Libanon: Schiitische Opposition kritisiert Hisbollahs Engagement in Syrien

„Anfang dieses Monats versammelten sich 60 hochangesehene schiitische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im Libanon zu einer Konferenz in einem Beiruter Hotel, um die Vorherrschaft der Terrorgruppe Hisbollah anzufechten und in ihrem Land für die schiitische Amal-Partei zu werben. Die Organisatoren der Konferenz erklärten, ihr Zweck bestehe darin, unterschiedlichen schiitischen Stimmen ein Forum zu bieten. ‚Wir kamen zusammen und diskutierten und stellten fest, dass wir uns alle einig waren in der Forderung nach einem starken Staat, der die Souveränität über sein Land und seine Grenzen ausübt’, so die Gruppe. ‚Ein Staat, in dem es entsprechend den Maßgaben der Verfassung turnusgemäß zum Machtwechsel kommt. Ein Staat, der seine Souveränität mit Hilfe seiner Armee und Sicherheitskräfte ohne Störungen ausübt.’

Es wird davon ausgegangen, dass diese neue Widerstandsbewegung mit Blick auf die Aktivitäten der Hisbollah in Syrien darauf hofft, ihre eigene Machtbasis bei den erstmals seit 2009 wieder stattfindenden libanesischen Wahlen zu stärken. (…) Der Zeitpunkt dürfte kein Zufall sein. Diese Konferenz fand nur wenige Monate vor den nächsten libanesischen Parlamentswahlen statt. Die Teilnehmer brachten nachdrücklich ihre Forderung nach der Gründung ‚einer nationalen Oppositionsfront, die die Spaltung in der libanesischen Politik korrigieren kann’, zum Ausdruck. Sie wollen mit anderen Worten dafür sorgen, dass es für die Schiiten des Landes am Wahltag eine zusätzliche Option gibt. Ob das gelingt, ist allerdings fraglich. Seit dem Eingreifen der Hisbollah zugunsten des Assad-Regimes in Syrien hat es zwar gelegentlich Kritik von Schiiten an der Organisation gegeben, doch sind die wenigen Kritiker weitgehend isoliert. (…) Die meisten Teilnehmer an dem Treffen waren sich darin einig, dass der Wandel in der Mobilisierung der Hisbollah nach dem zweiten Libanonkrieg gegen Israel erfolgt sei. Dieser Wandel habe sie veranlasst, ‚statt zum Kampf gegen Israel zum Heiligen Krieg, zum Dschihad aufzurufen’, und eine aggressive und kriegstreiberische Herangehensweise an die Probleme der Region zu betreiben.“ (Roi Kais: „Lebanese public figures speak out against Hezbollah“)

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