Russland greift direkt in den Bürgerkrieg in Libyen ein

 

Nachdem Moskau den Milizenführer Khalifa Haftar jahrelang verdeckt unterstützte, nimmt die militärische Unterstützung nun immer offenere Formen an.

Milizenfürher Khalifa Haftar und Russlands Außenminister Sergei Lavrov (© Imago Images / ITAR-TASS)

„Die Opfer des Aziziya-Feldkrankenhauses südlich von Tripolis trafen bisher mit klaffenden Wunden und gebrochenen Gliedern ein. Sie waren die Opfer des Artilleriefeuers, das die Kämpfe unter den libyschen Milizen bestimmt hatte. Aber nun geben Mediziner an, dass sie etwas Neues zu sehen bekommen: winzige Löcher im Kopf oder im Oberkörper, die von Kugeln hinterlassen werden, die sofort töten und nicht wieder aus dem Körper austreten. Dies ist das Werk, so libysche Kämpfer, von russischen Söldnern, unter denen sich erfahrene Scharfschützen befinden.

Das Fehlen einer Austrittswunde ist eine Signatur der Munition, die bereits an anderen Kriegsschauplätzen von russischen Söldnern verwendet wurde. Die Scharfschützen gehören zu den rund 200 russischen Kämpfern, die in den letzten sechs Wochen in Libyen eingetroffen sind, und die Teil einer umfassenden Kampagne des Kremls sind, mit der er seinen Einfluss im Nahen Osten und in Afrika stärken möchte.

Nach vier Jahren verdeckter finanzieller und taktischer Unterstützung für einen prospektiven libyschen Machthaber, drängt Russland nun darauf, den Ausgang von Libyens chaotischem Bürgerkrieg direkter zu gestalten. Dafür hat Moskau  moderne Sukhoi-Jets abkommandiert, Raketenangriffe koordniert und präzisionsgelenkte Artillerie sowie Scharfschützen eingesetzt – nach demselben, Manuskript, durch das es zum Königsmacher im syrischen Bürgerkrieg avancierte.

‚Es ist genau das gleiche wie in Syrien‘, sagte Fathi Bashagha, Innenminister der provisorischen Einheitsregierung in der Hauptstadt Tripolis. Unabhängig von der Auswirkung auf den letztlichen ausgang des Krieges hat die russische Intervention Moskau bereits ein De-facto-Vetorecht bei der Lösung des Konflikts eingeräumt.

Die Russen haben im Namen des Milizenführers Khalifa Haftar interveniert, der in Ost-Libyen stationiert ist und von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten, Saudi-Arabien und zeitweise von Frankreich unterstützt wird. Seine Gönner sehen ihn als ihre beste Chance an, um den Einfluss des politischen Islam zu kontrollieren, Extremisten zu bekämpfen und eine autoritäre Ordnung wiederherzustellen. Haftar befindet sich seit mehr als fünf Jahren im Krieg mit einer Koalition von Milizen aus Westlibyen, die die Regierung in Tripolis unterstützen, die im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen eingesetzt wurde und offiziell von den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Mächten unterstützt wird. In der Praxis ist die Türkei jedoch ihr einzige Förderer.“ (David D. Kirkpatrick, New York Times: „Russia Dominated Syria’s War. Now It’s Sending Mercenaries to Libya“)

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