Grenze zwischen Salafisten und Dschihadisten ist fließend

„Die Offensive gegen Mossul ist ins Stocken geraten. Der IS ist gut vorbereitet, sein Widerstand sehr hart. Wahrscheinlich wird es einen längeren Stellungskrieg geben. Sollte die Anti-IS-Koalition dennoch siegen, weiß niemand, was danach geschieht. Wer hat das politische Sagen in Mossul? Wer soll als Ordnungsmacht agieren? Nichts ist geklärt. Darum könnte es passieren, dass die berüchtigten schiitischen Milizen erneut in großem Maßstab Gewalttaten an der sunnitischen Bevölkerung verüben. Das aber spielt dem IS in die Hände, der nach einer kurzfristigen Vertreibung aus Mossul dort oder anderswo wieder wie ein Phönix aus der Asche auftauchen und erneut zum Hoffnungsträger der Sunniten werden könnte – als Verteidiger der Sunniten gegen die verhassten schiitischen Araber und die verhassten schiitischen Perser. (…)

Der Salafismus, der seit Jahrzehnten von den Staaten der Arabischen Halbinsel gefördert wird, hat den traditionellen, konservativen Volksislam schwächer und schwächer gemacht. Dadurch ist die politische und kulturelle Pluralität der Region stark geschrumpft. Der Sufi-Islam ist teilweise ausgerottet worden, andere tolerantere und moderatere Formen des Islam wurden an den Rand gedrängt. Daraus ist ein geistiger Nährboden entstanden für Radikale wie Al-Kaida und den IS. Für diesen Trend in der islamischen Welt und auch unter Muslimen in Europa ist vor allem Saudi-Arabien mit seiner Missionsarbeit verantwortlich.“ (Interview mit Wilfried Buchta: „Die Salafisten sind überproportional gefährlich“)

 

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