Russland will das UNO-Mandat, durch das Millionen Menschen in der aufständischen Region Idlib versorgt werden, nicht weiter verlängern. Eine humanitäre Katastrophe droht.
Diana Hodali, Deutsche Welle
Das UN-Mandat, das die Grundlage für Hilfslieferungen in die Region Idlib darstellt, läuft bald aus. Im Jahr 2014 hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschlossen, vier Grenzposten nach Nordwestsyrien zu öffnen, um die Menschen der letzten verbleibenden Rebellenhochburg in Syrien mit dem Nötigsten versorgen zu können.
Das Mandat musste immer wieder erneuert werden. Syrien und sein engster Verbündeter Russland aber stellten sich zunehmend quer. 2020 kam es dann zu einem mühsam errungenen Minimalkompromiss, nur noch den Grenzübergang Bab al-Hawa für ein Jahr offen zu halten. Diese Frist endet nun am 10. Juli.
Unterschiedlichen Schätzungen zufolge leben etwa vier Millionen Menschen in der Provinz Idlib, über eine Million von ihnen in Flüchtlingslagern. Viele sind schon mehrfach innerhalb Syriens geflohen. Seit die Resolution 2014 verabschiedet wurde, wurde es für Hilfsorganisationen immer schwerer, den Menschen Nahrungsmittel und Medikamente zukommen zu lassen. Durch den einen verbliebenen Grenzübergang Bab al-Hawa rollen nach Angaben der Vereinten Nationen heute noch etwa 1000 Lastwagenladungen pro Monat.
Etwa 75 Prozent der vier Millionen Bewohner der Provinz Idlib sind laut Human Rights Watch auf humanitäre Hilfe angewiesen. Es gibt nur noch drei funktionierende Krankenhäuser, die COVID-Infektionszahlen steigen, nur wenige Impfstoffdosen haben die Region bisher erreicht. Sowohl Human Rights Watch als auch die Nothilfe der Vereinten Nationen befürchten das Schlimmste für die Menschen, wenn Bab al-Hawa geschlossen würde.
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