Im Libanon wird der ehemalige Gouverneur der Zentralbank von einem Gericht der Untreue und Finanzsteuerung beschuldigt.
Eine Richterin im Libanon erklärte am Dienstag, sie habe eine gerichtliche Zwangsvorladung für den Gouverneur der Zentralbank, Riad Salameh, erlassen, nachdem dieser nicht zu einer Befragung erschienen war, in der er zur möglichem Fehlverhalten bei Libanons Finanzzusammenbruch im Jahr 2019 hätte vernommen werden sollen.
Richterin Ghada Aoun bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass sie die Zwangsvorladung verfügt habe, nachdem Salameh es dreimal verabsäumt hatte, den angesetzten Termin wahrzunehmen. Die Vorladung sei bereits an die Sicherheitsbehörden weitergegeben worden, erklärte Aoun.
Salameh, der in dem Fall bloß als Zeuge geladen ist und gegen den keine Anklage vorliegt, verweigerte am Dienstag jeden Kommentar.
Zuvor hatte Salameh jedes Fehlverhalten seinerseits abgestritten und die Untersuchungen gegen ihn als »politisch motiviert« bezeichnet. Auch hat er Aoun Voreingenommenheit vorgeworfen und letzten Monat angekündigt, ein Ansuchen auf ihre Entbindung von dem Fall zu stellen, nachdem sie ein Reiseverbot über ihn verhängt hatte.
Neben der Verhängung des Reiseverbots fror Aoun auch Salamhes Konten ein und beschlagnahmte seinen Besitz im Libanon, darunter mehrere Autos und Häuser.
Eine Quelle in der Justiz bestätigte kürzlich gegenüber Reuters, dass Aouns Nachforschungen Vorwürfe des Betrugs, der Untreue und der »Finanzsteuerung« betreffen, mit denen Dollars ins Land geholt und kommerziellen Baken großzügige Einnahmen verschafft worden waren.
Salameh war über drei Jahrzehnte Generalbankgouverneur und blieb auch auf seinem Posten, als die Wirtschaft des Libanon unter einem Berg an Schulden zusammenbrach, die Währung kollabierte und große Teile des Landes in Armut versanken.