Mena-Exklusiv

Abbas verflucht Trump, weil dieser Friedensverhandlungen fordert

Von Alexander Gruber

Stellen Sie sich vor, der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas hält eine antisemitische Brandrede, in der er auch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump attackiert. Welchen Teil davon hält die Website des ORF wohl für allein eines Berichtes wert? In der Meldung über den Auftakt des PLO-Treffens in Ramallah schreibt orf.at, dass Abbas sich gegen Trumps Anerkennung von Jerusalem als Israels Hauptstadt gewandt habe, durch welche sich die USA als Vermittler im Friedensprozess desavouiert habe: „Der palästinensische Mahmud Abbas hat die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump um einen Frieden in Nahost als ‚Ohrfeige des Jahrhunderts‘ bezeichnet.“

Kein Wort erfahren die Leser des ORF jedoch über die antisemitischen Verschwörungstheorien, die Abbas in seiner Rede so zum Besten gab. Nicht nur wärmte er in ihr jene modernisierte Blutschuldthese in anderem Gewand wieder auf, für die er schon 2016 Standing Ovations vom Europäischen Parlament erhalten hatte.

„Abbas sprach für zweieinhalb Stunden darüber, wie die Juden nach Israel gebracht wurden. Er meinte, England und die Vereinigten Staaten hätten sich daran beteiligt, Juden nach dem Holocaust nach Palästina zu bringen, weil sie die Judenfrage lösen wollten, ohne die Konsequenzen zu tragen. (…) ‚Israel hat unvorstellbare Mengen Drogen importiert, um unsere junge Generation zu zerstören. Wir müssen vorsichtig sein und haben zu diesem Zweck eine Behörde zur Drogenbekämpfung geschaffen und wir investieren viel in den Sport“.

Sondern er leugnete darüber hinaus einmal mehr jede Verbindung des Judentums zu Israel, wetterte erneut gegen die Balfour-Deklaration, bezeichnete den Israel als europäisches „Kolonialprojekt“, das bis auf Oliver Cromwell im Jahre 1653 zurückzuverfolgen sei – und erging sich schließlich in abstrusen Theorien darüber, wie die Juden als „Schachfiguren“ der Kolonialmächte nach Palästina verbracht worden wären.

„Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmoud Abbas erklärte Sonntagabend auf einer Konferenz des Zentralrats der PLO, dass ‚die Europäer die Juden hierher bringen wollten, um ihre Interessen in der Region zu wahren. Sie baten Holland, das die größte Flotte der Welt hatte, die Juden zu transferieren.’ Er zitierte dann die Worte eines ägyptischen Philosophen über die Balfour-Deklaration, in der es um die Bereitstellung einer nationale Heimstätte für das jüdische Volk geht, und fügte hinzu, dass ‚Israel ein Kolonialprojekt ist, das mit Juden nichts zu tun hat’.

Abbas wandte sich auch gegen Präsident Donald Trump, der angegeben hatte, er wolle amerikanische Zahlungen an die Palästinenser wegen deren Weigerung, an Friedensverhandlungen teilzunehmen, einstellen. ‚Ich sehe auf Twitter einen Tweet’, sagte Abbas, und zitierte Trump. ‚Wir werden den Palästinensern kein Geld geben, weil sie sich Verhandlungen verweigern’. Er bedachte den Präsidenten dann mit Kraftausdrücken und fuhrt fort: ‚Dein Haus möge zerstört werden. [Ein arabischer Fluch; Anm. YNetNews.] Wann hast Du mir dieses Angebot gemacht? Am Telefon? Im Fernsehen?’ Abbas sprach im Rahmen der zweitägigen Konferenz des Zentralrats in Ramallah. Der Rat ist das zweitwichtigste Gremium der PLO und wurde einberufen, nachdem Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte.“

Der angebliche Friedenspartner Abbas ist über Trumps Forderung nach ernsthaften Friedensverhandlungen so empört, dass er sich in einer Hetzrede gegen den US-Präsidenten sowie den Verhandlungspartner Israel ergeht. Angesicht seiner Ausführungen stellt sich geradezu zwangsläufig die Frage, wie mit einer Organisation Frieden geschlossen werden soll, deren Vorsitzender ein glühender Antisemit ist. Eine Frage, mit der der ORF sich und seine Leser jedoch allein schon deswegen nicht zu behelligen braucht, weil er Abbas‘ Tiraden einfach verschweigt.

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