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Saudi-Arabien streicht antisemitische und antichristliche Stellen aus Lehrbüchern

Schule in Saudi-Arabien
Schule in Saudi-Arabien (© Imago Images / Xinhua)

Laut einer Studie der in Israel ansässigen Forschungsorganisation IMPACT-se haben sich saudi-arabische Schulbücher im Jahr 2021 deutlich verbessert, was die Behandlung von Nicht-Muslimen und die Thematisierung von Gewalt im Namen des Islam angeht.

Lazar Berman, Times of Israel

Die Entfernung von explizit antisemitischem und antichristlichem Material ist Teil eines Trends zur Mäßigung in saudischen Schulen, so der IMPACT-se-Bericht mit dem Titel „A Further Step Forward: Review of Changes and Remaining Problematic Content in Saudi Textbooks 2021-22“, der Ende September veröffentlicht wurde.

„Die größten Änderungen wurden an Lektionen vorgenommen, die sich mit Juden, Christen, Ungläubigen und dem gewalttätigen Dschihad befassen. Achtundzwanzig Lektionen, in denen es um die Dämonisierung des Anderen und religiöse Intoleranz ging, wurden entfernt oder stark verändert. Eine ganze Lehrbucheinheit über den Dschihad wurde gestrichen.

Obwohl problematisches Material in den saudischen Schulbüchern verbleibt, stellen diese Änderungen tiefgreifende Verbesserungen dar.“

Eine Lektion für die 6. Klasse über Mohammeds, der einen kranken jüdischen Jungen besucht und ihn vor der einer Hölle rettet, wurde geändert und konzentriert sich jetzt nur noch auf den Besuch, wobei die Bedeutung von rechtschaffenem Verhalten gegenüber Nicht-Muslimen hervorgehoben wird.

Eine inzwischen entfernte Lektion über die Al-Aqsa-Moschee für die 10. bis 12. Klasse beschuldigte die Juden, „die Heiligkeit“ der Moschee zu verletzen, indem sie sie in einen Marktplatz für Geldverleiher verwandeln, und behauptete, die Juden hätten das Interesse am Tempelberg verloren und seinen Standort vergessen.

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In saudischen Schulbüchern werden jedoch auch weiterhin historische Unwahrheiten verbreitet, insbesondere in Bezug auf Israel. Auch werden Polytheisten und Ungläubige weiterhin angeprangert.

In einem Schulbuch für Gymnasien wird der Zionismus immer noch als „jüdisch-rassistische politische Bewegung europäischen Ursprungs bezeichnet, die darauf abzielt, das palästinensische Volk zu vertreiben und mit Gewalt einen jüdischen Staat zu errichten, indem sie die jüdische Einwanderung nach Palästina fördert.“

Darüber hinaus wird jungen Mädchen in der ultrakonservativen Gesellschaft immer noch beigebracht, dass es traditionelle Rollen für Frauen gibt.

Anti-israelisches Material findet sich in den Schulbüchern nach wie vor – vor allem auf Karten Aufhetzendes Material über die Al-Aqsa-Moschee und den Tempelberg wurden aber entfernt. Saudi-Arabien erkennt Israel nach wie vor nicht an, aber es gibt eine solide stille Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern, insbesondere in den Bereichen Geheimdienst und Terrorismusbekämpfung.

Im April erklärte der saudische Außenminister, eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel würde der Region „enorme Vorteile“ bringen, doch würde ein solches Abkommen mit dem Königreich von Fortschritten im israelisch-palästinensischen Friedensprozess abhängen.

Wie viele arabische Länder geben auch die Saudis jedes Schuljahr eine neue Reihe von Schulbüchern heraus. In dem Bericht wurde das Material für das Herbstsemester 2021 und das Frühjahrssemester 2022 untersucht. IMPACT-se prüft saudische Schulbücher seit 2003, als der Lehrplan des Königreichs, in den internationalen Fokus geriet, weil 15 der 19 Flugzeugentführer vom 11. September saudische Staatsangehörige waren.

„Was wir 2003 sahen, war ein radikaler, wahhabitischer Lehrplan“, sagte Marcus Sheff, CEO von IMPACT-se, „die Art von Lehrplan, die junge Saudis dazu inspiriert, Terrorakte zu begehen.“ In den vergangenen Jahren gab es geringfügige Änderungen, aber der große Umbruch erfolgte nach dem IMPACT-se-Bericht über die Schulbücher 2019, so Sheff.

„Wir gingen sahen uns den Lehrplan für 2020 an und entdeckten wirklich signifikante Veränderungen“, berichtet er. „Wir sahen eine institutionelle Anstrengung, den Lehrplan zu modernisieren, und die meisten der problematischen und ungeheuerlichen Beispiele von Aufwiegelung, von Antisemitismus, von Hetze gegen Ungläubige, waren entfernt worden Das war ein ganz großer Moment.“

Sheff zufolge haben die Berichte seiner Organisation hochrangige Beamte in Riad und den saudischen Botschafter in Washington, DC, erreicht, und er steht „indirekt in Kontakt“ mit hochrangigen saudischen Entscheidungsträgern. Sheff sagte, er sei ermutigt, dass sich der Trend im Jahr 2021 fortsetzen werde. (…)

Neben der Entfernung hetzerischer Inhalte gab es auch vorsichtige Versuche, kritisches Denken in den Gymnasien zu lehren. In einer Unterrichtsstunde über den Astronomen Galileo Galilei heißt es etwa: „Er machte eine Entdeckung, die der damals vorherrschenden Auffassung über die Bewegung der Sterne widersprach, und sah sich deshalb damals viel Kritik ausgesetzt.“

Den Schülern wird außerdem beigebracht, dass „Rede- und Kritikfreiheit eine der Prioritäten der toleranten islamischen Scharia sind“, mit dem wichtigen Vorbehalt, dass die Rede nicht den saudischen Herrschern, den staatlichen Institutionen oder dem Islam schaden darf.

(Aus dem Artikel Saudi textbooks show dramatic improvement in depictions of Jews — study“, der bei in der Times of Israel erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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