Wer in westlichen Medien für Gewalt und Terror verantwortlich ist

„Als Papst Benedikt XVI. einmal einen byzantinischen Kaiser zitierte, der dem Islam eine besondere Neigung zur Gewalt unterstellte, reagierten große Teile der islamischen Welt auf eine Weise, die dem Kaiser Recht zu geben schien. Ähnlich war es, als US-Präsident Donald Trump das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigte, unter anderem deshalb, weil die Mullahs die gesamte Region zu destabilisieren suchen. Iran reagierte prompt mit den ersten direkten Angriffen eines islamischen Staates auf Israel seit 1973. Die israelische Reaktion war schnell, gezielt und vernichtend. Aber man fragt sich schon, weshalb die Teheraner Theokraten partout ihre Rolle als Störenfriede unterstreichen mussten. (…)

Der Sinn des Atomabkommens mit dem Iran bestand ja nicht in erster Linie darin, das Regime am Bau einer Atomwaffe zu hindern. Das ist dem Land nach dem vom Iran unterzeichneten Nichtverbreitungsabkommen ohnehin untersagt. Wichtiger war die Hoffnung, der Vertrag werde ein erster Schritt sein, um den Iran in das Geflecht internationaler Verträge einzubinden, das die Staatenwelt zusammenhält. (…) Mittlerweile ist die schiitische Hisbollah – nicht etwa der sunnitische Islamische Staat – der mächtigste nichtstaatliche Akteur, sprich: Terrortruppe, der Welt. Sie verfügt über ein Waffenarsenal, von dem die meisten arabischen Staaten nur träumen können. Bis zu 150.000 vom Iran gelieferte Raketen fast jeder Reichweite besitzt die Hisbollah, die von Anhängern des Ayatollah Khomeini gegründet wurde und deren Ziel die ‚Auslöschung‘ Israels ist. (…)

Empörung gab es erst, als Donald Trump die Farce beendete und aus dem Nuklearabkommen ausstieg. Internationale Abkommen seien sakrosankt, hieß es plötzlich, man könne sie nicht ‚einseitig‘ aufkünden – gerade so, als hätten die USA, und nicht der Iran, laufend gegen Geist und Buchstaben des Vertrags verstoßen. (…) Trumps Herausforderung der Theokraten und die fast zeitgleiche Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem sind Triumphe Benjamin Netanjahus, und man darf annehmen, dass sich ein Teil der europäischen Empörung daraus speist. ‚Trumps Botschaftsverlegung kostet Dutzende Menschenleben‘ titelte der britische Guardian, nachdem die vom Iran finanzierte und kontrollierte Hamas am ‚Nakba‘-Tag Zehntausende gegen Israel in Marsch gesetzt hatte. Merke: Nicht fanatischer Judenhass, sondern die Anerkennung von Israels Hauptstadt soll für die Toten verantwortlich sein. Wie werden linksliberale Medien reagieren, wenn es zum unvermeidlichen Krieg gegen die Hisbollah kommt?“ (Alan Posener: „Teherans Taktik“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login