Antisemitismus in Frankreich: Die „verlorenen Gebiete der Republik“

„So viel ist sicher: Dieser Mord hat Folgen. Am vergangenen Freitag soll in Paris ein 29-jähriger Mann seine 85 Jahre alte Nachbarin getötet haben. Das Mordopfer ist die jüdische Französin Mireille Knoll, eine Holocaust-Überlebende. Der mutmaßliche Mörder ist ein junger Muslim. (…)

Geht es nach Robert Ejnes [Exekutivdirektor des Rats der jüdischen Einrichtungen Frankreichs], soll dieses Mal alles anders sein als bei einem ähnlichen Fall vor einem Jahr. Am 4. April 2017 hatte ein Mann die 65-jährige Jüdin Sarah Halimi aus dem Fenster geworfen – nur zwei U-Bahn-Stationen entfernt von jenem Haus, in dem am Freitag Mireille Knoll getötet wurde. Halimi und Knoll wurden beide Opfer brutaler Gewalt, und den bisherigen Ermittlungen zufolge verbindet die Fälle noch mehr: Demnach waren die Täter jeweils junge, kleinkriminelle Muslime aus der direkten Nachbarschaft. Beide Male kannten sich Opfer und Täter seit Jahren. (…)

Ejnes zufolge gab es seit Ende des Zweiten Weltkriegs bis ins Jahr 2006 in Frankreich keinen einzigen Mord, der sich spezifisch gegen Juden richtete. Doch seit 2006 habe es elf Opfer gegeben, sagt Ejnes, ‚die nur sterben mussten, weil sie Juden waren‘. (…)

‚Der Antisemitismus ist eine nationale Krankheit‘, sagt Ejnes. Er spricht von den ‚verlorenen Gebieten der Republik‘, ein Begriff, der auf die französischen Vorstädte zielt, die von arabischstämmigen Jugendbanden unsicher gemacht werden. ‚Tausende von Juden‘, so Ejnes, seien innerhalb Frankreichs umgezogen, weil sie täglichen Aggressionen meist arabischstämmiger Jugendlicher ausgesetzt seien.“ (Georg Blume: „Antisemitismus ist eine nationale Krankheit“)

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