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Mudschaheddin, Taliban, al-Qaida – wer soll sich da noch auskennen?

Suchte nicht erst nach 9/11 bei den Taliban Zuflucht: Osama bin Laden. (© imago images/UPI Photo)
Suchte nicht erst nach 9/11 bei den Taliban Zuflucht: Osama bin Laden. (© imago images/UPI Photo)

Im Kurier schreibt ein Gastkommentator über Afghanistan, die Taliban und islamistischen Terror. Ein beachtlicher Teil des Textes ist schlicht falsch.

Sehr geehrte Kurier-Redaktion,

Wendelin Ettmayers Gastkommentar darüber, wie dem Terrorismus beizukommen sei, ist ein bemerkenswerter Text, der vor allem aus einem Grund hervorsticht: Der Autor schreibt über Dinge, von denen er offenbar reichlich wenig versteht – anders lassen sich die für einen so kurzen Text so zahlreichen Fehler nicht erklären.

So schreibt Ettmayer, die USA hätten den „religiösen Kämpfern, den Taliban“ geholfen, die Sowjetunion aus Afghanistan zu vertreiben. Eine simple Google-Suche hätte Ettmayer gezeigt, dass die Taliban erst Jahre nach dem Rückzug der SU aus Afghanistan entstanden sind – er verwechselt sie offenbar mit den verschiedenen Mudschaheddin-Gruppen, die wirklich gegen die Sowjetunion gekämpft haben.

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Und in dieser Qualität geht es weiter: Beim Kampf gegen die Sowjetunion „(m)itgeholfen hat (…) auch, in Zusammenarbeit mit der CIA, Osama bin Laden mit seinem Al-Qaida-Netzwerk.“ Tatsächlich hat die CIA die Mudschaheddin nicht direkt unterstützt, Partner der USA im Krieg in Afghanistan war vielmehr der pakistanische Geheimdienst, der streng darauf achtete, dass er die Verteilung von Geld und Waffen kontrolliert. Anders als China, das dafür seltsamerweise nie kritisiert wird, trainierten die USA selbst keine der Kämpfer in Afghanistan. Und die von Ettmayer behauptete „Zusammenarbeit“ der CIA mit Osama bin Laden und anderen arabischen Kämpfern und/oder den Taliban ist eine reine Erfindung.

Schlicht falsch ist auch die Behauptung Ettmayers, dass bin Laden „nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Aufnahme und Schutz“ bei den Taliban gefunden hätte. In Wahrheit war bin Laden seit seiner Ausweisung aus dem Sudan bereits seit 1996 in Afghanistan. Er wurde dort nicht nach 9/11 „aufgenommen“, sondern war schon fünf Jahre lang dort.

Höchst fragwürdig ist darüber hinaus der gesamte Tenor von Ettmayers Text: Der islamistische Terror war nicht die Reaktion auf den „weltweiten Krieg gegen den Terror“, sondern dessen Ursache.

Dass es Ettmayer offenbar an grundlegenden historischen Kenntnissen über Afghanistan und die Geschichte des islamistischen Terrors mangelt, er aber trotzdem glaubt, sich darüber äußern zu müssen, ist schlimm genug. Aber warum veröffentlicht der Kurier einen so peinlich fehlerhaften Kommentar?

Mit freundlichen Grüßen,
Florian Markl
Mena Watch – der unabhängige Nahost-Thinktank

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