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Irans Militär stimmt sich auf Atomgespräche ein: Indem es schwört, Israel zu vernichten

Der iranische Armeesprecher, Brigadegeneral Abolfazl Shekarchi
Der iranische Armeesprecher, Brigadegeneral Abolfazl Shekarchi (Quelle: JNS)

Die jüngsten Angriffe des iranischen Armeesprechers, Brigadegeneral Abolfazl Shekarchi, auf die USA und das „zionistische Regime“ sollten für Washington Anlass genug sein, die Scharade der Atomverhandlungen abzubrechen.

Ruthie Blum

Die erneuten Verhandlungen über eine Rückkehr zum Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplan (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA) aus dem Jahr 2015 – dem Atomabkommen zwischen dem Iran und den Weltmächten, aus dem der damalige US-Präsident Donald Trump 2018 ausgestiegen war – begannen am Montag in Wien mit einem geheuchelten Tusch.

Denn die Islamische Republik hatte bereits im Vorfeld deutlich gemacht, dass keine Vereinbarung diskutiert, geschweige denn erreicht werden kann, solange nicht alle Sanktionen, die die Tätigkeiten des Regimes behindern, aufgehoben sind.

Zugleich übt sich die Islamische Republik in Doppelzüngigkeit, indem sie einerseits mit ihren Fortschritten bei der Urananreicherung prahlt und andererseits darauf besteht, dass ihr Atomprogramm friedlichen Zwecken diene.

Niemand glaubt letztere Behauptung, aber die anderen Parteien des JCPOA sind davon überzeugt, dass den Interessen aller Beteiligten durch Diplomatie am besten gedient sei. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass Teheran sich weigert, amerikanische Vertreter auch nur in die Nähe des Raums zu lassen, in dem die Gespräche geführt werden.

Washington ist bereit, die Mullahs die Bedingungen der gesamten Vereinbarung diktieren zu lassen und den europäischen, russischen und chinesischen Abgesandten den persönlichen Kontakt mit ihren iranischen Gesprächspartnern zu überlassen.

„Kampf gegen den internationalen Zionismus«

Umso bemerkenswerter und beunruhigender ist das Interview, das der oberste iranische Armeesprecher, Brigadegeneral Abolfazl Shekarchi, am vergangenen Samstag gab – nur 48 Stunden vor Beginn des Katzbuckelns in Österreichs Hauptsadt.

Obwohl die Machthaber in Teheran nie ein Hehl daraus gemacht haben, dass sie die Vereinigten Staaten (den „großen Satan“) und Israel (den „kleinen Satan“) vernichten wollen, sollten Schekarchis Worte im aktuellen Kontext für Amerika Anlass genug sein, die ganze Scharade abzubrechen.

In einem Gespräch mit der vom Regime kontrollierten Iran Students News Agency (ISNA) erklärte Shekarchi, die Vernichtung Israels sei das „größte Ideal seines Landes und das größte Ziel, das wir verfolgen.“

Shekarchi erwähnte außerdem die Tötung des Chefs der Quds-Einheit des Korps der Islamischen Revolutionsgarden durch einen US-Drohnenangriff vor fast zwei Jahren und sagte, die „höchste Rache für das Blut des Märtyrers [Generalmajor Qassem] Soleimani sei der Rückzug der Amerikaner aus der Region“.

Auf die Frage, warum die „arroganten“ Weltmächte, insbesondere die Vereinigten Staaten und das „zionistische Regime“, zu dem Schluss gekommen sind, dass sie dem Iran nicht entgegentreten könnten und daher keine andere Wahl hätten, als zu verhandeln, antwortete er:

„Wenn wir von ‚den Zionisten‘ sprechen, denken viele an das Besatzungsregime in Jerusalem. Wir aber erkennen, dass das Besatzungsregime in Jerusalem bloß ein Werkzeug des internationalen Zionismus ist.“

Er fuhr fort und beschrieb, wie dieses „Besatzerregime“ in den Nahen Osten gekommen sei und einen „wichtigen Teil der islamischen Welt übernahm, indem es Muslime vergewaltigte und unterdrückte.“

„Jeder, der einen muslimischen Namen trägt, wie Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und jedes Regime, das diesem falschen Regime [Israel] hilft, ist Teil dieses Regimes“, fügte er in Anspielung auf das Abraham-Abkommen hinzu, während er behauptete, es sei unmöglich, mit Amerika auszukommen.

„Den unterdrückten Nationen, die heute von den Vereinigten Staaten zwangsversklavt werden, werden ihre unterirdischen Anlagen und Ressourcen geplündert.“

Das, was der Westen „Zivilisation“ nenne, sei bloß die „neue Ignoranz, mit der die ungläubige Welt die Menschen füttert.“

„Ein stürzendes Amerika“

„In Bezug auf das Denken gibt es keinen Unterschied zwischen Großbritannien, Frankreich und Amerika“, fuhr Shekarchi fort.

Damit hatte er in Anbetracht der gemeinsamen Bittsteller-Haltung der drei westlichen Länder sogar in gewissem Sinne Recht – wenn auch anders als er selbst es meinte, da er sie als kolonialistische und imperialistische Invasoren brandmarken und nicht als Appeasement-Mächte charakterisieren wollte, die Ruhe und Frieden um jeden Preis haben wollen.

Ähnliches gilt für Shekarchis letzte Bemerkung über Amerika, mit der er den unvermeidlichen Sieg der islamistischen Kräfte über den Westen verdeutlichen wollte, die aber nicht weit von einer treffenden Darstellung des Niedergangs Amerikas in den Augen seiner Feinde entfernt war.

„Jeden Tag seit der Islamischen Revolution vor 43 Jahren sind die Vereinigten Staaten mehrere hundert Meter vom Gipfel des Berges gestürzt und befinden sich nun in der Nähe der Talsohle.

Ist es klug, einem Amerika nachzustellen, das zu Tal stürzt? Natürlich muss man ein Amerika, das sich auf seinem Abstieg befindet, fallen lassen. Es hat nicht nur nichts erreicht, sondern es hat auch seine Würde verloren.“

Aus dem Munde eines despotischen, von den Ayatollahs geführten Regimes, dessen Volk misshandelt wird und verarmt, ist die Behauptung, die Vereinigten Staaten hätten in den letzten vier Jahrzehnten nichts erreicht, lächerlich.

Doch an der Behauptung ist zugleich auch mehr als nur ein Körnchen Wahrheit, und das nicht nur, weil der ehemalige Präsident Jimmy Carter hilflos zusah, als Islamisten den Iran übernahmen und Dutzende von Mitarbeitern der US-Botschaft 444 Tage lang als Geiseln hielten.

Auch die Regierung des ehemaligen Präsidenten Barack Obama hat sich selbst gedemütigt, als sie den Iran geradezu anflehte, den katastrophalen JCPOA überhaupt zu unterzeichnen – und ihn dafür mit Geldtranchen belohnte, während sie die Verstöße gegen das Abkommen ignorierte. Heute ist es das Team von Präsident Joe Biden, das sich verbeugt und vor dem Iran in die Knie geht.

Leider wird es keine Rolle spielen, dass Benjamin Weinthal von der Jerusalem Post Shekarchis kurz vor den Wiener Verhandlungen gegebenes Interview aufgedeckt hat, das ISNA bloß auf Farsi veröffentlicht hatte, ohne es auf ihrer englischsprachigen Website auch nur zu erwähnen.

Biden und seine europäischen, russischen und chinesischen Bittsteller in der österreichischen Hauptstadt werden nämlich einmahl mehr imstande und bereit sein, die Absichten des Iran zu ignorieren, um ihre Agenda voranzutreiben.

Ruthie Blum ist eine in Israel lebende Journalistin und Autorin von „To Hell in a Handbasket: Carter, Obama und der ‚Arabische Frühling‘“. Der ArtikelIran’s military gears up for Vienna talks by vowing to annihilate Israel“ ist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.

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