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Taliban: „Frauen sollen zu Hause bleiben, bis ihre Sicherheit gewährleistet werden kann“

Afghaninnen in Indien demonstrieren gegen die Taliban
Afghaninnen in Indien demonstrieren gegen die Taliban (© Imago Images / ZUMA Wire)

Ein ähnliches Argument brachten die Taliban schon in den 1990er Jahren vor. Der Zeitpunkt, an dem Frauen danach wieder ihre Häuser verlassen durften, kam nie.

Maggie Astor / Sharif Hassan / Norimitsu Onishi, New York Times

Als die Taliban das letzte Mal an der Macht waren, durften afghanische Frauen ihre Häuser nur unter bestimmten, eng definierten Bedingungen verlassen. Diejenigen, die es dennoch taten, riskierten, geschlagen, gefoltert oder hingerichtet zu werden.

Seit die Taliban nun erneut die Kontrolle übernommen haben, haben ihre Führer darauf bestanden, dass es dieses Mal anders sein wird. Frauen, so sagen sie, wird es erlaubt sein, zu arbeiten; Mädchen werden die Schule besuchen dürfen; zumindest innerhalb der Grenzen ihrer Auslegung des Islam.

Doch die ersten Anzeichen sind nicht vielversprechend – und das Muster setzte sich am Dienstag mit der Erklärung eines Taliban-Sprechers fort, dass Frauen zumindest vorerst zu Hause bleiben sollten. Warum? Weil einige der Kämpfer noch nicht darin geschult seien, Frauen nicht zu verletzen, sagte er.

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Der Taliban-Sprecher, Zabihullah Mujahid, bezeichnete dies als „vorübergehende“ Maßnahme, die Frauen schützen soll, bis die Taliban ihre Sicherheit gewährleisten können. „Wir sind besorgt, dass unsere Truppen, die neu und noch nicht sehr gut ausgebildet sind, Frauen misshandeln könnten“, sagte Mujahid. „Wir wollen nicht, dass unsere Truppen, Gott bewahre, Frauen verletzen oder belästigen.“ (…)

Die Behauptung, dass Einschränkungen im Leben der Frauen eine vorübergehende Notwendigkeit seien, ist für afghanische Frauen nichts Neues. Die Taliban haben ähnliche Behauptungen aufgestellt, als sie das letzte Mal Afghanistan kontrollierten, sagt Heather Barr, die stellvertretende Direktorin für Frauenrechte bei Human Rights Watch.

„Die Erklärung war damals, dass die Sicherheitslage nicht gut sei und man auf deren Besserung warten müsse, woraufhin Frauen dann mehr Freiheit haben könnten“, sagte Barr. „Aber in den Jahren, in denen die Taliban an der Macht waren, kam dieser Moment natürlich nie – und ich kann Ihnen versprechen, dass die afghanischen Frauen, die heute so etwas hören, wissen, dass der Zeitpunkt auch dieses Mal nicht kommen wird.“

Brian Castner, ein leitender Krisenberater von Amnesty International, der bis letzte Woche in Afghanistan war, sagte, wenn die Taliban die Frauen besser behandeln wollten, müssten sie ihre Kämpfer komplett umschulen. „Man kann nicht eine Bewegung wie die Taliban haben, die 25 Jahre lang auf eine bestimmte Art und Weise agiert hat, und dann, nur weil man die Regierung übernimmt, sollen alle Kämpfer und jeder in der Organisation einfach anderes handeln.“

Es gebe jedoch keine Anzeichen dafür, dass die Taliban beabsichtigten, ihr Versprechen der Mäßigung einzulösen, so Castner. Amnesty International liegen Berichte über Kämpfer vor, die mit Namenslisten von Tür zu Tür gehen, obwohl ihre Anführer öffentlich versprochen haben, keine Vergeltung an Afghanen zu üben, die mit der früheren Regierung zusammengearbeitet haben.

„Die Rhetorik und die Realität stimmen nicht im Geringsten überein, und ich glaube, dass die Rhetorik mehr als nur unaufrichtig ist“, sagte Castner. „Wenn ein einzelner Taliban-Kämpfer eine Menschenrechtsverletzung begeht, dann ist das eine Sache. Wenn aber systematisch in die Häuser der Menschen gegangen wird und nach Personen gesucht wird, dann ist das kein einzelner Kämpfer, der nicht genügend ausgebildet ist – dann hat das System. Die gemäßigte Rhetorik ist bloß ein Deckmantel für das, was wirklich passiert.“

(Aus dem Artikel A Taliban spokesman urges women to stay home because fighters haven’t been trained to respect them“, der in der New York times erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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