Wird Russland eine aktivere Rolle im Jemen-Krieg übernehmen?

„Während die Separatisten Aden, die de facto Hauptstadt des Jemen, am 30. Januar einkreisten, nahmen die Spekulationen zu, dass Russland in dem Konflikt Partei ergreifen oder, was vielleicht wahrscheinlicher ist, anbieten werde, als Vermittler aufzutreten. Der stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister des Jemen Abdul-Malik al-Mekhlafi reiste erst vor einer Woche nach Moskau und bat die Russen, ihren Einfluss geltend zu machen, damit der Iran die Huthi-Rebellen nicht weiter unterstützt und aufhört, sich in die inneren Angelegenheiten des Jemen einzumischen.

Dieser bemerkenswerte Besuch verweist auf eine mögliche Verschiebung in der Haltung Russlands dem Konflikt im Jemen gegenüber. Die meisten Beobachter gingen 2016 davon aus, dass Russland eher proiranisch eingestellt war und die schiitischen Huthi-Rebellen unterstützte, die gegen die von den Saudis und der UNO unterstützte Regierung in Aden kämpfen. Doch heute scheint eine derartige Einschätzung der russischen Position nicht mehr der Realität zu entsprechen. Die neue Haltung Russlands mag sich seit dem vergangenen Sommer herauskristallisiert haben, als Moskau sich endlich bereit erklärte, den neuen von Präsident Abed Rabbo Mansour Hadi ernannten jemenitischen Botschafter zu akkreditieren. (…)

Moskau ist mit Blick auf den Jemen in erster Linie deshalb allmählich aktiver geworden, weil andere internationale und regionale Parteien sich eine dauerhafte militärische Präsenz in den strategisch wichtigen Gewässern des Roten Meers und der Bab el-Mandeb-Meerenge gesichert haben (…) Außerdem bleibt Russland mit Blick auf die Entwicklungen im Jemen, der in der Subregion von entscheidender Bedeutung ist, auf dem Laufenden, indem es sich um Kontakte zu allen involvierten Parteien mit Ausnahme der Terrorgruppen bemüht. Eine Quelle aus russischen Diplomatenkreisen berichtete Al-Monitor, dass Moskau ein stärkeres Engagement im jemenitischen Friedensprozess nicht ausschließe. Die letzten Gespräche fanden 2016 in Kuweit statt und scheiterten. (…)

Das heißt jedoch nicht, dass Russland seinen Dialog mit den Huthis abbricht. Moskau erklärte, es habe seine diplomatischen Operationen aus Sicherheitsgründen von Sana’a nach Riad verlegt, nicht aber, weil seine Haltung zu den Huthis sich verändert habe. Sieht man von seinen Kommentaren zur Tötung Salehs ab, versucht Moskau, sich allzu harter Rhetorik gegen die Huthis zu enthalten in der Hoffnung, dies könne sie ermutigen, sich die russische Bereitschaft, in dem Konflikt zu vermitteln, zunutze zu machen und so den Friedensprozess wieder in Gang zu bringen. Dies könnte es der Huthi-Bewegung ermöglichen, ihre Position in der jemenitischen Politik zu wahren. Die Erklärungen mancher Huthi-Vertreter deuten darauf hin, dass der Bewegung daran gelegen ist, ihre Kontakte zu den Russen aufrechtzuerhalten. Sie halten Russland und Oman für die einzigen ernstzunehmenden Vermittler, die fähig wären, den Gegnern der Huthi ihren Standpunkt zu übermitteln.“ (Kirill Semenov: „What role will Moscow assume in Yemen’s civil war?“)

Mehr zum Thema auf Mena Watch: Sinnbild des Scheiterns: Jemens Ex-Präsident Saleh

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