Jeremy Corbyn ergreift „immer wieder Partei für die Antisemiten“

„Jeremy Corbyn hat sich für, wie er sich ausdrückte, ‚vereinzelten Antisemitismus‘ in seiner Partei entschuldigt, nachdem führende Vertreter jüdischer Organisationen ihn in einem ungewöhnlichen offenen Brief beschuldigten, er ergreife ‚die Partei der Antisemiten’.

Der Board of Deputies, das oberste Vertretungsorgan der britischen Juden, und der Jewish Leadership Council forderten ihre Unterstützter dazu auf, ihre Solidarität am Montag anlässlich der wöchentlichen Fraktionssitzung der Labour-Abgeordneten vor dem Parlamentsgebäude zum Ausdruck zu bringen. Allerdings beabsichtigt Corbyn nicht, an der Sitzung teilzunehmen.

Aufgerüttelt wurden sie durch den jüngsten Streit um den Antisemitismus in der Partei, in dessen Rahmen Corbyn sein Bedauern darüber zum Ausdruck brachte, dass er vor sechs Jahre offenbar den Maler eines antisemitischen Wandgemäldes im Londoner East End unterstützt hat.

In dem scharf formulierten Brief erklären die führenden Vertreter der jüdischen Organisationen, der Streit um das Wandgemälde sei nur der jüngste Beweis dafür, dass der Anführer der Labour Party ‚außerstande ist, sich ernsthaft mit dem Antisemitismus auseinanderzusetzen, weil er ideologisch hoffnungslos in einer linksradikalen Weltanschauung gefangen ist, die den Hauptströmungen des Judentums instinktiv feindselig gegenübersteht’.

‚Immer wieder hat Jeremy Corbyn nicht Partei für die Juden, sondern für die Antisemiten ergriffen. Bestenfalls rührt dies von dem besessenen Hass der radikalen Linken auf den Zionismus, die Zionisten und Israel her. Schlimmstenfalls deutet es auf ein verschwörungstheoretisches Weltbild hin, demzufolge die Hauptströmungen des Judentums feindselige Gruppen, einen Klassenfeind darstellen’, hieß es weiter.

Neben dem Wandgemälde führten die beiden Unterzeichner, Jonathan Arkush als Präsident des Board of Deputies und Jonathan Goldstein, der dem Jewish Leadership Council vorsteht, Corbyn’s freundschaftlichen Umgang mit der Hisbollah und Hamas an, und seinen Widerstand gegen die Auslieferung des umstrittenen Klerikers Raed Salah. (…)

Der Geschäftsführer des Holocaust Educational Trust erklärte, Corbyn’s Entschuldigung ‚kommt möglicherweise zu spät’. ‚In Fällen, in denen Angehörige der Labour Party erklärten, dass ‚Juden ihren Weg um die Welt morden und entführen’, oder den Holocaust Educational Trust als ‚Holocaust-Indoktrinationsprogramm’ bezeichneten … reichte das nicht aus, um den Führer der Labour Party zu der Erklärung zu zwingen, dass dies abscheulich sei und aufhören müsse’ (…).“ (Heather Stewart/Kevin Rawlinson: „Jewish leaders accuse Jeremy Corbyn of ‚siding with antisemites’“)

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