Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors

Universität Wien: Israelfeindliche Propaganda im Hörsaal

An der Uni Wien soll im Sommersemester einer israelfeindliche Vorlesungsreihe staatfinden
An der Uni Wien soll im Sommersemester einer israelfeindliche Vorlesungsreihe staatfinden (© Imago Images / Chai von der Laage)

Unter dem Deckmantel der Wissenschaft soll in einer am Institut für Afrikawissenschaften geplanten Vorlesungsreihe der Universität Wien Israel diffamiert werden.

Anfang November fand an der Central European University eine Veranstaltungsreihe statt, die zuvor vom Institut für Kultur- und Sozialanthropologie angekündigt und von der Universität Wien dann wegen Antisemitismus untersagt worden war. Unter dem Titel »CEU Teach-in Palestine« standen dabei Vorträge über die »siedlerkoloniale Herrschaft in Palästina« und den »Widerstand« des »belagerten Gaza« auf dem Programm – kurz nachdem die Hamas unter genau diesen Slogans das größte antisemitische Massaker seit 1945 verübt hatte.

Nicht zuletzt wegen dieser Veranstaltungsreihe und einer Reihe weiterer Vorfälle an der Central European University sprachen die Jüdischen österreichischen HochschülerInnen (JöH) und die Europäische Union jüdischer Studierender (EUJS) in einer Presseaussendung Anfang Dezember von einem »vollkommen enthemmten Antisemitismus«, den »jüdische Studierende … seitens ihrer Mitstudierenden und der CEU-Studierendenvertretung« erleben müssten.

Mitte Dezember erklärte dann die Rednerin bei einer Veranstaltung im Foyer der Wiener Universität für angewandte Künste, dass es am 7. Oktober »keine Aggression« gegen Israel gegeben habe, weil die Menschen in den überfallenen Kibbuzim keine Zivilisten, sondern Teil einer unterdrückerischen »Struktur« gewesen seien, die nicht »humanisiert« werden dürfe. Zugleich versuchten Kundgebungsteilnehmer, ein JöH-Mitglied handgreiflich daran zu hindern, die Rede filmisch zu dokumentieren.

Israel als Völkermörder-Regime, die Hamas als Befreiungsbewegung

Aktuell ist es nun das Institut für Afrikawissenschaften der Universität Wien, das im Sommersemester eine antiisraelische Ringvorlesung abhalten möchte. Unter dem Titel »Palästina in globalen Zusammenhängen: Über Mobilitäten, Solidaritäten und Erinnerungskulturen« sollen dort Vorlesungen über die »politische Ökonomie von Kolonialismus und Krieg«, über das »Tabu« und das »Trauma« von »Palästinensern in Post-Holocaust-Staaten« und über den »Siedlerkolonialismus und das Psychosoziale« stattfinden.

Nicht nur wird bereits anhand der genannten Titel der geplanten Vorträge deutlich, dass Israel im Rahmen der Ringvorlesung wieder einmal als »Siedlerkolonialismus« delegitimiert und die revisionistische Behauptung aufgestellt werden soll, in den NS-Nachfolgestaaten würde die Fixierung auf den Holocaust die Menschen blind für das Schicksal der Palästinenser machen. Vielmehr bestätigen auch die beteiligten Personen genau das, was die angesprochenen Titel versprechen.

So durfte die als Vortragende vorgesehene Sarah El Bulbeisi jüngst in einem – pikanterweise mit dem Konterfei einer jüdischen Siedlerin beworbenen – Ö1-Radiokolleg unter dem Titel »Vernichten, Auslöschen, Zerstören« zum Besten geben, Israel betreibe »Apartheid« und »Siedlerkolonialismus« und beim Krieg gegen die Hamas ginge es um die »Auslöschung« eines gesamten Volkes sowie um einen »Vernichtungskrieg«. Darüber hinaus klagte El Bulbeisi, »Diaspora-Palästinenser« würden hierzulande – ähnlich wie einstmals die Juden – systematisch entmenschlicht und unsichtbar gemacht werden, weswegen aktuell auch nicht die Zeit für Dialog sei:

»Es ist auch nicht die Zeit jetzt, um über die Shoah nachzudenken und über Antisemitismus nachzudenken. Es ist jetzt die Zeit über antipalästinensischen Rassismus nachzudenken. … Ich glaube, ganz schwierig ist, dass dieses Trauma, dieses jüdische Trauma [i.e. der Holocaust, Mena-Watch] ja instrumentalisiert wird, … um israelische Staatsgewalt zu legitimeren, entschuldigen, auszublenden. … Ich glaube nicht, dass Palästinenserinnen die jüdische Erfahrung des Genozids nicht anerkennen, aber sie haben die Erfahrung, dass dieser Genozid legitimiert wird, um Menschenrechtverletzungen gegen sie zu verschleiern.«

Es bestehe, meinte El Bulbeisi weiter, kein »symmetrischer Konflikt«, in dem sich »beide Seiten im Konkurrenzkampf« befänden, sondern das unterdrückerische und auf systematischer Vertreibung basierende Israel instrumentalisiere den Holocaust, um eine »Auslöschung« der unterdrückten Palästinenser durchzuführen.

Die ebenfalls als Vortragende an der Uni Wien vorgesehene Anna-Esther Younes erklärt gleich offen die Gründung des Staates Israel zu einem »weiteren Verbrechen gegen die Menschlichkeit«. Daneben verklärt die in der Vergangenheit für die Erdogan- und AKP-nahe SETA-Stiftung in Berlin tätige Unterstützerin der antisemitischen Israelboykott-Bewegung BDS in einem ihrer Aufsätze die Frauenbewegung der Hamas zu einer »geschlechtsspezifischen Befreiungsbewegung«.

Unter Relativierung der islamistischen und frauenfeindlichen Hamas-Ideologie erklärt Younes dort, fernab einer »angeblich fundamentalistischen Unterwerfung« ebne die Frauenabteilung der Terrorgruppe den Weg für eine »fromme, aber entschlossene Beteiligung von Frauen am nationalistischen Unterfangen und dem Gesamtprojekt der Bewegung zur nationalen Befreiung«.

»Das geschlechtsspezifische politische Verhalten der Hamas (das Private wird zum Öffentlichen und umgekehrt) hat die Teilhabe von Frauen in größerem Maße als jede andere palästinensische Partei ermöglicht und gefestigt. … Der politische Islam der Hamas wird in diesem Papier als eine Bewegung betrachtet, die, abgesehen von ihrem Bezug auf ein vergangenes Konzept der ›ummah‹ [i.e. islamischen Gemeinschaft, Mena-Watch], in das politische Feld der nationalstaatlichen Konsolidierung eingebettet ist.«

Eine Lehrveranstaltungsleiterin mit bemerkenswerten Beziehungen

Wie es Autorinnen solch offensichtlicher Verrücktheiten in das Programm einer Ringvorlesung am Institut für Afrikawissenschaften der Universität Wien schaffen, wird etwas klarer, sieht man sich eine der verantwortlichen Lehrveranstaltungsleiterinnen an: Maya Rinderer ist Gründungsmitglied der Judeobolschewiener:innen, einem antiisraelischen und dem eigenen Selbstverständnis nach der jüdischen Diaspora verpflichteten Kollektiv, für das sie in der Vergangenheit schon Vorträge zum Thema »Antizionismus als Tabu« hielt – bezeichnenderweise zusammen mit den genannten Sarah El Bulbeisi und Anna-Esther Younes.

Ähnlich wie bei El Bulbeisi und Younes gehört auch bei den Judeobolschewiener:innen der Vorwurf eines israelischen Genozids an den »PalästinenserInnen« zum Standard-Repertoire. So hieß es anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar auf dem Instagram-Account der Gruppe etwa, die »grausamste Ironie« bestehe darin, »wie der Holocaust benutzt wird, um den Genozid an den Palästinensern zu rechtfertigen«.

An israelsolidarische linke Gruppen gerichtet sprechen die Judeobolschewiener:innen davon, diese »sogenannten Linken« würden »auf Antizionisten scheißen« und auf die Erinnerung jedes antifaschistischen Juden spucken, indem sie Juden mit dem »genozidalen Ethnostaat« Israel gleichsetzten. Die bekennend antiimperialistische Gruppe ist dementsprechend bei den seit dem 7. Oktober stattfindenden antiisraelischen Demonstrationen zur »Palästina-Solidarität« ganz vorne mit dabei.

Dabei protestierte sie zum Beispiel am Holocaust-Gedenktag unter dem Slogan »Never Again for Anyone« gegen die »undemokratische und rassistische Haltung der österreichischen Politik«, welche den »Genozid an den Palästinenser:innen« verteidige und die »Demonstrationen gegen den Völkermord in Gaza« kriminalisiere. Sie selbst, so schrieben die Antizionistinnen abschließend, wollten »mit dem Palästina-Block auf der Antirassismusdemo daran erinnern: ›Nie wieder‹ heißt ›NIE wieder‹, für niemanden!«, was auch für den »imperialistischen Krieg Israels« in Gaza gelte.

Nicht nur solidarisierten sich die Judeobolschewiener:innen mit dem »Free Palestine Kollektiv« der Angewandten, das auf der eingangs zitierten Veranstaltung im Foyer der Wiener Kunstuniversität jegliche Aggression der Hamas geleugnet hatte, und verteidigten dieses Kollektiv gegen die Kritik der Jüdischen österreichischen HochschülerInnnen, denen sie unterstellten, »genau die neo-koloniale rassistische Hegemonialpolitik« zu vertreten, »die den heimischen Faschismus hier wieder aufblühen lässt.« Vielmehr sprach die Gruppe auch dem nicht zuletzt durch seinen BDS-Aktivismus in Erscheinung tretenden Verein Dar al Janub ihre Solidarität aus, der Anfang Dezember wegen seiner Hamas-Verbindungen in die Schlagzeilen geraten war.

Offene Terrorverherrlichung

Einen Tag nach dem Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober bezeichnete Dar al Janub, dessen Sprecher stolz darauf ist, Hamas-Führer Ismail Haniyeh schon einmal persönlich getroffen zu haben, die palästinensischen Terrorgruppen als »Widerstandskräfte«, die einen »Befreiungsprozess« eingeleitet hätten, der auch durch den Krieg Israels »gegen Gaza« nicht rückgängig gemacht werden könne:

»Aber noch viel mehr haben die Palästinensischen Verantwortlichen dieser Offensive den Zeitpunkt so ausgewählt, das sie die israelische Besatzungsmacht in einer Phase der inneren moralischen und organisatorischen Schwäche erwischt haben, die gepaart mit der Arroganz von weißen Herrenmenschen zu einer tödlichen Falle geworden ist.

Es gibt keine Illusion, der europäische Siedlerstaat wird erbarmungslos zurückschlagen und er wird enorme Massaker an der indigenen Palästinensischen Bevölkerung begehen. Nur, er wird damit den Befreiungsprozess nicht aufhalten können.« [Fehler im Original, Mena-Watch]

An Israel wurde die »ultimative Aufforderung« gerichtet, »die Angriffe auf al-Aqsa [die Moschee in Jerusalem, Mena-Watch] zu unterlassen, die Pogrome in der Westbank einzustellen, die Gefangenen freizulassen und die Siedler:innen nach Europa und in die USA zurückzuschicken.« Was Dar al Janub unter dem Begriff »Siedler« versteht, wurde in kurz darauf publizierten – und mittlerweile nicht mehr aufrufbaren – Postings deutlich, in denen der 1958 in Tel Aviv-Jaffa geborene israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant in antisemitischer Manier als »polnischer Siedler« bezeichnet wurde, der – wie unter »weißen europäischen Siedlern« üblich – kurz vor seiner »Flucht« noch »Massaker verübt«.

Ungeachtet des offenen Antisemitismus und der Hamas- und Terrorverherrlichung durch Dar al Janub wiesen die Judeobolschewiener:innen am 7. Dezember das zurück, was sie als »rassistische und verleumderische Kritik« an dem Verein und seiner Tätigkeit bezeichneten und worin sie eine »zunehmende Legitimierung struktureller Islamfeindlichkeit« erkennen wollten.

Wie Dar al Janub, hieß es in der auf Instagram veröffentlichten Solidaritätserklärung, sprächen sich auch die Judeobolschewiener:innen »für die Befreiung Palästinas und gegen Rassismus, Imperialismus und (Siedler-)Kolonialismus« aus, ebenso wie gegen den Versuch, »bestimmte Ansichten zum sogenannten ›Nahostkonflikt‹ zu unterdrücken. Und sie als antisemitisch zu brandmarken, um sie unaussprechlich zu machen.«

Ganz wie El Bulbeisi im zitierten Ö1-Radiokolleg sprach also auch die Organisation der Lehrveranstaltungsleiterin, die El Bulbeisi an die Universität geladen hat, davon, die von ihr ausgemachte Repression diene dazu, Palästinenser, Araber und Muslime zum Schweigen zu bringen und unsichtbar zu machen, weswegen man diesen »marginalisierten Gruppen einen Raum für Begegnung und Gemeinschaft bieten« müsse.

Weil dies für die österreichische Politik jedoch unbequem sei, die »durch Waffenexporte und andere wirtschaftliche Beziehungen weiterhin vom Völkermord in Gaza« profitiere, würden den »Widerstand« organisierende Gruppen wie Dar al Janub denn auch verfolgt werden. »Wir stehen mit Dar al Janub für ein freies Palästina!«, endete die Solidaritätserklärung der Judeobolschewiener:innen denn auch mit markigen Worten. (Dar al Janub ist mittlerweile übrigens dazu übergegangen, auf Instagram bevorzugt Beiträge von PressTV zu verbreiten, einer antisemitischen Propagandaschleuder des iranischen Regimes.)

Am vergangenen Wochenende wurde in Berlin ein Student der Freien Universität krankenhausreif geprügelt, weil er von einem Palästina-Aktivisten als jemand erkannt wurde, der im Zuge einer antiisraelischen Hörsaalbesetzung Wochen zuvor Kritik geäußert und versucht hatte, Bilder der von der Hamas in den Gazastreifen verschleppten israelischen Geiseln aufzuhängen. Wer sich fragt, wie an den Universitäten jene Stimmung entstehen kann, die zu solchen Gewalttaten führt, muss nur sein Augenmerk auf Veranstaltungsreihen wie »Palästina in globalen Zusammenhängen: Über Mobilitäten, Solidaritäten und Erinnerungskulturen« richten: Die toxische Ideologie hinter der Gewalt soll im kommenden Semester auch an der Universität Wien gelehrt werden.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren sowie ein Editorial des Herausgebers.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Wir sprechen Tachles!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie einen unabhängigen Blickzu den Geschehnissen im Nahen Osten.
Bonus: Wöchentliches Editorial unseres Herausgebers!

Nur einmal wöchentlich. Versprochen!