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Wie Israel in die algerisch-marokkanische Rivalität hineingezogen wird

Algerien bricht dipolamotsichen Beziehungen zu Marokko ab
Algerien bricht dipolamotsichen Beziehungen zu Marokko ab (© Imago Images / KHARBINE-TAPABOR)

Die im Zuge der Abraham-Abkommen erfolgte US-Anerkennung der marokkanischen Souveränität über die Westsahara hat die seit ihrer Unabhängigkeit schwelende Rivalität der beiden nordafrikanischen Staaten befeuert.

Ariel Ben Solomon

Algeriens in der vergangenen Woche getroffene Entscheidung, seine diplomatischen Beziehungen zum Nachbarland Marokko abzubrechen, rückte die aus dem Abraham-Abkommen hervorgegangenen engeren israelisch-marokkanischen Beziehungen in den Mittelpunkt.

Prof. Bruce Maddy-Weitzman, Nordafrika-Experte und Senior Fellow am Moshe Dayan Center für Nahost- und Afrikastudien der Universität Tel Aviv, erklärte gegenüber JNS, dass Algerien und Marokko „geopolitische und ideologische Rivalen sind, seitdem sie seit vor mehr als einem halben Jahrhundert ihre Unabhängigkeit erreichten“.

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Besonders die Frage der spanischen Ex-Kolonie Westsahara stehe seit 1975 im Mittelpunkt der Rivalität, wobei Algerien die Unabhängigkeitsbewegung Polisario unterstütze und Marokko das Gebiet in sein Königreich eingliedern wolle, erklärte Weitzman .

Algerien verärgert

Im Dezember 2020 erkannten die USA im Gegenzug für die Normalisierung der Beziehungen zwischen Rabat und Jerusalem die marokkanische Souveränität über die Westsahara an. Diese Anerkennung war Teil einer Reihe von Normalisierungsabkommen zwischen Israel und arabischen Staaten, die von der Trump-Regierung vermittelt wurden.

Letzten Monat besuchte Israels Außenminister Yair Lapid die marokkanische Hauptstadt Rabat, um das dortige israelische Verbindungsbüro einzuweihen, und enthüllte gleichzeitig Pläne der beiden Länder, innerhalb der nächsten Monate gegenseitige Botschaften zu eröffnen.

Die im letzten Jahr erfolgte Gegenleistung im Rahmen des Abraham-Abkommens – die einseitige Anerkennung der marokkanischen Souveränität über das umstrittene Gebiet Westsahara durch die USA als Quid pro quo für die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen Marokkos zu Israel – habe Algerien jedoch sehr verärgert, sagte Weitzman.

„Marokkanische Unterstützungsbekundungen für die radikale Unabhängigkeitsbewegung der kabylischen Amazigh in Algerien, die zu einer weiteren Verärgerung der Algerier führten, stellen ebenfalls ein Moment der algerischen Entscheidung dar, die Beziehungen abzubrechen“, fügte er hinzu: „Algerien hat die Bewegung für die jüngsten großflächigen Waldbrände in der Kabylei verantwortlich gemacht, was allerdings einen durchsichtigen Versuch darstellt, die Kritik am Versagen des Regimes bei der Eindämmung der Brände abzulenken.“

Die Rolle Israels

Sarah Feuer, Expertin für arabische Politik und Mitarbeiterin des Washingtoner Instituts für Nahostpolitik, hält die Rolle Israels in dem nordafrikanischen Streit für gering: „Algerien war in der Tat bestürzt über die Entscheidung Marokkos, die diplomatischen Beziehungen zu Israel wieder aufzunehmen, und in jüngster Zeit kritisierte Algerien Marokko dafür, dass es sich für Israel einsetzt, damit es einen Beobachterstatus in der Afrikanischen Union zu erhält“, erklärte sie gegenüber JNS.

„Letztendlich spiegelt der Abbruch der Beziehungen zwischen Algerien und Marokko jedoch eine seit langem bestehende, lokal bedingte Feindseligkeit zwischen diesen beiden Staaten wider, vor allem wegen der Westsahara. Darüber hinaus ist es ein Versuch des algerischen Regimes, die Aufmerksamkeit von der innenpolitischen und wirtschaftlichen Krise abzulenken, die der Staat offenbar nicht zu lösen vermag.“

Lapids Erklärung in Marokko, dass der Iran mit Algerien zusammenarbeite, um den israelischen Beobachterstatus in der Afrikanischen Union zu blockieren, verärgerte die Algerier – worauf Israel seinerseits verärgert reagierte.

„Die militante Haltung Algeriens wird auch durch die Probleme des Regimes hervorgerufen, seine Legitimität in den Augen einer wütenden und desillusionierten Öffentlichkeit wiederzuerlangen, in der es Anzeichen für eine Wiederaufnahme der friedlichen Massenprotestbewegung Hirak gibt, die das Regime 2019 bis ins Mark erschütterte“, so Weitzman.

Eine israelische diplomatische Quelle erklärte letzte Woche gegenüber AFP, dass „Algerien sich auf seine eigenen Probleme konzentrieren sollte, insbesondere auf die schwerwiegenden wirtschaftlichen Probleme, damit seine Bürger das Leben führen können, das sie verdienen, anstatt zu versuchen, seinem Nachbarn zu schaden und Israel in seine Streitigkeiten zu verwickeln“.

Die Rolle des Iran

Algerien erklärte am 24. August, dass es die Beziehungen zu Marokko aufgrund „feindseliger Handlungen“ abgebrochen habe. Der algerische Außenminister Ramtane Lamamra warf Lapid „sinnlose Anschuldigungen und verschleierte Drohungen“ vor, als dieser sich „besorgt über die Rolle Algeriens in der Region“ gezeigt habe. Die israelische Quelle wiederum sagte gegenüber der AFP, Lamamras Anschuldigungen seien „unbegründet und uninteressant – sie beinhalten nichts Neues“.

Während Lapids Besuch in Marokko hatte er Bedenken geäußert, dass Algerien „sich dem Iran annähert“ und darauf hinwirkt, dass Israel nicht als Beobachtermitglied in die Afrikanische Union aufgenommen wird.

Auf Lapid Äußerungen angesprochen sagte Sarah Feuer: „Wir sollten vorsichtig sein, die iranische Frage in diesem Zusammenhang überzubewerten. Es ist richtig, dass Algerien – im Gegensatz zu Marokko – Beziehungen zum Iran unterhält. Dennoch sind weder die Verbindungen Algiers zu Teheran noch die feste Verortung Rabat im prowestlichen Lager neu.“

(Der ArtikelHow Israel is being drawn into the Algerian-Moroccan feud“ ist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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