Iranischer Revolutionsexport in Afrika

„Seit ihrer Gründung 1979 hat die Islamische Republik enorme Anstrengungen unternommen, um ihre Revolution weltweit zu exportieren. Iranische Diplomaten, das Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) und verschiedene untergeordnete Organe haben die schiitische Doktrin verbreitet, andere Staaten zu destabilisieren versucht und sich des Terrorismus bedient. Außerdem sind sie im organisierten Verbrechen, etwa dem Dogenhandel, aktiv. Während Teherans Anstrengungen im Nahen Osten und Zentralasien und sogar in Lateinamerika eine Menge internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, gilt dies für die Bemühungen des Iran in Afrika umso weniger. Dabei hat das islamistische Regime beträchtliche Ressourcen investiert, um seine weiche Macht und seinen Einfluss in Afrika zu vermehren. In der Tat ließe sich behaupten, dass Teheran dabei ist, den afrikanischen Islam und die Politik in Afrika umzuformen.

Der Iran hat sich vor allem darum bemüht, dem Nahen Osten seine Revolution aufzudrängen. Doch hat er aus mehreren Gründen auch Afrika als strategisch bedeutsame Region seit längerem im Visier. Von den 1,2 Milliarden Afrikanern sind 45 Prozent Muslime, und der Iran weiß, dass es seiner angestrebten Vormachstellung in der islamischen Welt im Weg stehen würde, wenn er nicht in der Lage wäre, seinen Einfluss dort ausreichend geltend zu machen. Sollte es ihm gelingen, sich der Unterstützung der Muslime zu versichern, könnte er verschiedene afrikanische Regierungen unter Druck setzen. Zudem haben die afrikanischen Schiiten die Stellvertreterorganisation Teherans im Libanon, die Hisbollah, finanziell unterstützt. Außerdem bietet eine starke Präsenz in Afrika dem Iran Zugang zu Netzwerken und Routen, die der logistischen Unterstützung islamistischer Gruppen im Nahen Osten dienen.

Um die Herzen und Überzeugungen der afrikanischen Muslime für sich einzunehmen, organisieren das iranische Regime und seine Institutionen Konferenzen und religiöse und politische Veranstaltungen. Sie arbeiten mit örtlichen Partnern zusammen und betreiben in mehr als 30 afrikanischen Ländern mehr als 100 islamische Zentren, Schulen, Ausbildungsstätten für Imame und Moscheen, die von tausenden Studierenden, Klerikern und Missionaren genutzt werden. Zudem hat Teheran verschiedenen afrikanischen Regierungen finanzielle und wirtschaftliche Anreize angeboten und zwei ihrer gemeinnützigen Organisationen, den iranischen Roten Halbmond und das Imam Khomeini Hilfskomitee, eingesetzt, um in mehreren afrikanischen Ländern ein breites Spektrum an kostenlosen Sozialleistungen und medizinischen Diensten anzubieten.

Gemeinsam mit anderen Organisationen, verbreiten diese Teherans fundamentalistische Ideologie und nehmen gewöhnliche Muslime für die Außenpolitik des Iran, seine Stellung in der islamischen Welt und sein Bestreben, den Nahen Osten zu dominieren, ein. Außerdem bieten sie dem Regime Möglichkeiten, neue Rekruten für die Quds-Einheit des IRGC und andere iranische Institutionen zu finden, die für den Terrorismus und die militärischen Aktivitäten des Regimes im Ausland verantwortlich sind. (…)

Teherans entschlossener Export seiner Form des schiitischen Islamismus nach Afrika stellt eine ernstzunehmende Gefahr für den Frieden auf dem Kontinent dar, nicht zuletzt, weil seine Ideologie die Vorstellung propagiert, der Krieg des Islam gegen den Westen sei die aktuelle Fortsetzung eines seit mehr als einem Jahrtausend währenden Konflikts um die Weltherrschaft. Dabei wird Israel als ein vom Westen implantiertes Krebsgeschwür im Herzen der islamischen Welt dargestellt, das ausgemerzt werden müsse. Tausende afrikanische Kleriker, die in den vom Iran betriebenen Seminaren ausgebildet wurden, verbreiten diese Feindschaft dem West, den Juden und Israel gegenüber.“ (Hassan Dai: „Middle Eastern Interventions in Africa: Tehran’s Extensive Soft Power“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login