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Raketen-Terror: Israels gefährliche Zurückhaltung

Israelfeindliches Plakat, gehalten von einem kleinen Kind im Zuge einer Hisbollah-Demonstration. (© imago images/ZUMA Wire)
Israelfeindliches Plakat, gehalten von einem kleinen Kind im Zuge einer Hisbollah-Demonstration. (© imago images/ZUMA Wire)

Israels zurückhaltende Reaktion auf Raketenangriffe der Hisbollah vermeidet eine größere Auseinandersetzung mit der Terrorgruppe, birgt aber große Risken.

Yaakov Katz, The Jerusalem Post

Am Montag sprach Premierminister Naftali Bennett in der Knesset. Er wurde mit zahlreichen Zwischenrufen und Beschimpfungen empfangen.

„Lassen Sie uns über die Ergebnisse [der letzten Regierung] sprechen“, sagte er. „Im Gazastreifen haben Sie angesichts der Raketenangriffe Zurückhaltung geübt, während wir bei jeder Brandbombe angreifen. Ihr habt der Hisbollah zehnmal mehr Raketen überlassen, die jeden Ort in Israel erreichen können, und deshalb muss der Verteidigungshaushalt groß sein.“

Bennett hatte nicht unrecht. Benjamin Netanjahu kehrte 2009 ins Amt des Premierministers zurück, drei Jahre nach dem Zweiten Libanonkrieg. Damals verfügte die Hisbollah über schätzungsweise 30- bis 40-tausend Raketen. Heute geht man davon aus, dass sie über 150.000 besitzt.

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War das Netanjahus Schuld? Das mag übertrieben sein, aber kein Zweifel besteht daran, dass Israel unter seiner Amtszeit eine bewusste Entscheidung getroffen hat, keinen Präventivschlag zu führen, um die militärische Aufrüstung des iranischen Handlangers im Libanon zu stoppen. Israel ließ dessen Aufrüstung zu, obwohl es wusste, dass die Raketen eines Tages gegen Israel eingesetzt werden sollten.

Im Großen und Ganzen stand die Entscheidung im Einklang mit der israelischen Militärdoktrin. Israel hat keine Präventivmaßnahmen ergriffen, um eine konventionelle militärische Aufrüstung zu stoppen; dies war zwei Fällen vorbehalten, dem Irak (1981) und Syrien (2007), die beide nach Atomwaffen strebten. Bei Nuklearwaffen wurde attackiert, bei normalen Raketen nicht. (…)

Der Beschuss mit etwa 20 Raketen erfolgte nur zwei Tage nach dem Abschuss von drei Raketen auf Kiryat Shmona. Der Unterschied war, dass die Raketen am Mittwoch von einer abtrünnigen palästinensischen Gruppe abgefeuert worden sein sollen. Am Freitag übernahm die Hisbollah offen die Verantwortung.

Die Reaktion Israels fiel bisher milde aus. Nach dem Angriff vom Mittwoch bombardierte die Luftwaffe offene Gebiete im Südlibanon, von denen aus die Raketen abgefeuert worden waren. Nach dem Sperrfeuer vom Freitag reagierte Israel mit Artilleriebeschuss in Richtung der Feuerquelle. Am Samstagabend schien alles wieder vorüber zu sein.

Das ist gefährlich und heikel. IDF-Sprecher Brig.-Gen. Ran Kochav ging sogar so weit zu erklären, dass die Tatsache, dass die Hisbollah ihre 20 Raketen auf offene Felder abfeuerte, bedeute, dass die libanesische Terrorgruppe abgeschreckt sei und Angst vor einem größeren Konflikt mit Israel habe. Wäre dies nicht der Fall, so erklärte er den Reportern bei einem Briefing am Freitag, hätte sie Bevölkerungszentren angegriffen.

Stimmt das? Wir wissen es nicht. Was wir wissen, ist, dass dies eine gefährliche Denkweise ist, da sie Israel der Gefahr aussetzt, dass sich seine nördliche Grenze so entwickelt, wie es an der Grenze zu Gaza der Fall war. Dort hat sich Israel jahrelang nach Raketenangriffen zurückgehalten. Wenn es reagierte, traf es Sanddünen oder behelfsmäßige Beobachtungsposten der Hamas. Nichts allzu Ernstes.

Dadurch wurde der Raketenbeschuss auf das souveräne Israel normalisiert. Solange niemand verletzt oder getötet wurde und der Raketenbeschuss sporadisch war, konnte Israel sich zurückhalten. War das sinnvoll? Vielleicht. Wurde dadurch auch Israels Abschreckung untergraben? Auf jeden Fall.

(Aus dem Artikel „Hezbollah is testing Israel and so far it’s succeeding – analysis“, die in der Jerusalem Post erschienen ist. Übersetzung von Florian Markl.)

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