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Iran in Afrika: Neuer Schauplatz der Konfrontation mit dem Westen

Iranische Aktivitäten in Afrika
Iranische Aktivitäten in Afrika (Quelle: Rasanah)

Der Iran ist nicht nur im expansiv im Nahen Osten – Syrien, Irak, Jemen und Libanon – tätig; auch in Afrika setzt er auf Soft und Hard Power um seinen Einfluss zu erweitern.

Im vergangenen Februar überraschte Äthiopien die Welt mit der Aufdeckung einer Terrorzelle, die einen Anschlag in Addis Abeba plante, und sich später als iranische Gruppierung herausstellte, die es auf die Botschaften der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Israels abgesehen hatte.

Diese Nachricht warf ein Scheinwerferlicht auf die iranische Ausrichtung auf den afrikanischen Kontinent, wo die Islamische Republik expansionistische und geopolitische Ziele verfolgt und eine erhebliche Bedrohung für die Region und die Welt darstellt.

Seit seiner Gründung im Jahr 1979 sieht das iranische Regime die Expansion nach außen als wirksame Strategie an – und es hat bei seinen unmittelbaren Nachbarn damit begonnen. Dazu hat es schon früh auf Interventionen und die Destabilisierung der Nachbarländer hingearbeitet und sich dabei zunächst auf Soft-Power-Methoden verlassen, die es seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts anwendet.

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Im Laufe der Zeit begann der Iran, sich hauptsächlich auf Gewalt und bewaffnete Milizen zu verlassen, um in Nachbarländern zu intervenieren und diese zu destabilisieren, insbesondere den Irak, Syrien, Libanon und Jemen.

Obwohl der Iran in erster Linie auf Länder abzielt, in denen schiitische Muslime leben, kündigte er auf dem Forum für intellektuelle Annäherung zwischen Afrika und dem Iran im Jahr 2010 eine neue Phase der Zusammenarbeit auf der Grundlage gemeinsamer Interessen mit den Ländern des Kontinents an, ungeachtet der Unterschiede in der Religion. Dabei hielt die Islamische Republik auch an der Strategie fest, terroristische Zellen in Afrika zu etablieren.

Irans Manöver in Äthiopien

Der äthiopische Geheimdienst deckte im vergangenen Februar eine Zelle von 15 Personen auf und erklärte, einen größeren Anschlag vereitelt zu haben, der das Potenzial gehabt hätte, in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba Verwüstung anzurichten. Der Drahtzieher der Zelle, Ahmed Ismail, wurde in Zusammenarbeit mit asiatischen, afrikanischen und europäischen Geheimdiensten in Schweden verhaftet.

Addis Abeba gab keine Details über die Ziele und den Hintergrund der Zelle preis. Amerikanische und israelische Beamte erklärten jedoch, die Operation sei iranisch kontrolliert: der iranische Geheimdienst habe die Schläferzelle in Addis Abeba mit dem Auftrag aktiviert, Informationen über die Botschaften der Vereinigten Staaten, Israels und der Vereinigten Arabischen Emirate zu sammeln.

Die New York Times schrieb damals, dass die äthiopische Operation „Teil einer breiteren Aktion war, weiche Ziele in afrikanischen Ländern ausfindig zu machen, wo der Iran den Verlust hochrangiger Ziele rächen könnte, wie etwa jenen Verlust Qassem Soleimanis, des Kommandanten der Auslandseinheit der Revolutionsgarden (Quds Force), der von den Vereinigten Staaten im Irak getötet wurde.“

Aber es geht noch um viel mehr: Der Iran strebt einen starken Einfluss und eine starke Präsenz in Afrika an, besonders im Norden und Osten des Kontinents, um bestimmte strategische und expansionistische Ziele zu erreichen. Der afrikanische Kontinent ist seit Anfang der achtziger Jahre im Fokus der iranischen Aufmerksamkeit. Irans Zielsetzung in Afrika ist zu groß, als dass irgendwelche globalen oder regionalen Veränderungen ihn davon abhalten könnten, sie weiter zu verfolgen.

Festsetzen am Horn von Afrika

Die Afrikaexpertin Mona Abdel-Fattah sagte, Nordafrika sei habe „seinen Anteil an der der Ausdehnung des iranischen Einflusses und des Schiitentums gehabt. Die iranischen Beziehungen zu den drei Maghreb-Ländern basierten auf politischen, wirtschaftlichen und religiösen Grundlagen und zielten darauf ab, den iranischen Einfluss im Mittelmeerraum auszuweiten.“

Was den iranischen Einfluss in Ostafrika, insbesondere am Horn von Afrika, betrifft, so bestehe sein Hauptziel darin, „Saudi-Arabien nach dem Krieg, den der Iran vom Süden aus über seine Huthi-Vertreter führt, auch von Westen her einzukreisen, um seine Präsenz im Jemen zu stärken.“

„Durch diese Schritte setzt der Iran weiterhin seine Ambitionen um, Einfluss am Horn von Afrika zu gewinnen. Damit bedroht er zugleich weiterhin die internationale Schifffahrt im Roten Meer von den Meerengen von Aden und Bab al-Mandab aus“, erklärte Abdel-Fattah und fügte hinzu: „Dies geschieht im Rahmen seines Bestrebens, seine Präsenz – über seine traditionellen Verbündeten: die Hisbollah im Libanon und Bashar al-Assad in Syrien hinaus – entlang des Roten Meeres und dessen Einmündung ins Mittelmeer zu verstärken.“

Soft Power und Hard Power

Währenddessen schrieb der Autor und Afrikaexperte Emile Amin in einem Artikel in der in London ansässigen Zeitung Asharq Al-Awsat, dass der Iran in seinem Traum, seine Präsenz auf die gesamte Welt zu erweitern, versucht, den Indischen Ozean zu überqueren, um einen Standort an den Küsten Ostafrikas zu etablieren. Von dort aus wolle er ins Zentrum Afrikas vorstoßen, um wirtschaftliche und politische Gewinne zu erzielen.

„Der Iran hat in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts ein Auge auf Afrika geworfen, wenn auch mit zwei unterschiedlichen Strategien“, sagte Amin. „Zuerst versuchte Teheran in der Ära von Mahmoud Ahmadinejad, seine Soft Power spielen zu lassen und wirtschaftliche Partnerschaften zu etablieren. Dazu wollte er sich das strukturelle Defizit zunutze machte, von dem die Länder des Kontinents in ihrem Scheiten geprägt sind, ein hohes Wirtschaftswachstum zu erzielen. Das war jedoch ein erfolgloses Experiment und ist schnell gescheitert.“

„In der Ära von Hassan Rohani und unter der Kontrolle der Revolutionsgarden wurde deutlich“, so Amin weiter, „dass das Setzen auf bewaffnete Gruppen und terroristische Zellen erfolgversprechender ist. Der Iran setzte nun auf Hard Power, auf geheimdienstliche Durchdringung der Länder des Kontinents und auf die Verwandlung Afrikas in einen Kampfplatz gegen die regionalen und internationalen Feinde des Iran, wobei er versuchte, das Sicherheitsvakuum und die zivilen Konflikte vor Ort auszunutzen.“

Laut Amin hat „der Iran eine neue Infrastruktur für seine terroristischen Aktivitäten in Afrika aufgebaut, die von der ‚Einheit 400‘, einer Spezialeinheit der Quds Force, beaufsichtigt wird. Die Aktivitäten dieser Gruppierungen erstrecken sich insbesondere auf den Tschad, Niger, Ghana, Gambia und Zentralafrika, und die Liste ihrer potenziellen Ziele umfasst Botschaften und ausländische Militärbasen.“

Auch Stephan Andreas Casdorff wies im Tagesspiegel, darauf hin, dass der Iran mit Hilfe der Terrorgruppe Hisbollah in Afrika weiter expandiert: „In der Zentralafrikanischen Republik, in Kamerun, Ghana, Niger und der Demokratischen Republik Kongo, überall soll es bereits vom Iran unterstützte Gruppen geben, die gegen die Interessen des Westens, der sunnitischen Araber und Israels angehen.“ Und auch in (Nord-)Westafrika versuche der Iran Einfluss über instabile Regionen zu gewinnen, etwa durch die Unterstützung der Frente Polisario in Algerien und Marokko.

Angesichts des Umfangs iranischer Aktivitäten im Nahen Osten und in Afrika ist es verwunderlich und bezeichnend zugleich, dass diese keinen größeren Streitpunkt zwischen dem Westen und dem Iran bei den seit Monaten in Wien geführten Verhandlungen zur Beendigung der militärischen Nuklearambitionen Teherans darstellen.

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