Warum ein saudischer Minister ausgerechnet nach Ostsyrien reist

Thamer Al-Sabhan

„Der saudische Minister für den Persischen Golf, Thamer Al-Sabhan, besuchte Ostsyrien und traf am Wochenende mit US-Beamten zusammen. Es ist sein zweiter bekannt gewordener Besuch seit 2017, als er nach der Befreiung vom Islamischen Staat nach Raqqa reiste. Der Besuch hat die Gerüchteküche brodeln lassen, und es wird gemunkelt, dass die USA, möglicherweise mit Unterstützung von Saudi-Arabien, weiterhin in Ostsyrien aktiv sein werden. Sabhan scheint nach seiner Teilnahme an der Amtseinführung des neuen Präsidenten der kurdischen Regionalregierung, Nechirvan Barzani, am 10. Juni nach Syrien gereist zu sein. Saudi-Arabien investierte im Oktober 2018 insgesamt 100 Millionen US-Dollar in die Stabilisierung Ostsyriens. Die von den USA angeführte Anti-ISIS-Koalition und ihr Partner, die Demokratischen Kräfte Syriens, haben nach Jahren des Konflikts versucht, Ostsyrien wiederzubeleben. (…)

Die USA kündigten an, Syrien im Dezember 2018 zu verlassen und damit ihr politisches Engagement für Syrien aufzugeben. US-Präsident Donald Trump hielt es für an der Zeit, die Dinge zum Abschluss zu bringen, war jedoch willens, eine kleine Truppe in Syrien zu belassen. Trotzdem wurden die Großinvestitionen des US-Außenministeriums und anderer Teile der Regierung reduziert. Die US-Pläne zur ‚Stabilisierung‘ schienen auf Eis zu liegen. Jetzt, im Sommer 2019, könnte sich das wieder ändern.

 Berichten in sozialen Medien zufolge war Sabhan in Ostsyrien und traf sich mit dem stellvertretenden Sondergesandten der USA für die Anti-ISIS-Koalition, William Roebuck. Laut der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw, war Roebuck am 13. Juni in Syrien und besuchte Ain Issa. ‚Der Schlüssel liegt darin, den SDF und dem Syrischen Demokratischen Rat beim Thema Sicherheit zu helfen‘, sagte Roebuck, was einen Übergang von militärischen Operationen zur Terrorismusbekämpfung markiert. Laut einem Tweet des Schriftstellers Saad Abedine, traf Al-Sabhan Berichten zufolge auch mit Vertretern von Stämmen in der Provinz Deir Ezzor zusammen. Lawk Ghafuri, ein Menschenrechtsaktivist, twitterte Fotos von dem Besuch. Die Wichtigkeit der Stämme wurde kürzlich hervorgehoben, insbesondere die Frustration, die sie gegenüber den SDF empfinden. Die USA wollen sicherstellen, dass die Ruhe weiter anhält, insbesondere angesichts der Herausforderungen, die sich Washington durch den Iran gegenübersieht, der Kritik Russlands, der Absichten des syrischen Regimes und auch der schwierigen Spannungen mit der Türkei, hinsichtlich der Pläne für eine ‚sichere Zone‘ in Nordsyrien. (…)

 Sollten die Berichte korrekt sein, so zeichnet sich ab, dass sechs Monate nach der Ankündigung der USA, Syrien zu verlassen, Washington versucht, die Grundlagen dafür zu legen, Ostsyrien zu stabilisieren, im Einklang mit den Absichten, die vor einem Jahr verkündet worden waren. Dies bedeutet, mit den Stammesanliegen in Deir Ezzor zu arbeiten und das Gleichgewicht zwischen der Rolle der SDF und den Anliegen der Türkei in Bezug auf die mit der PKK-verbundenen Gruppen zu halten. Wie die USA erreichen wollen, war nie klar. Selbst mit einem saudi-arabischen Investment oder der saudischen Zustimmung, eine Vermittlerrolle bei den großen sunnitisch-arabischen Stämme einzunehmen, ist unklar, wie die USA jemals dafür sorgen können, dass das Konzept der Sicherheitszone in Nordsyrien funktioniert. Die USA stehen auch vor einer Krise mit dem Iran und der Türkei. Dies bringt Ostsyrien in eine schwierige Lage. In einer armen Gegend, die sich vom Krieg gegen den IS erholt, müssen die USA viele Dinge tun, damit Ostsyrien stabil bleibt.“ (Seth J. Frantzman: „Is Saudi visit to eastern Syria prelude to greater U.S., Saudi role?“)

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