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Können Aktivisten, die gegen Israel hetzen, den Antisemitismus bekämpfen?

Das Online-Seminar der „Jewish Voice for Peace“
Das Online-Seminar der „Jewish Voice for Peace“ über Antisemitismus (Quelle: Screenshot)

Organisationen zur Bekämpfung des Antisemitismus in den USA kritisierten die „unaufrichtigen Bemühungen“ der „Jewish Voice for Peace“, mit Anti-Israel-Aktivisten über Judenhass diskutieren zu wollen.

Shiryn Ghermezian

An der von der antizionistischen Gruppe Jewish Voice for Peace (JVP) veranstalteten Online-Diskusion mit dem Titel „Dismantling Anti-Semitism: Winning Justice“ (dt.: „Antisemitismus abbauen, Gerechtigkeit gewinnen“) nahmen am Dienstagabend die demokratische US-Abgeordnete Rashida Tlaib aus Michigan, der Professor Marc Lamont Hill von der Temple University, der Journalist Peter Beinart und die Schriftstellerin, Historikerin und Aktivistin Dr. Barbara Ransby teil.

Fast 1.000 Zuschauer verfolgten die 90-minütige Diskussion der Podiumsteilnehmer über die Bekämpfung des Antisemitismus, im Zuge derer selbst zahlreiche antisemitische und antizionistische Äußerungen fielen. So eröffnete Tallie Ben Daniel, JVP-Direktorin für Sonderprojekte, die Diskussion gleich einmal mit der Aussage, dass das „wahre Ziel“ der Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) nicht die Juden, sondern die Palästinenser seien.

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Liora Rez, Geschäftsführerin von StopAntisemitism.org, sagte gegenüber dem Jewish News Syndicate (JNS), dass nicht zuletzt damit von Beginn an feststand, dass die Veranstaltung „einen neuer Tiefpunkt“ darstelle: „Marc Lamont Hill hat seinen Job bei CNN wegen seines Antisemitismus verloren. Rashida Tlaib wird derzeit von Kongresskollegen wegen ihres fortgesetzten Antisemitismus kritisiert. Barbara Ransby unterstützt offen eine Terroristin [Rasmea Odeh; Anm. Mena-Watch], die zwei jüdische Studenten ermordet hat. Diese Leute sind keine Verbündeten des jüdischen Volkes, sie sind Bedrohungen, die sich als Kämpfer für soziale Gerechtigkeit ausgeben.“

Während der Diskussion erklärten die Redner wiederholt, dass „alle Arten von Antisemitismus“ sowie „Islamophobie und antischwarzer Rassismus“ qua Intersektionalität „alle miteinander verbunden sind.“ Dabei bestritten sie auch, dass palästinensischer Aktivismus, bis hin zur Unterstützung für den Boykott Israels, etwas mit Antisemitismus zu tun haben könne. Ransby, die Israel schon früher der ethnischen Säuberung beschuldigt hatte, sagte in diesem Zusammenhang: „Palästinenser, die für palästinensische Rechte eintreten, sind nicht der Feind, diejenigen von uns, die für BDS als eine Strategie eintreten, um die Rechte der entrechteten und exilierten Palästinenser voranzubringen, sind nicht der Feind.“

Beinart, das einzige jüdische Mitglied des Panels und derzeit CNN-Kommentator und Kolumnist für die New York Times, behauptete, dass „es von entscheidender Bedeutung ist, dass wir für das Recht von antizionistischen Juden und antizionistischen Nicht-Juden kämpfen, Teil der jüdischen Gemeinschaft und Teil dieser Gespräche zu sein.“ Er beschuldigte Israel auch, einer Hierarchie zu gehorchen, die „Juden über Palästinenser stellt.“

Beinart versuchte, seine Mitdiskutanten zu verteidigen, die allesamt für ihre antisemitischen Ansichten über Israel kritisiert worden waren, indem er den Zuschauern sagte: „Ich weiß, dass es wahrscheinlich eine Menge Leute gibt, die das hier sehen, die gekommen sind, um es zu sehen, weil sie die Leute auf diesem Podium nicht mögen. … Hören Sie sich die Leute auf diesem Podium an, hören Sie sich an, was sie zu sagen haben. Klingen sie für Sie wie Leute, die Juden hassen? Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl. Klingen sie für Sie wie Antisemiten?“

Der Direktor des Combat Anti-Semitism Movement, Sacha Roytman-Dratwa, sagte gegenüber JNS: „Die Idee, dass diejenigen, die selbst zum Wachstum des Antisemitismus beigetragen haben, Judenhass definieren können, ist absurd.“ Lamont Hill und Tlaib etwa hatten zuvor beide ihre Unterstützung für die „Befreiung Palästinas vom Fluss bis zum Meer“ zum Ausdruck gebracht, was gemeinhin als Aufruf zur Zerstörung Israels verwendet wird.

„Ein Werkzeug, um Angst und Spaltung zu erzeugen“

Als letzte Rednerin weinte BDS-Unterstützerin Rashida Tlaib, während sie darüber sprach, wie sie „dämonisiert“ und beschuldigt werde, antisemitisch zu sein. „Sagen Sie allen, ich hasse Sie nicht. Ich liebe Euch von ganzem Herzen“, sagte sie. „Wenn irgendjemand durch meine Türen kommt oder in irgendein Forum, um zu versuchen, Antisemitismus zu verbreiten, dann werden Sie hören, wie ich zu meinem Megafon greife, um laut zu ihm zu sagen, dass er sich zum Teufel scheren soll.“ Sie fügte hinzu: „Ich hoffe, dass alle unsere jüdischen Nachbarn wissen, dass wir das gemeinsam durchstehen.“

Die Moderatorin des Abends, die stellvertretende Direktorin der JVP, Rabbi Alissa Wise, sagte den Zuschauern, dass sie „instinktiv abgestoßen“ sei von der Idee, Juden bräuchten Israel „als einen Ort, an den sie gehen können“, wenn sie von einem weiteren Völkermord bedroht sind. Und sie setzte fort, dass ein „freies Palästina erforderlich ist, wenn wir eine freie Welt für alle, einschließlich der Juden, wollen.“

Später erklärte sie, dass diejenigen, die Solidarität mit Palästinensern als anti-israelisch bezeichnen wollen, den „Antisemitismus benutzen, um Hass zu produzieren. Leute, die die Kontrolle der israelischen Regierung über das Leben und das Land der Palästinenser aufrechterhalten wollen, spielen ein sehr gefährliches Spiel, wenn sie die Solidarität mit den Palästinensern als eine Form des antijüdischen Hasses bezeichnen. Es ist kein Antisemitismus festzustellen, dass Israel die Palästinensern seinen Stiefel spüren lässt“, erklärte sie. „Antisemitismus ist ein Werkzeug, um Angst und Spaltung zu erzeugen.“

Der bereits zitierte Roytman-Dratwa fasste zusammen: „Diese Veranstaltung war ein Versuch, die Realität auf den Kopf zu stellen. Es ist nichts weniger als gefährliche Heuchelei von denen, die den Antisemitismus geschürt haben, zu behaupten, dass sie selbst ernsthafte Stimmen im Kampf gegen Judenhass seien. Niemandem, auch nicht selbsternannten Progressiven wie der Abgeordneten Tlaib und Professor Hill, sollte es erlaubt sein, Juden vorzuschreiben, was Antisemitismus ist. Sie würden keine andere Minderheitengruppe auf die gleiche Art und Weise behandeln.“

Shiryn Ghermezian ist eine amerikanische Journalistin für The Algemeiner. Der Artikel Anti-Semitism webinar features pro-Palestinian activists railing against Jews and Israelist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.

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