Mena-Exklusiv

Wie antiisraelische Terrororganisationen Profit aus Leichen schlagen

 

Von Stefan Frank

Flaggen der PFLP (Quelle: יורם שורק, CC BY-SA 4.0)

Funktionäre der marxistisch-leninistischen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) – einer arabisch-palästinensischen Terrororganisation, die die zweitgrößte Fraktion innerhalb der von Mahmud Abbas geführten PLO ist – glauben offenbar, einen neuen Weg gefunden zu haben, um aus der Leiche eines Israelis noch größeres politisches Kapital schlagen zu können: indem sie sie zerstückeln und in Raten verkaufen.

„Nicht der gesamte Leichnam“ von Zachary Baumel sei Anfang des Jahres an Israel zurückgegeben worden, sagte Haled Dschibril, ein hochrangiger PFLP-Funktionär der libanesischen Nachrichtenagentur el-Midan laut Berichten israelischer Medien. Die Heimholung der sterblichen Überreste von Feldwebel Baumel, der seit einer Schlacht im Libanonkrieg am 11. Juni 1982 vermisst wurde, bewegte im März 2019 die israelische Nation und sorgte auch im Ausland für Schlagzeilen. Israels Präsident Reuven Rivlin schrieb auf Twitter von „bewegenden und schmerzlichen Nachrichten. 37 unerträgliche Jahre des schmerzvollen Wartens, Fragens und Zweifelns sind nun vorbei.“

Wie genau die Leiche gefunden und aus Syrien zurückgebracht wurde, wurde nicht bekannt. Die russische Regierung scheint dabei eine wichtige Rolle gespielt zu haben. „Wir sind sehr glücklich, dass er jetzt zu Hause die nötigen militärischen Ehren bekommt und dass seine Angehörigen ihm jetzt Blumen ans Grab bringen können“, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin.

Nun behauptet Haled Dschibril, es sei nur „eine halbe Leiche“ an Israel zurückgegeben worden, der „Rest“ befinde sich weiterhin in Syrien, sei „in guter Verfassung“ und werde nur zurückgegeben, wenn Israel palästinensische Gefangene aus der Haft entlasse. Wie die religiöse israelische Nachrichtenwebsite The Yeshiva World schreibt, gebe es Spekulationen, wonach die Äußerungen lediglich dazu gedacht sein könnten, den „Schmerz und den Kummer“ von Baumels Angehörigen zu vergrößern.

Übliche Praxis

Es ist unter den arabisch-palästinensischen Terrororganisationen übliche Praxis, Leichen gefallener israelischer Soldaten als Pfand zu missbrauchen, um Gefangene freizupressen. Im Juli 2008 gab die libanesische Hisbollah in einem „Tausch“ die Leichen von Ehud Goldwasser und Eldad Regev an Israel zurück, die sie 2006 an der Grenze entführt und getötet hatte – diese Entführung hatte den zweiten Libanonkrieg ausgelöst. Israel musste im Gegenzug den zu lebenslanger Haft verurteilten Mörder Samir Kuntar freilassen. Kuntar hatte 1979 bei einem vom Libanon aus unternommenen Überfall auf die israelische Küstenstadt Naharija vier Menschen ermordet, darunter einen Mann namens Danny Haran und dessen zweijährige Tochter, die er beide als menschliche Schutzschilde genommen hatte. Kuntar erschoss Danny vor den Augen seiner Tochter und zerschmetterte dann den Schädel des kleinen Mädchens mit dem Kolben seines Gewehrs an einem Felsen. Kuntar starb im Dezember 2015 bei einem Luftangriff in Syrien.

Seit dem Gazakrieg im Sommer 2014 hält die im Gazastreifen regierende Hamas die Leichen der beiden israelischen Soldaten Hadar Goldin und Oron Shaul zurück, die sie damals entführt hat. Vergangenen Mittwoch trafen Hadars Eltern in New York den israelischen UN-Botschafter Danny Danon, um vor der UNO auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Laut einer Stellungnahme, die Danons Büro veröffentlichte, sagte dieser den Eltern, Israel arbeite bei den Vereinten Nationen und gemeinsam „mit hochrangigen Führern der internationalen Gemeinschaft“ weiter daran, „israelische Gefangene und vermisste Personen nach Hause zu bringen“. „Unsere Jungs als Geiseln zu halten ist ein offener Verstoß gegen internationales Recht, was es nötig macht, dass UN-Vertreter sich dafür einsetzen, sie nach Hause zu holen“, sagte Danon nach dem Treffen mit den Goldins. „Hadar und Oron wurden während eines von der UNO vermittelten Waffenstillstandes entführt, und die Organisation muss nun ihre humanitäre Pflicht erfüllen und bei den Bemühungen mithelfen, unsere Soldaten zu einem angemessenen Begräbnis nach Israel zurückzubringen.“

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