Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors

Demonstrationen in Syrien gegen türkische Forderungen nach Versöhnung mit Assad

Demonstranten protestieren vor eine türkischen Militärbasis im Dorf Al-Mastouma bei Idlib gegen Versöhnungsaufrufe aus Ankara
Proteste vor türkischer Militärbasis im Dorf Al-Mastouma bei Idlib gegen Versöhnungsaufrufe aus Ankara (© Imago Images / ZUMA Wire)

Obwohl der türkische Präsident den syrischen Machthaber in der Vergangenheit als »Diktator, der sein eigenes Volk unterdrücke«, bezeichnete, fordert Ankara jetzt die Aussöhnung der syrischen Opposition mit ihrem Präsidenten.

Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu sagte vergangene Woche vor Reportern in Ankara, er habe im Oktober letzten Jahres ein kurzes Treffen mit seinem syrischen Amtskollegen Faisal Mekdad gehabt und dabei eine Versöhnung mit der Opposition und dem Regime vorgeschlagen. Wie türkische Staatsmedien berichteten, habe Cavusoglu dem syrischen Außenminister gegenüber ausgeführt, dass man »die Opposition und das Regime in Syrien irgendwie an einen Tisch bringen muss, um eine Einigung zu erzielen. Andernfalls wird es keinen dauerhaften Frieden geben.«

Diese Berichte verärgerten Tausende von Menschen in den von der Türkei kontrollierten Gebieten im Nordwesten Syriens wie Azaz, Afrin und Idlib, die als Reaktion auf Cavusoglus kolportierte Äußerungen auf die Straße gingen, um ihrer Ablehnung seines Aufrufs zur Versöhnung mit dem Regime Ausdruck zu verleihen.

»Wir sind hier als Revolutionäre vereint und lehnen jede Versöhnung mit dem Regime ab, da dies die Vernichtung und Vertreibung von Millionen Syrern bedeuten würde«, sagte der in al-Bab lebende syrische Binnenflüchtling Yassin al-Ahmad gegenüber der AFP. »Wir sind für solch eine Versöhnung nicht zuständig und sie liegt auch nicht in der Hand der Türkei. Für uns wäre das Selbstmord und ein Verbrechen«, fügte der 37-Jährige hinzu.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) berichtete, dass solche Proteste in den meisten von den türkischen Streitkräften gehaltenen Gebieten stattgefunden hätten und veröffentlichte Bildmaterial, das einen Demonstranten zeigen soll, der die türkische Flagge verbrennt. »Nieder mit der Türkei und nieder mit dem Regime!« war nach Angaben der SOHR einer der zentralen Slogans der Demonstranten. Auch eine Reihe von Vertretern der Opposition lehnte die türkischen Forderungen nach einer Versöhnung mit dem Regime in Damaskus ab.

Nach den Protesten versuchte ein Sprecher des türkischen Außenministeriums, die Äußerungen Cavusoglus zu verteidigen, indem er erklärte, Ankara spiele eine wichtige Rolle in dem Komitee, das für die Neufassung der syrischen Verfassung gebildet wurde. Zwar unterstütze die Türkei das Verhandlungskomitee der Opposition »voll und ganz«, allerdings »kommt dieser Prozess im Moment nicht voran, weil das Regime die Angelegenheit verschleppt. Die Punkte, die unser Minister gestern angesprochen hat, verdeutlichen auch diese Realität.« »Unsere fortgesetzte Solidarität gilt dem syrischen Volk«, fügte Tanju Bilgic laut einem Rudaw-Bericht hinzu.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan behauptete am Samstag, dass zwischen den türkischen und syrischen Geheimdiensten Gespräche über den Kampf gegen den Terrorismus geführt würden, was Damaskus zuvor stets bestritten hatte. Erdogan fügte hinzu, der russische Präsident Wladimir Putin, neben dem Iran der Hauptunterstützer Assads, habe ihn gebeten, sich mit dem syrischen Regime im Kampf gegen den Terrorismus abzustimmen.

Im Jahr 2011 bezeichnete Erdogan Assad als Diktator, der sein eigenes Volk unterdrücke, und forderte ihn zum Rücktritt auf. Die größte türkische Oppositionspartei, die Republikanische Volkspartei (CHP), hat Erdogans regierende Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) wiederholt für ihre angespannten Beziehungen zu Assad kritisiert und versprochen, die Beziehungen zu Damaskus zu verbessern, falls die CHP an die Macht kommt.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren sowie ein Editorial des Herausgebers.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren