Mena-Exklusiv

Kein nukleares Wettrüsten wegen Israel

Sehr geehrter Herr Frey,

in ihrem Standard-Kommentar über Trumps Nuklearpolitik schreiben Sie, diese könne „nur das Wettrüsten im Nahen Osten anheizen, zu dem auch Israel viel beigetragen hat“. Sofern sich dies auf ein atomares Wettrüsten bezieht, zeigt der Blick auf die vergangenen Jahrzehnte, dass schlicht das Gegenteil zutraf. Allgemein geht man davon aus, dass Israel seit den späten 1960er-Jahren über Atomwaffen verfügt. Kein Staat des Nahen Ostens nahm das zum Anlass, um seinerseits die Entwicklung von Atomwaffen voranzutreiben, weil allen bewusst war, dass das israelische Arsenal strikt defensiven Zwecken dient und an sich keine Bedrohung darstellt.

Ganz anders die Reaktionen auf das iranische Atomprogramm, das von arabischen Staaten und der Türkei sehr wohl als Bedrohung gesehen wird – und entsprechende Reaktionen ausgelöst hat. Erst unlängst sorgten hochrangige Vertreter Saudi-Arabiens mit Aussagen für Aufsehen, dass das Königreich eine nukleare Bewaffnung des iranischen Regimes nicht unbeantwortet lassen werde. Sie wiederholten damit allerdings nur die Position, die Saudi-Arabien bereits seit Jahren vertritt. Noch vor Abschluss des Atom-Deals mit dem Iran berichtete Bruno Schirra:

„Den Militärmachthabern in Kairo und Algier, den Monarchen in Rabat und Amman, den Prinzen und Sultanen am Golf ist eines gemeinsam. Eine panische Angst vor einem nuklear hochgerüsteten schiitischen Gottesstaat. Die sunnitischen Herrscher glauben nicht mehr daran, dass die USA die Islamische Republik vom Bau der Bombe abhalten werden. ‚Diplomatisch können die USA es nicht mehr verhindern, militärisch wollen sie es nicht‘, zitiert der Diplomat saudische Gesprächspartner.

Die Antwort der sunnitischen Potentaten auf die schiitische Nuklearrüstung hin zur Bombe hat der saudische König Abdallah 2009 in schonungsloser Offenheit dem damaligen Nahost-Beauftragten Obamas, Dennis Ross, gegeben. ‚Wenn die Iraner Atomwaffen bekommen, dann bekommen wir sie auch‘, bekräftigte König Abdallah im Gespräch auf mehrfaches Nachfragen gegenüber Ross.“

Bereits 2003 soll Saudi-Arabien eine Vereinbarung mit Pakistan getroffen haben, dessen Atomwaffenprogramm zum Teil vom Königreich finanziert worden sein soll. Ein französischer Diplomat bemerkte dazu: „Die Hälfte der mehr als 140 pakistanischen Atomwaffen hat mittlerweile saudische Code“.

Zusammengefasst: Ja, es besteht die Gefahr eines nuklearen Wettrüstens im Nahen Osten. Trumps Ausstieg aus dem Atom-Deal mit dem iranischen Regime, den die arabischen Staaten ohnehin nie als taugliches Mittel zur Verhinderung eines nuklear bewaffneten Iran betrachtet haben, ist nicht dessen Auslöser. Und nein, mit Israel hat dieses Wettrüsten recht wenig zu tun.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Florian Markl
Mena Watch – der unabhängige Nahost-Thinktank

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