Mena-Exklusiv

Wo Mörder als Helden gefeiert werden

Von Florian Markl

Im Kurier war gestern in einer Kurzmeldung zu lesen:

„Knapp vier Jahre nachdem ein Teenager in einer Schule im Norden Pakistans mutmaßlich Hunderte Leben rettete, ist eine Straße in der Hauptstadt Islamabad nach ihm benannt worden. Aitzaz Hasan war 15 Jahre alt, als er im Januar 2014 einen Selbstmordattentäter vor seiner Schule im Hangu bemerkte und sich ihm in den Weg stellte. Seinen Einsatz bezahlte der ‚Held Aitzaz‘ mit dem Leben“.

Was den Kampf gegen den Terrorismus betrifft, ist Pakistan ein äußerst problematischer Verbündeter. Aber selbst in diesem Land benennt man die Straße nicht nach dem Selbstmordattentäter, sondern nach dem, der den wahrscheinlich verheerenden Anschlag verhindert hat. Ganz anders im Westjordanland, das von der vermeintlich gemäßigten Autonomiebehörde kontrolliert wird, und im Gazastreifen, der unter Kontrolle der Hamas steht: Dort werden die Mörder als Helden gefeiert und es werden gleich reihenweise Schulen, Parks, Plätze und Straßen nach ihnen benannt. Einer Studie von Palestinian Media Watch zufolge wurden im Westjordanland und im Gazastreifen 2010 nicht weniger als 19 Kindergärten und Schulen nach Terroristen benannt, darüber hinaus noch etliche andere Bildungseinrichtungen, Straßen, Plätze, Sportstätten, Sommercamps usw. Und die Praxis der Benennung öffentlicher Orte nach Terroristen wird bis heute ungemindert fortgesetzt.

Wie die Autoren der Studie betonen:

„Die ausdrückliche und uneingeschränkte Ablehnung des Terrors aus moralischen Gründen ist eine Grundvoraussetzung für einen ehrlichen und dauerhaften Frieden. (…) Es gibt kein deutlicheres Signal für die Unterstützung von Gewalt und Terror, als wenn allein die Entscheidung ausreicht, absichtlich israelische Zivilisten anzugreifen und zu töten, um den Namen des Mörders zu verherrlichen.“

Doch genau das ist der selbstverständliche Alltag in den palästinensisch kontrollierten Gebieten, über den man – zumal in Europa – den Mantel des Schweigens wirft und so tut, als würde Ramallah von Partnern für den Frieden regiert. Aitzaz Hasan, der in Pakistan geehrt wird: In Ramallah würde er als Verräter gebrandmarkt.

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