Vierter Jahrestag der syrischen Giftgasangriffe in Ghouta

„‚Es war wie die Hölle. Trotz der vielen Leute war es in dem Krankenhaus fast still. Alle weinten, weinten von dem Gas, weinten beim Anblick der Opfer. Es war so voll, dass manche auf den Fußboden gelegt wurden. Ich bin fast auf einen Freund getreten. Ich wusste nicht einmal, dass er es war’, erklärt Nour Aden, ein Aktivist aus Ostghouta, der sich an die Ereignisse des 21. August 2013 erinnert. Vor vier Jahren wurden in dem von Aufständischen gehaltenen Bezirk von Damaskus Tausende Menschen nach einem Luftangriff in den frühen Morgenstunden ins Krankenhaus gebracht. Sie litten an Krämpfen, Atemnot und Bluthusten und hatten Schaum vorm Mund. In den damals zwei Jahren seit Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs hatten Ärzte sich daran gewöhnt, traumatische und Kriegsverletzungen zu behandeln. Doch wie sie mit diesen Patienten umgehen sollten, die keinerlei Anzeichen äußerer Verletzungen aufwiesen, war dem überwältigten medizinischen Personal unklar. Kinder starben reihenweise. Internationale Inspektoren ermittelten später, dass es sich um die Auswirkungen von Sarin handelte, eines chemischen Wirkstoffs, der das zentrale Nervensystem angreift. Wie viele Menschen damals starben, ist noch immer nicht bekannt. Schätzungen reichen von 281 bis 1729. Aller Parteien sind sich jedoch einig, das in Ostghouta einer der schlimmsten chemischen Zwischenfälle der Neuzeit stattfand. (…)

Der damalige US-amerikanische Präsident Barack Obama hatte erklärt, das syrische Regime habe eine ‚rote Linie’ überschritten. (…) Beobachter wie das britische Syrian Observatory for Human Rights haben seitdem jedoch von Dutzenden angeblichen Angriffen mit Chlorgas und mindestens einem größeren Angriff mit Sarin berichtet. Vertreter der Obama-Administration erklärten, sie hätten es stets für möglich gehalten, dass einige Waffen nicht übergeben wurden, und sich daher auf die Zerstörung der von Syrien ‚angemeldeten’ Chemiewaffenbestände bezogen, eine Unterscheidung, die oft nicht beachtet wurde. Während das Team der Chemiewaffenüberwachungsagentur OPCW seit 2013 18 Besuche chemiewaffenrelevanter Standorte unternommen hat, hat es Reuters zufolge letztlich aufgegeben, weil Syrien sich weigert, ausreichende und genaue Informationen über die Betreibung der Einrichtungen bereitzustellen.“ (Bethan McKernan: „Ghouta chemical attack: Four years later, the world looks on as Syria’s people continue to be gassed“)

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