John Bolton und die Kritik an den Vereinten Nationen

„John Bolton erklärte 1994, wenn das Gebäude des Sekretariats der Vereinten Nationen in New York ‚zehn Geschosse verlöre, würde das auch keinen Unterschied machen‘. Dieses Zitat wird fast jedes Mal erwähnt, wenn Kritiker Boltons eine Hitparade seiner angeblichen Infamien zusammenstellen. Meine Frage lautet: Was ist an dieser Bemerkung überhaupt so kontrovers?

Die UNO ist ein als nimmer endende Hoffnung verkleideter, endloser Skandal. Die Hoffnung besteht darin, dass Dialog Misstrauen überwinden und kollektive Sicherheit für die Interessen der Menschheit nutzbar gemacht werden könne. Die Realität sieht anders aus. Vertrauen wird durch Taten, nicht Wörter geschaffen. Kollektive Sicherheit ist ein Rezept für internationale Handlungsunfähigkeit oder Schlimmeres. Die Menschen in Aleppo können ein Lied davon singen. (…)

Die Friedenstruppen der UNO in Ruanda ignorierten 1994 den Beginn des Völkermords in dem Land, der mindestens 500 000 Menschenleben forderte, fast völlig. In Bosnien traten die Friedenstruppen der UNO in Srebrenica einfach zur Seite und ließen es zu, dass 7000 Männer und Jungen getötet und unzählige Frauen vergewaltigt wurden. Ähnlich sah es 2009 in Sri Lanka und 2016 im Sudan aus.

Und dann gibt es die vergleichsweise harmlosen Skandale wie das ‚Öl gegen Nahrung’-Programm, das Multimilliardenprogramm, das hungernde irakische Kinder ernähren sollte, von Saddam Hussein aber dank zahlreicher internationaler Unterstützer, die eine veritable Verbrecherkartei füllen könnten, als Quelle zur Lukrierung von Schmiergeldern genutzt wurde. Oder da wäre die Nutzung von UNO-Schulen im Gazastreifen, um gegen Israel gerichtete Waffen zu lagern. Oder das Eingeständnis eines der Aufsichtsgremien der UNO, dass einige UNO-Agenturen ‚das Problem des Betrugs im Grunde verdrängen’. (…)

Ich stimme mit Bolton in einigen Dingen überein, in anderen nicht. Doch mit Bick auf die UNO hatte er stets Recht. Wenn seine Präsenz im Weißen Haus dazu dient, die UNO hinreichend zu verschrecken, um sie zu tatsächlichen Reformen zu bewegen, umso besser.“ (Bret Stephens: „John Bolton Is Right About the U.N.“)

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