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Iranischer Öltanker: War es ein Unfall oder ein Anschlag?

Öltanker vor der iranischen Küste
Öltanker vor der iranischen Küste (© Imago Images / Kyodo News)

Seit einem Monat erlebt Israel die wohl schlimmste ökologische Katastrophe der Geschichte. Mehr als 1.000 Tonnen Teer wurden an die israelische Küste gespült.

Alexandra Margalith

Tausende und Abertausende von Tieren, Fische, Meeresschildkröten, Vögel und sogar ein 17 Meter langer junger Finnwal wurden tot und mit Teer überzogen an die Strände geschwemmt. Sofort begann im Land eine massive Reinigungsaktion der Küste. Tausende Freiwillige sind damit beschäftigt, zusammen mit der Naturschutzbehörde und sogar Einheiten der Armee die noch lebenden Tiere zu reinigen und zu versorgen und die Strände zu säubern. Das israelische Gesundheitsministerium hat vorsorglich den Verkauf von Fischen und Meerestieren aus dem Mittelmeer untersagt.

Und seit Wochen versucht man natürlich auch, die Ursache dieser gigantischen Katastrophe, deren Ausmaß und langfristige Folgen bis heute wohl nicht einmal erahnt werden können, zu klären.

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Zunächst hatte das israelische Umweltministerium ungefähr zehn Schiffe identifiziert, die womöglich für diese Verseuchung des Meeres mit Rohöl verantwortlich sein könnten. Nach weiteren Ermittlungen wurde der Verdacht auf dutzende Schiffe ausgeweitet, ehe als Hauptverdächtiger das griechische Schiff „Minerva Helen“ im Fokus stand. Dieser Verdacht konnte sich allerdings nach Begutachtung des Schiffes im Hafen von Piräus unter voller Kooperation der griechischen Behörden nicht bestätigen.

Am 2. März teilte die israelische Umweltministerin Gila Gamliel jedoch mit, dass es sich bei der Ölkatastrophe vor der israelischen Küste um „Öko-Terrorismus“ handle. So habe man als Ursache ein nicht identifiziertes Schiff ermitteln können, welches am 11. Februar in einer Entfernung von etwa 50 Kilometer von der Küste gewesen sei.

Die Verseuchung hat eine Adresse

In einem Interview erklärte Gila Gamliel: „Die Verseuchung hat eine Adresse. Die Verantwortlichen müssen den Preis dafür bezahlen. Unsere Natur wurde zerstört, unsere Tiere wurden durch einen kaltblütigen Umweltkriminellen geschlachtet.“

Weiter erklärte sie, die Ölkatastrophe sei auf den Tanker „Emerald“ zurückzuführen, der in lybischem Eigentum steht und unter der Flagge Panamas operiert. Dieser Tanker hatte laut Gamliel Öl geladen, das vom Iran in Richtung Syrien verschifft wurde, in „Piratenmanier“, so die Umweltministerin.

„Jemand wollte uns mit Sicherheit Schaden zufügen. Entweder war die Ölkatastrophe mit voller Absicht herbeigeführt worden, oder sie ist auf einen Unfall zurückzuführen, der verheimlicht wurde. … Der Iran übt Terror nicht nur dadurch aus, dass er versucht, sich nuklear zu bewaffnen oder sich an unseren Grenzen zu positionieren. Der Iran übt Terror auch durch die Zerstörung der Umwelt aus. Unser Kampf zum Wohl der Natur und der Tiere sollte grenzübergreifend sein.“

In die Ermittlungen des Umweltministeriums wurde unter anderem auch Winward einbezogen, eine israelische maritime Nachrichtendienststelle, die letzten Jahres durch die EU im Kampf gegen den Drogenschmuggel engagiert wurde.

Verletzung internationaler Standards

Ami Daniel, der CEO von Winward erklärte, dass einige Aspekte des Verhaltens der „Emerald“ – angefangen vom Ausschalten der Funkgeräte und Ortungssysteme über das Nehmen einer irregulären Route sowie Ungereimtheiten bezüglich der Eigentumsverhältnisse – britische und amerikanische Standards verletzten und darauf hindeuten, dass der Tanker unter Missachtung internationaler Sanktionen verbotenerweise Öl aus dem Iran schmuggle.

Ob es sich bei dem Austreten von Öl allerdings um Absicht gehandelt hätte, wollte er nicht kommentieren. Fest steht allerdings, dass Israel keinerlei Mitteilung über die drohende Ölkatastrophe erhalten und sie daher erst bemerkt hatte, als sich die Katastrophe an den Stränden zeigte.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass es bislang weder seitens des Verteidigungsministeriums noch seitens Netanyahus offizielle Statements zu diesem Ermittlungsergebnis gibt.

Seitens der Armee wurde lediglich klargestellt, dass weder die Armee noch der Mossad in die Ermittlungen involviert waren. Allerdings veröffentlichte die israelische Presse am 3. März, dass es wohl Aufnahmen gebe, die zeigen, wie der Öltanker „Emerald“ den Ölterminal Kharg im Iran verlässt und seine Ladung Öl später auf offenem Meer vor der Küste Syriens auf einen anderen Öltanker unter iranischer Flagge verlädt: die „Lotus“, die danach den syrischen Hafen Banyas anläuft.

Die Ermittlungen werden also noch andauern und das abschließende Ergebnis steht noch aus. Bislang allerdings ist ersichtlich, dass hier im besten Fall „nur“ von verbotenem iranischen Ölschmuggel nach Syrien auszugehen ist, im schlimmsten von einer noch nie dagewesenen Form von Terrorismus.

Für die verendeten Tiere und die menschlichen Helfer, die alles tun, um an den Stränden zu retten, was noch zu retten ist, macht es letztlich auch keinen Unterschied.

Image of the Emerald across Kharg Island, dated January 17, 2021 (photo credit: TANKERTRACKERS.COM)
Die „Emerald“ vor dem iranischen Ölterminal Kharg (Quelle: TANKERTRACKERS.COM)
Iranischer Öltanker: War es ein Unfall oder ein Anschlag?
Die „Emerald“ verlädt ihr Erdöl vor der syrischen Küste auf die „Lotus“ (Quelle: TANKERTRACKERS.COM)

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