Irak: Wahlsieger wettert gegen US-Botschaftsverlegung nach Jerusalem

„Ministerpräsident Haider al-Abadi hat zugesagt, dass er mit dem Sieger der irakischen Parlamentswahlen zusammenarbeiten werde. Nach Vorliegen des vorläufigen Endergebnisses steht fest, dass das von dem Kleriker Muqtada al-Sadr und der Irakischen Kommunistischen Partei unterstützte Sairoun-Wahlbündnis die meisten Stimmen erhalten hat. Das vorläufige Endergebnis beruht auf der Auszählung von mehr als 91 Prozent der Stimmen in sechzehn der achtzehn irakischen Provinzen. (…)

In einer Erklärung drückte Sadr seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit mehreren Parteien aus, darunter al-Hikma, al-Wataniya und die kurdischen Parteien Gorran und Neue Generation. Zwei eng mit dem Iran verbundene Wahlbündnisse, die Rechtsstaatskoalition und die Fatah-Koalition, erwähnte er nicht. (…) Nachdem die ersten Ergebnisse der Wahlen vom Samstag auf einen Sieg des Sairoun-Bündnisses hindeuteten, feierten Iraker am Montag in den frühen Morgenstunden auf Bagdads Tahrirplatz. Die Menge skandierte: ‚Der Iran ist draußen, der Irak ist frei‘. Es sah so aus, als würde die antisektiererische Anti-Korruptions-Koalition aus den Wahlen, wenn nicht als Sieger, dann zumindest als Königsmacher hervorgehen. Allerdings war die Wahlbeteiligung sehr niedrig.

Das Ergebnis dürfte die beiden Hauptsponsoren des Irak, die USA und den Iran, alarmieren, da das Wahlbündnis eine streng nationalistische Position eingenommen hat und jede Einflussnahme ausländischer Mächte ablehnt. Noch während der Auszählung kritisierte Sadr die Entscheidung Washingtons, seine Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Sie wurde dort am Montag offiziell eingeweiht. In einem Tweet erklärte Sadr: ‚Eine weitere Schande des Kolonialismus und der globalen Arroganz, die Eröffnung des teuflischen amerikanischen Gebäudes im Heiligen Jerusalem in Palästina, ist der Vater des Dschihad.‘ ‚Dies ist ein weiterer Beweis für das Leiden der Völker, ihre Erniedrigung, ihre Neigung zum israelischen Gebilde und ihre Feindseligkeit den himmlischen Religionen gegenüber.‘ Doch hat sich Sadr dem Iran gegenüber ebenso feindselig gezeigt und seine Einmischung im Irak und in Syrien wiederholt verurteilt. Im Gegensatz zu den meisten Anführern der Schiiten hat er auch den Rücktritt des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad gefordert. Der wichtigste Berater des religiösen Staatsoberhaupts der Islamischen Republik Ali Khamenei, Ali Akbar Velayati hatte im Februar gewarnt, er werde es ‚nicht gestatten, das Liberale und Kommunisten den Irak regieren‘.“ (Alex MacDonald: „Sadrist-Communist alliance set for victory as PM Abadi calls for cooperation“)

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