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Machtkampf eskaliert: „Inside-Palästinenser“ gegen die Außenseiter aus Tunis

Der in Ungnade gefallene ehemalige Mitstreiter Arafats Mohammed Dahlan
Der in Ungnade gefallene ehemalige Mitstreiter Arafats Mohammed Dahlan (© Imago Images / Xinhua)

Die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Fraktionen der palästinensischen Führung verschärfen sich weiter.

Pinhas Inbari

Die Spannungen zwischen Anhängern des Abbas-Rivalen Mohammad Dahlan und den Abbas-Loyalisten im Westjordanland sind eskaliert. In Ramallah drangen Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde in das Al-Am’ari-Flüchtlingslager in der Nähe des Stadtzentrums ein, um Dahlan-Anhänger festzunehmen und die Möglichkeit einer bewaffneten Machtübernahme in Ramallah zu unterbinden. Im Flüchtlingslager Balata in Nablus wurde am 31. Oktober einer von Dahlans Oberbefehlshabern getötet.

Die Spannungen spitzten sich aufgrund der Friedensabkommen zwischen Israel und den Golfstaaten explosionsartig zu, und wegen Berichten, dass Dahlan mit den Emiraten verbunden sei [und eine Rolle im Normalisierungsprozess mit Israel spielte, Anm.d.Red.].

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Im Osten Jerusalems wurden Dahlan-Anhänger aus den Reihen der „offiziellen“ Fatah ausgeschlossen, woraufhin sie sich separat organisierten. Während Ramallah gewalttätige Elemente der Unterwelt mobilisiert, organisiert sich die Dahlan-Anhängerschaft um ehemalige Mitarbeiter des Orienthauses, die die „innere“ palästinensische Führung gegen die „äußeren“ Fatah-Führer aus Tunis vertraten, die nach dem Oslo-Abkommen ins Westjordanland zurückkamen.

Das Orient-Haus

Es wäre ein Fehler, den Wettbewerb um die palästinensische Führung nur als einen Kampf von Persönlichkeiten zu betrachten. Das Beispiel Ost-Jerusalem zeigt, dass der eigentliche Kampf zwischen den lokalen Palästinensern und der „äußeren“ Führung aus Tunis stattfindet, die ihnen während der Osloer Abkommen aufgezwungen wurde.

Israel hätte das Orienthaus in Jerusalem, das unter dem Jerusalemer Faisal Husseini als PLO-Büro in Jerusalem diente, 2001 niemals schließen können, wenn das Hauptquartier der PLO in Ramallah dies nicht unterstützt hätte. Bereits unter Arafat hatte die Palästinensische Autonomiebehörde die Autorität des Orienthauses abgeschafft, sein Ansehen minimiert und Husseinis Flügel und Budget beschnitten. Israel hat diese Schließung quasi nur offiziell gemacht: Faisal starb im Mai 2001 in Kuwait; Israel schloss das Orienthaus im August 2001.

Heute gruppiert sich das alte Orienthaus neu, und es formiert sich neu, um sich der Führung in Ramallah entgegenzustellen.

Alte Rivalitäten brechen auf

Die Frage des Kampfes gegen Dahlan tauchte auch bei den jüngsten Versöhnungsgesprächen zwischen Fatah und Hamas in der Türkei als ein wichtiges Thema auf. Die Fatah forderte die Hamas auf, mit ihr gegen Dahlan zu kooperieren, und die Hamas lehnte dies ab.

Es gibt viele Gründe für die Weigerung der Hamas, aber einer der wichtigsten ist, dass auch die Hamas sich als „Insider“ und nicht als „Outsider“ fühlt. Im Bezirk Ramallah zum Beispiel ist die große Familie Barghouti eher bereit, mit der Hamas zu kooperieren als mit der Muqata’a, den Büros der Staatsanwaltschaft der Palästinensischen Autonomiebehörde. Die Tatsache, dass Marwan Barghouti, die Symbolfigur der „internen“ Führung, in Israel im Gefängnis sitzt und die Führungsgruppe in Tunis keinen Finger für ihn rührt, sagt alles über die Spaltung der beiden Fraktionen.

Pinhas Inbari ist ein altgedienter Korrespondent für arabische Angelegenheiten, der früher für Israel Radio und die Zeitung Al Hamishmar berichtete. Gegenwärtig arbeitet er als Analyst für das Jerusalem Center for Public Affairs. Der Artikel „The ‘inside’ Palestinians vs. the outsiders from Tunis“ ist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.

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