Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors

Israel hilft libanesischen, syrischen und ägyptischen Flüchtlingen in der Ukraine

Israelischer Botschafter Joel Lion an der moldawisch-ukrainischen Grenze
Israelischer Botschafter Joel Lion an der moldawisch-ukrainischen Grenze (Quelle: Twitter)

Israel konzentriert sich auf humanitäre Hilfe für das von Russland überfallene Land und rettet dabei auch Bürger von Staaten, die mit dem jüdischen Staat offiziell im Krieg liegen.

In Israel, wie auch in der restlichen Welt, blickt derzeit alles auf die Ukraine. Im Unterschied zu vielen anderen Ländern ist die Bevölkerung in Israel aber ihrerseits auch kriegsgeplagt und kann Angst und Pein der ukrainischen Bevölkerung besonders deutlich nachempfinden.

Viele Israelis gehen denn auch auf die Straße, um ihre Solidarität mit der bedrohten Nation zu bekunden. Von offizieller Seite hält man sich allerdings auffallend bedeckt.

Israel im Zwiespalt

Die Zurückhaltung der israelischen Regierung hat gute Gründe. Einerseits muss sich Israel mit Russland einigermaßen gut stellen, schließlich ist die Großmacht im Nachbarland Syrien stationiert. Nun herrscht zwischen Israel und Russland ein fragiles Gleichgewicht, das Israel erlaubt, lebenswichtige Luftangriffe auf iranische Militärziele in Syrien zu fliegen, ohne Russlands Zorn fürchten zu müssen.

Israel kann es sich aus realpolitischen Gründen also nicht leisten, Russland massiv zu verärgern. Auf der anderen Seite steht Israels Werteskala als liberales, demokratisches Land, das die Aggression der Großmacht gegen seinen Nachbarstaat nicht schweigend hinnehmen sollte.

Lascher Protest

Bislang hat sich die israelische Regierung aus dem Konflikt weitgehend herausgehalten. Premierminister Bennett hat seine Unterstützung für das ukrainische Volk bekundet, ohne allerdings den russischen Angriff klar zu verurteilen. Außenminister Lapid hat sich etwas weiter aus dem Fenster gelehnt und deklariert, Russland habe gegen die internationale Ordnung verstoßen.

Alles in allem wirkt der offizielle israelische Protest aber eher lahm. Die Resolution des UN-Sicherheitsrats, die den Militärangriff Russlands verurteilen sollte, hat Israel jedenfalls nicht mitgetragen.

Die offizielle Begründung, dass Israel ja kein Mitglied des UN-Sicherheitsrates sei und deshalb auch kein Stimmrecht besäße, überzeugt nicht ganz, zumal offenbar 81 Länder, darunter natürlich auch sehr viele Nicht-Mitglieder-Staaten, die Resolution sehr wohl unterstützt haben.

Wie lange Israel noch an dieser Neutralität festhalten kann, bleibt, besonders auch angesichts des Gegendrucks aus den Vereinigten Staaten, noch fraglich. Mittlerweile hat Yair Lapid denn auch schon angekündigt, dass sich Israel der gegen Russland gerichteten Resolution in der UNO-Vollversammlung anschließen wird.

Vermittlungsangebot

Am vergangenen Sonntag kam es zu einem interessanten Wendepunkt. In einem ausführlichen Telefongespräch soll Bennett Putin angeboten haben, zwischen den Kriegsparteien zu vermitteln. Dies geschah, offiziellen Meldungen zufolge, auf Anfrage von keinem anderen als Wolodymyr Selenskyj.

Der ukrainische Präsident soll Bennett letzten Freitag um diesen Schritt gebeten haben. »Unser Präsident meint, Israel sei der einzige demokratische Staat, der freundschaftliche Beziehungen zu Russland und zur Ukraine unterhält«, so Yevgen Kornizchuk, der ukrainische Botschafter in Israel.

Zwar hat Putin das Angebot Bennetts abgelehnt, allein die Tatsache, dass er mitten im Kriegevak ein so ausführliches Gespräch über das Angebot geführt hat, lässt Israelis spekulieren, ob eine Vermittlung Israels im Ukraine-Krieg Sinn macht.

Hat Israel das Zeug zum Vermittler?

Befürworter argumentieren, Israel könne, so die Vermittlung erfolgreich ist, Großes leisten, eine weitere Eskalation dieses gefährlichen Krieges verhindern und die eigene quasi-Neutralität zum Vorteil aller Parteien nutzen.

Gegner geben zu bedenken, Israel sei als Player in diesem Konflikt viel zu klein und zu unbedeutend, um Konkretes zu erreichen. Zudem, so versichert Gerald Steinberg in der Jerusalem Post, wären Vermittlungen in diesem Stadium zum Scheitern verurteilt. Die Parteien in diesem Konflikt seien noch nicht zu Kompromissen bereit und wenn Verhandlungen schief gingen, würden sich die Angriffe weiter potenzieren.

Schließlich, so der Politikwissenschaftler, reiche es in dieser Art von Vermittlungen nicht, das Vertrauen beider Parteien zu genießen. Vermittler müssten zudem mit einem konkreten Angebot samt klarer Sicherheitsgarantien aufwarten können. Dazu sei Israel aber nicht in der Lage.

Humanitäre Hilfe

Deshalb konzentriert sich Israel gegenwärtig darauf, humanitäre Hilfe zu leisten. Rund 100 Tonnen Medikamente, medizinische Geräte, Wasserfilter, Zelte, warme Decken und Schlafsäcke schickt Israel jetzt mit Spezialflugzeugen in die Ukraine.

Zudem sucht Israel auch Menschen zu helfen, aus der Gefahrenzone zu entkommen. In erster Linie gilt diese Hilfe israelischen Staatsbürgern, die in der Ukraine weilen – aber nicht nur ihnen.

So haben 100 Israelis, die in Charkiw studieren und großteils Mitglieder der arabisch-israelischen Bevölkerung sind, nach einer 24-stündigen Anfahrt, Sonntag die Grenze nach Moldawien erreicht und wurden dort vom israelischen Botschafter, Joel Lion, empfangen.

Einige Studenten baten darum, Kommilitonen aus dem Libanon, Syrien und Ägypten, mitzunehmen, was Israel auch prompt getan hat. So bestätigte das Außenministerium in Jerusalem am Sonntag, dass mit israelischer Hilfe libanesische, syrische (zwei Staaten, die sich offiziell im Krieg mit Israel befinden) und ägyptische Staatsbürger aus der Ukraine evakuiert worden seien.

Auch an den Grenzen zu Polen, Ungarn und Rumänien sind offenbar 24 Stunden am Tag Mitarbeiter der israelischen Botschaften stationiert, um Flüchtlingen zu assistieren.

Israels moralische Pflicht

Besonders ergreifend ist die Flucht von 150 jüdischen Waisenkindern, die ohne Dokumente aus Odessa an die rumänische Grenze gelangten. Sie wurden vom israelischen Botschafter in Rumänien, David Saranga, in Empfang genommen.

Saranga erinnerte an das Struma-Desaster, bei dem vor 80 Jahren, am 12. Dezember 1941, 767 rumänische Juden ein Schiff bestiegen, um vor den Nazis über die Türkei in das damalige Palästina zu fliehen. Die türkischen Autoritäten trieben das Schiff allerdings in die hohe See hinaus, wo es am nächsten Tag von einem sowjetischen U-Boot torpediert wurde. Nur ein einziger Passagier konnte überleben.

Jetzt, so Saranga, gäbe es einen Staat Israel, der bedrohten Einwohnern und verfolgten Juden aus der ganzen Welt Zuflucht gewähren würde. Das, so Saranga, sei Israels moralische Pflicht.  

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren sowie ein Editorial des Herausgebers.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren