In der Erklärung anlässlich der Bekanntgabe des rein männlichen Taliban-Kabinetts, wird die Frage der Frauenrechte mit keinem Wort erwähnt.
Peter Beaumont, The Guardian
In einem Interview mit dem australischen Fernsehsender SBS sagte der stellvertretende Leiter der Kulturkommission der Taliban, Ahmadullah Wasiq, dass Sport für Frauen weder angemessen noch notwendig sei.
„Ich glaube nicht, dass Frauen Kricket spielen dürfen, denn es ist nicht notwendig, dass Frauen Kricket spielen. Beim Kricket könnten sie in eine Situation geraten, in der ihr Gesicht und ihr Körper nicht bedeckt sind. Der Islam erlaubt es nicht, dass Frauen auf diese Weise gesehen werden.
Wir leben im Zeitalter der Medien, und es wird Fotos und Videos geben, die sich die Leute dann ansehen. Der Islam und das Islamische Emirat [Afghanistan] erlauben es Frauen nicht, Kricket zu spielen oder solche Sportarten auszuüben, bei denen sie entblößt werden.“
Eine neue Taliban-Übergangsregierung, die sich ausschließlich aus loyalen Mitgliedern zusammensetzt, hat am Mittwoch offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Alle Schlüsselpositionen sind mit etablierten Hardlinern besetzt, und es gibt keine Frauen – trotz früherer Versprechen, eine inklusive Regierung zu bilden. (…)
Die Frage der Frauenrechte wird wahrscheinlich ausschlaggebend dafür sein, wie das Regime von der internationalen Gemeinschaft beurteilt wird, wobei die Haltung zum Frauensport und die ausschließlich männliche Regierung unheilvolle Warnzeichen darstellen.
In einer politischen Erklärung, die anlässlich der Bekanntgabe des neuen Kabinetts veröffentlicht wurde, versuchte man zwar, die Ängste der Nachbarländer Afghanistans und der übrigen Welt zu beschwichtigen, doch wurden Frauen – im Gegensatz zu Minderheiten – auf den drei Seiten nicht ein einziges Mal erwähnt.
Vertreter des afghanischen Kricketverbands sagen, sie seien noch nicht offiziell über die Zukunft des Frauensports informiert worden, aber das Programm des Verbands für Mädchen wurde bereits ausgesetzt.
Seit der Machtübernahme der Taliban und dem überstürzten Abzug der ausländischen Streitkräfte unter Führung der USA im vergangenen Monat müssen sich Sportlerinnen, darunter auch Kricketspielerinnen, in Afghanistan verstecken, und einige Frauen berichten von Gewaltandrohungen durch Taliban-Kämpfer für den Fall, dass sie beim Spielen erwischt werden.
Das Verbot, Sport zu treiben, erfolgt zu einem Zeitpunkt, in der sich auch anderweitig die Beweise häufen, dass sich die Haltung der Taliban gegenüber Frauen trotz gegenteiliger Behauptungen kaum geändert hat, seit sie das letzte Mal an der Macht waren.
(Aus dem Artikel „Afghan women to be banned from playing sport, Taliban say“, der im Guardian erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)