Buchtipp: „Antisemitismus seit 9/11“

 

Dieser Tage ist im Baden-Badener Nomos-Verlag der Band „Antisemitismus seit 9/11. Ereignisse Debatten, Kontroversen“ erschienen. Dessen zahlreiche Beiträge verdeutlichen, in den Worten des Herausgebers Samuel Salzborn, das „Charakteristikum des Antisemitismus seit 9/11“: das „Zusammenspiel von rechtem, linkem, islamistischem und Antisemitismus aus der Mitte der Gesellschaft“. Enthalten ist auch ein Beitrag von Florian Markl und Alex Feuerherdt, die zeigen, wie bei den Vereinten Nationen die Dämonisierung und Delegitimierung Israels betrieben werden:

„Dass Judenhass in der UNO weit verbreitet sein sollte, mag sich überraschend anhören. Zum einen wurden die Vereinten Nationen von jenen Staaten ins Leben gerufen, die sich zu einem Kriegsbündnis gegen die Achsenmächte zusammengefunden und dem Nationalsozialismus – mitsamt seiner antisemitischen Vernichtungspolitik – ein Ende bereitet hatten. Zum anderen wurde bereits in Artikel 1 der UN-Charta, in der die grundsätzlichen Ziele der Organisation definiert werden, die „Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion“ festgeschrieben. Dem Kampf gegen Rassismus wurde von den Vereinten Nationen „höchste Priorität“ eingeräumt. Ausdruck dessen war etwa das 1965 verabschiedete „Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form der Rassendiskriminierung“, zu dessen Umsetzung eigens der „Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung“ gegründet wurde.

Der Kampf gegen den Antisemitismus wurde allerdings nicht nur nie in die antirassistischen Aktivitäten der Vereinten Nationen inkludiert, sondern diese wurden im Laufe der Jahrzehnte zunehmend zum bevorzugten Mittel für die Propagierung insbesondere der israelbezogenen Variante des Judenhasses, wie sich nicht zuletzt bei der „Weltkonferenz gegen Rassismus“ 2001 im südafrikanischen Durban und dem berüchtigten, parallel dazu abgehaltenen Forum von Nichtregierungsorganisationen zeigte. Ohne Übertreibung lässt sich konstatieren: Bei den Vereinten Nationen setzte sich bereits in den 1970er-Jahren durch, was erst Jahrzehnte später unter der Bezeichnung „neuer Antisemitismus“ ins Blickfeld öffentlicher Debatten rücken sollte. (…)

Heute wird die UNO vor allem dazu beansprucht, den jüdischen Staat zu dämonisieren und zu delegitimieren, seine Selbstverteidigung zu kriminalisieren und ihn politisch zu isolieren. Lawfare heißt das Stichwort, Kriegsführung mit den Mitteln des Rechts, während parallel dazu immer wieder auch terroristische Mittel eingesetzt werden, um Israel in die Knie zu zwingen. Es handelt sich also um eine Doppelstrategie. An dieser sind die Vereinten Nationen entscheidend beteiligt, zumal sie ihren guten Namen dafür geben. Damit haben sie sich inzwischen in das Gegenteil dessen verkehrt, wofür sie einmal angetreten waren. Dank den USA fasst der Sicherheitsrat zwar normalerweise keine rechtsverbindlichen Beschlüsse gegen die Interessen des jüdischen Staates, aber in vielen anderen Gremien sorgen die permanenten, absurden Verurteilungen dafür, dass Israel zum Paria wird. Und deshalb ist es, auch wenn es drastisch klingen mag, keineswegs abwegig, die Vereinten Nationen mit all ihren Unter- und Nebenorganisationen als größte antizionistische Organisation der Welt zu bezeichnen.“

(Aus Markl, Florian/Feuerherdt, Alex: Die größte antizionistische Organisation der Welt. Wie die Vereinten Nationen den jüdischen Staat dämonisieren und delegitimieren, in Salzborn, Samuel (Hrsg.): Antisemitismus seit 9/11. Ereignisse, Debatten, Kontroversen, Baden-Baden 2019, S. 133-147)

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