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Taliban-Terror gegen Homosexuelle in Afghanistan

Taliban in Kabul
Taliban-Kämpfer posieren auf dem Hügel von Wazir Akbar Khan in Kabul. (© Imago Images / ITAR-TASS)

Neben der massiven Unterdrückung der Frauen im eigenen Land fürchten auch afghanische LGBT-Personen um ihr Leben.

Human Rights Watch und OutRight Action International erklären in einem kürzlich veröffentlichten Bericht, dass Homo-, Bi- und Transsexuelle (LGBT) sowie Personen, die nicht den rigiden Geschlechtsnormen in Afghanistan entsprechen, sich unter der Herrschaft der Taliban einer immer schlimmer werdenden Situation und einer ernsthaften Bedrohung ihrer Sicherheit und ihres Lebens gegenübersehen. 

Der 43-seitige Bericht »›Even If You Go to the Skies, We’ll Find You‹: LGBT People in Afghanistan After the Taliban Takeover« basiert auf 60 Interviews mit afghanischen LGBT-Personen. Viele von ihnen berichten, dass sie wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität von Taliban angegriffen oder bedroht wurden. 

Andere erzählen von Misshandlungen durch Familienmitglieder, Nachbarn oder Liebespartner, die nun die Taliban unterstützen oder glauben, gegen ihnen nahestehende LGBT-Menschen vorgehen zu müssen, um so ihre eigene Sicherheit zu garantieren.

Manche flohen vor Taliban-Angriffen aus ihren Wohnungen, wieder andere berichten, wie ihre Leben, die sie sich über Jahre aufgebaut hatten, über Nacht in sich zusammenstürzten, weil sie Tag und Nacht damit rechnen müssen, wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität angegriffen und sogar getötet zu werden.

Die als Fellow bei OutRight Action International tätige J. Lester Feder sagte bei der Präsentation des Berichts:

»Wir haben mit afghanischen LGBT-Personen gesprochen, die Gruppenvergewaltigungen oder Angriffe eines Mobs erlebt haben, oder die von eigenen Familienmitgliedern, die den Taliban beigetreten waren, gejagt wurden. Sie alle haben keinerlei Hoffnung, dass die staatlichen Institutionen sie schützen werden.

Noch härtere Linie gegenüber LGBTQ

Afghanistan war schon vor der Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 ein gefährliches Land für LGBT-Personen. So erließ im Jahr 2018 die damalige Regierung unter Präsident Ashraf Ghani ein Gesetz, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen explizit kriminalisierte. Auch das Strafgesetzbuch enthielt vage formulierte Passagen, die im allgemeinen als Verbot homosexueller Beziehungen interpretiert wurden.

Viele der Interviewten erlebten schon vor der Rückkehr der Taliban Misshandlungen, darunter sexuelle Gewalt, Kinder- bzw. Zwangsverheiratung, physische Gewalt, Schulausschluss, Erpressung und Outing durch Dritte. Viele waren – aus Angst vor solchen Repressalien – gezwungen, ihre Identität geheim zu halten.

Mit der Rückkehr der Taliban an die Macht verschlechterte sich die Situation jedoch noch einmal dramatisch. Nicht nur bekräftigten die Taliban die geltende Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen, einige ihrer Führer schworen, eine harte Linie gegen LGBTQ-Rechte einzunehmen. Ein Taliban-Sprecher sagte im Oktober gegenüber Reuters: »LGBT … Das ist gegen unser [islamisches] Sharia-Recht.«

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