Körnchen Wahrheit: Wenn Frau Koller in Gaza gewesen wäre, hätte sie ihre Frage in der Tat nicht so stellen können – denn dort begibt man sich in Lebensgefahr, wenn man auf den einfachen Umstand hinweist, dass die Hamas – im Gegensatz zu Israel – den Krieg jederzeit beenden könnte. Was die Fortsetzung des Krieges für die Palästinenser im Gazastreifen bedeutet, hat Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri dank eines Freudschen Versprechers klargestellt:

 
 

IV. Folge des Terrorkrieges der Hamas: Antisemitische Gewaltwelle in Europa

Bislang völlig unbemerkt von österreichischen Medien hat der Terrorkrieg der Hamas gegen Israel fernab des Geschehens ungeheure Auswirkungen: Er hat in Europa eine Welle antisemitischer Aufmärsche und Gewalttaten hervorgerufen.

Bereits am 8. Juli wurde in Paris eine Frau mit Pfefferspray attackiert, nachdem ein Mann ihr ins Gesicht geschrien hatte: „Dreckige Jüdin, so Gott will, wirst du sterben.“ Am vergangenen Freitag wurde eine Synagoge in einem Pariser Vorort mit einem Brandsatz attackiert. Am Samstag schrien Demonstranten in einem anderen Vorort der Metropole während einer anti-israelischen Demonstration u. a. „Tod den Juden“.

In Paris eskalierte am Sonntag eine Solidaritätsdemonstration mit der Hamas unter Sprechchören wie „Tod den Juden“ und „Hitler hatte recht“ zu Attacken auf jüdische Ziele. Über hundert Pariser Juden fanden sich plötzlich in einer Synagoge gefangen, die von einem Mob mit Steinen und anderen Wurfgeschossen attackiert wurde. 50 Männer verwüsteten das Geschäft eines jüdischen Besitzers. In Paris wurde darüber hinaus noch eine zweite Synagoge attackiert, während es in Marseille zu gewalttätigen Ausschreitungen im Zuge einer pro-Hamas-Demonstration kam.

Pro-Hamas-Aufmärsche mit antisemitischen Parolen und gewalttätigen Ausschreitungen gab es auch in mehreren deutschen Städten. Eine laut Polizei aufgehetzte und aggressive Demonstration konnte am Samstag gerade noch gestoppt werden, bevor sie die Fanmeile der Fußball-WM erreichen konnte, Polizisten wurden mit Feuerwerkskörpern und Steinen attackiert. In Bremen wurde am Rande einer pro-Hamas-Demonstration ein Passant niedergeschlagen und schwer am Kopf verletzt. Bereits am vergangenen Donnerstag fand in Essen eine pro-Hamas-Demonstration von rund hundert arabischstämmigen Personen statt, die vor die Essener Synagoge zogen und die Polizei beschimpften, weil diese sich schützend vor das jüdische Gotteshaus gestellt hatte.

Auch in Österreich sind Solidaritätsdemonstrationen für den Terrorkrieg der Hamas angekündigt, darunter in Wien, Linz, Salzburg und Innsbruck. Wes Geistes Kind die Veranstalter derartiger Aufmärsche sind, lässt sich an der Facebookseite zeigen, die zu der Demonstration in Tirol aufruft. Deren Betreiber hatte in seinem persönlichen Profil neben jeder Menge anti-israelischer Hetze auch Folgendes mitzuteilen:

Völlig zu recht warnt Nurten Yilmaz, die Integrationssprecherin der SPÖ, vor der Zunahme an antisemitischen Hass-Postings im Internet und fordert: „Keinen Fußbreit diesen Hetzern.“ (Kurier, 14. Juli 2014) Die nächsten Tage werden zeigen, ob die österreichischen Sicherheitsbehörden das ähnlich sehen und die bevorstehenden Aufmärsche antisemitischer Hetzmeuten unterbinden werden.


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