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Taliban setzen Schritt für Schritt Geschlechterapartheid durch

Afghanische Flüchtlinge demonstrieren gegen die Taliban
Afghanische Flüchtlinge demonstrieren gegen die Taliban (© Imago Images / Hindustan Times)

In einem weiteren Schritt bei der Wiedereinführung der Geschlechterapartheid haben die Taliban die weiblichen Angestellten der Stadt Kabul aufgefordert, nicht mehr zur Arbeit zu erscheinen.

Laut einem Bericht die Nachrichtenagentur Associated Press hat der „Interimsbürgermeister“ der Taliban, Hamdullah Namony, eine entsprechende Anweisung auf einer Pressekonferenz am Sonntag verkündet. Dabei sagte er auch, dass „etwas weniger als ein Drittel“ der rund 3.000 Beschäftigten der Stadt Frauen seien.

Arbeiten dürften nur noch Frauen, die bei der Arbeit nicht durch Männer ersetzt werden könnten, einschließlich derer, die in den Ingenieurabteilungen der Stadt arbeiteten und der Wärterinnen öffentlicher Toiletten. „Es gibt einige Bereiche, in denen Männer das nicht können. Wir müssen unsere weiblichen Mitarbeiter bitten, ihre Pflichten zu erfüllen, dazu gibt es keine Alternative“, sagte Namony laut AP.

Nach der Machtübernahme der Taliban im August hatte einer ihrer Sprecher Frauen im ganzen Land aufgefordert, „zu ihrer eigenen Sicherheit“ zu Hause zu bleiben. Dies sei eine „vorübergehende Maßnahme“.

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Angesichts des Personalmangels im Gesundheitswesen hatten die Taliban jedoch am 28. August angekündigt, allen 2.000 weiblichen Beschäftigten des öffentlichen Gesundheitswesens die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen. Seit ihrer Machtübernahme haben sie zahlreiche Regeln eingeführt, die Frauen diskriminieren und terrorisieren. Einige Beispiele:

  • Kleidung: Frauen, die westliche Kleidung tragen, werden Berichten zufolge mit Auspeitschung bestraft.
  • Sport: Am 8. September kündigte Ahmadullah Wasiq, ein Beamter der Taliban-„Kulturkommission“, ein Sportverbot für Frauen an. Als Grund gab er an, dass die Outfits von Sportlerinnen zu viel von ihrem Körper zeigten. „Sie könnten mit einer Situation konfrontiert werden, in der ihr Gesicht und ihr Körper nicht bedeckt sind. Der Islam erlaubt es nicht, dass Frauen so gesehen werden.
    „Es ist das Medienzeitalter, und es wird Fotos und Videos geben, und dann sehen sich die Leute das an“, sagte Wasiq gegenüber einem australischen Reporter, als er nach dem Cricket-Team des Landes gefragt wurde: „Der Islam und das islamische Emirat erlauben Frauen nicht, Cricket zu spielen oder Sportarten zu betreiben, bei denen sie enthüllt werden.“
  • Ministerien: Das Frauenministerium wurde letzte Woche abgeschafft. An seiner Stelle gibt es jetzt in dem Gebäude, wo das Frauenministerium bislang seinen Sitz hatte, ein „Ministerium für Gebet und Orientierung sowie zur Förderung der Tugend und zur Verhinderung von Lastern“. In der neuen afghanischen Regierung gibt es keine Frauen mehr.
  • Schulen: Mädchen dürfen keine weiterführenden Schulen mehr besuchen. Auch die dortigen Lehrerinnen sind betroffen; sie dürfen nicht mehr ihren Beruf ausüben.
  • Hochschulen: Universitäten dürfen Frauen noch besuchen, dort herrscht nun aber Geschlechtertrennung. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Frauen auch das Studieren untersagt wird.

Die Hohe Kommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Michelle Bachelet, hatte im August die Frage der Frauenrechte in Afghanistan zu einer „roten Linie“ erklärt. Sie erinnerte die Taliban an ihre „Verpflichtungen“ und mahnte:

„Die Taliban sind jetzt voll in der Verantwortung, diese Verpflichtungen in die Tat umzusetzen. Ich fordere die Taliban nachdrücklich auf, Normen für eine verantwortungsvolle Staatsführung und Menschenrechte zu übernehmen und sich für die Wiederherstellung des sozialen Zusammenhalts und der Aussöhnung einzusetzen, auch durch die Achtung der Rechte aller, die während der jahrzehntelangen Konflikte gelitten haben.“

Eine „grundlegende rote Linie“ werde dabei die „Behandlung von Frauen und Mädchen durch die Taliban“ sein, „die Achtung ihrer Rechte auf Freiheit, Bewegungsfreiheit, Bildung, Selbstverwirklichung und Beschäftigung“. Zum Thema des Schulbesuchs sagte Bachelet:

„Insbesondere die Gewährleistung des Zugangs zu einer hochwertigen Sekundarbildung für Mädchen wird ein wesentlicher Indikator für das Engagement für die Menschenrechte sein.“

Sollten die Taliban von den Vereinten Nationen als Regierung anerkannt werden, würden sie auch Afghanistans Sitz in der UN-Kommission für Geschlechtergleichheit übernehmen, in die Afghanistan im September letzten Jahres gewählt wurde.

Nicht alle westlichen Regierungen halten zu Afghanistans neuen Machthabern Abstand. Maryam Monsef, Kanadas Ministerin für Frauen und Gendergleichheit, nannte die Taliban kürzlich in einer Internetansprache „unsere Brüder“.

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